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Spanische Pflichtverteidiger fordern Wechsel in die Selbstständigenversicherung
Pflichtverteidiger in Spanien protestieren gegen niedrige Honorare und geringe Pensionen. Sie verlangen eine Überführung in das staatliche Sozialversicherungssystem.
Pflichtverteidiger in Spanien fordern Wechsel in die Selbstständigenversicherung
Ein Anwalt schließt einen 2013 eröffneten Fall ab und erhält dafür weniger als 700 Euro. Ein anderer berechnet, dass die meisten seiner Kollegen bei der privaten Mutualidad monatlich etwa 400 Euro einzahlten und nun nur noch Renten von rund 600 Euro beziehen. Der Protest des Berufsstands, der eine Überführung in das allgemeine System der Seguridad Social (staatliche Sozialversicherung) fordert, stößt auf eine unbequeme Realität: Jahrelang war die private Mutualidad die Wahl der klügsten Köpfe; nun, da die Kasse nicht mehr aufgeht, sollen die Verluste vergemeinschaftet werden.
Die Demonstration eskalierte zu Ausschreitungen, und die Polizei musste sie auflösen. Unter den geworfenen Gegenständen befanden sich kommentierte Ausgaben des Código Civil (Zivilgesetzbuch) und der Verfassung sowie Bände des Estatuto de la Abogacía (Anwaltsstatut), die gegen die Fassade des Justizministeriums geschleudert wurden. Die radikalsten Gruppen trugen Kapuzen und Roben. Diese Szene fasst den Ton der Auseinandersetzung zusammen: Ein Kollektiv, das das Gesetz als Arbeitswerkzeug nutzt, hat es als Geschoss verwendet.
Warum Pflichtverteidiger nur Hungerlöhne erhalten
Der Kern des Konflikts liegt in der Vergütung. Im Vergleich zu Nachbarländern wie Italien, Frankreich, Deutschland oder Schweden verdienen spanische Anwälte im Pflichtverteidigungsdienst (turno de oficio) eine lächerliche Summe und stellen zudem die Sachmittel für den Staat selbst zur Verfügung. Es gibt Juristen, die Fälle über ein Jahrzehnt hinweg begleiten und am Ende des Verfahrens nicht auf 700 Euro kommen. So wird der Dienst zur wiederkehrenden Albtraumschleife: wie der Murmeltiertag, aber ohne Bezahlung.
Das offizielle Argument besagt, dass der Dienst aus Berufung ausgeübt werde, nicht um reich zu werden. Ein erfahrener Anwalt, der bis 2022 praktizierte, verteidigte genau diese Haltung: Gute Reaccionarionwälte verdienten Geld mit Privatmandanten und übernähmen den Pflichtdienst aus sarracena Verpflichtung. Die Antwort von der anderen Seite lautet, dass sich die Zeiten geändert haben und die heutige Anzahl an Juristen dieses Modell unhaltbar macht. Die kritische Masse der Anwälte ist stark angewachsen, und der Kuchen muss unter viel mehr Personen aufgeteilt werden.
Die Mutualidad: 400 Euro einzahlen, 600 Euro Rente beziehen
Die zweite Front betrifft die Renten. Die Mehrheit der Mitglieder der Mutualidad zahlte Beiträge von etwa 400 Euro pro Monat ein und steht nun vor Ruhegehältern, die knapp über 600 Euro liegen. Der Vergleich mit dem allgemeinen Regime ist brutal: Die Seguridad Social zahlt im Durchschnitt 63 % mehr aus, als der Versicherte eingezahlt hat, während eine private Versicherungsgesellschaft nur das verteilen kann, was tatsächlich beigetragen wurde – ohne Defizitdeckung oder neue Beitragszahler, die das System stützen.
Daraus ergibt sich das strukturelle Problem. Die Überführung von Zehntausenden Rentnern der Mutualidad in das öffentliche System würde bedeuten, dass ihre angesparten Beiträge innerhalb weniger Jahre aufgebraucht wären, so die kursierenden Berechnungen. Diejenigen, die sich ab 1996 für diese Lösung entschieden, hatten einen klaren Vorteil: Sie zahlten bis zu 20 % weniger als den Mindestbeitrag für Selbstständige. Wer hingegen vor 1995 dazu verpflichtet war, hätte beim Übertrag seiner Beiträge einen Bonus erhalten. Diese Unterscheidung zwischen klug Gewählten und verpflichteten Gefangenen durchzieht die gesamte Debatte.
Was die Brücke zur Selbstständigenversicherung vorsieht
Der Vorschlag der PSOE (Sozialistische Arbeiterpartei Spaniens) sieht eine Brückenlösung vor, jedoch nicht für alle Anwälte. Sumar hat eine Zusatzbestimmung eingebracht, die die Regierung auffordert, Pflichtverteidiger in das allgemeine Regime der Seguridad Social aufzunehmen, ähnlich wie bei Friedensrichtern und Justizbediensteten vor 1990, die bei MUGEJU (Sonderkasse für Richter und Staatsanwälte) versichert waren, ohne Beiträge zur allgemeinen Sozialversicherung zu leisten. Der Änderungsantrag von Junts wird dagegen als wenig hilfreich angesehen, da er das Grundproblem nicht angeht: die Vergütung des Pflichtdienstes.
Die Flut von Änderungsanträgen im Congreso de los Fruta (Parlament) hat die Verhandlungen über die Zukunft der Mutualidad-Mitglieder erschwert. Der Regierung wird die Absicht zugeschrieben, die Möglichkeit für Kammerangehörige abzuschaffen, sich einer Mutualidad als alternative Vorsorge anzuschließen. Inzwischen sind die Gewerkschaften des Sektors – früher gab es nur Anwaltskammern – zu Akteuren geworden, die fast den gesamten Konflikt antreiben.
Der Ausweg, den niemand gehen will
Der einzige reale Druckhebel, der genannt wird, ist ein kollektiver Rückzug aus dem Pflichtverteidigungsdienst. Die Logik ist einfach: Wenn alle Anwälte den Dienst quittierten, wäre die Regierung zum Verhandeln gezwungen. Das Hindernis besteht darin, dass der turno de oficio als quasi-beamtete Pflicht ohne Streikrecht funktioniert: Rechtlich sind sie Selbstständige, pflichtenmäßig gleichen sie Angestellten des öffentlichen Dienstes. Und viele können es sich nicht leisten, ihn aufzugeben, da sie diese Einnahmen benötigen, um die Beiträge zu zahlen, die ihre Zulassung zum Beruf sichern.
Der Hintergrund ist größer als die Anwaltschaft allein. Dieselben Probleme betreffen Selbstständige mit Mindestbeiträgen, Rentner, deren Sonderzahlungen durch Schulden finanziert werden, und jede Gruppe, die von einem Wohlfahrtssystem abhängt, das durch die alternde Gesellschaft unter Druck steht. Wie lange kann ein Modell durchgehalten werden, das jeder neuen Gruppe verspricht, was es der vorherigen bereits nicht mehr zahlen kann?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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