35-Seiten-Gutachten wirft spanischer Polizei Übergriffe an der Complutense vor

35 Seiten und 21 Videos: Jura-Studierende der Complutense-Universität in Spanien sehen Unregelmäßigkeiten bei den Polizeieinsätzen vom 14. Oktober. Die Regierungsdelegation ermittelt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

35-Seiten-Gutachten wirft spanischer Polizei Übergriffe an der Complutense vor
35 Seiten und 21 Videos gegen die Polizeieinsätze vom 14. Oktober an der Complutense

Vier ärztlich diagnostizierte Verletzte, fünf Festnahmen und ein 35-seitiges Rechtsgutachten mit 21 Videos als Beleg. Das ist die materielle Bilanz des 14. Oktober auf dem Wissenschaftsplatz des Madrider Campus – und das Problem ist längst nicht mehr fehlender Beweise: Es ist, dass die Regierungsdelegation weiterhin behauptet, zu ermitteln. Das Dokument stammt von Jura-Studierenden der Complutense-Universität selbst, die Verletzungsberichte, Fotos und Aufnahmen abgeglichen haben, um zu belegen, dass der Polizeieinsatz „schwerwiegendste Unregelmäßigkeiten" aufwies.

Was geschah am 14. Oktober auf dem Wissenschaftsplatz?

Um halb neun morgens setzte sich ein Informationspickett von der Fakultät für Kommunikationswissenschaft in Bewegung – an einem legal ausgerufenen Streiktag. Auf dem Weg zur Mathematikfakultät blockierten sie den Verkehr, und drei Bürger meldeten telefonisch, dass Personen mit Leuchtfackeln und verhülltem Gesicht den Verkehr blockierten. Die Blockade, so der Bericht, währte nur kurz. Anschließend zog die Gruppe unter Sprechchören zur Chemiefakultät.

Dort änderte sich die Lage. Der unauffällige Polizeiaufmarsch wuchs auf 11 Transporter an. Die Beamten betraten den Campus und bildeten zwei Kordone, die das Pickett von vorn und hinten einschlossen – mit Helmen, erhobenen Schlagstöcken und Einsatzwaffen. Bei Hochschulstreiks ist die Tradition eine andere: Bleibt es ruhig, bleibt die Schutzausrüstung im Verborgenen, und der Einsatzleiter spricht mit den Organisatoren.

Der Ausgang, wie ihn die Verfasser schildern: Ein Beamter geriet in den Weg der Spitzengruppe, es kam zu einer unabsichtlichen Kollision, einem Stoß und einem Einsatz gegen den rechten Flügel des Transparentes. Die Videos zeigen Schlagstöcke durch den Stoff hinunter auf Oberkörper und Beine, eine Studentin, die den Kopf schützt, und möglicherweise genau dort den später angezeigten Ulnabruch. Zu keinem Zeitpunkt wurden Gegenstände geworfen, betont der Text. Dann folgte ein zweiter, als überraschend beschriebener Einsatz: das Transparent entfernt, Demonstrierende am Boden, eine Detonation und eine Studentin, die mehrere Meter geschleift wurde. Mehrere Beamte trugen keine sichtbare Kennnummer.

Das juristische Argument: unantastbarer Campus und LOSU

Der Kern des Gutachtens sind nicht die Schlagstöcke, sondern das Tor. Die Juristen sind der Ansicht, dass die Beamten rechtswidrig in universitäre Räumlichkeiten eindrangen, „angesichts der fehlenden Begründung für die Verletzung der Unantastbarkeit und Autonomie der Universität", einer Garantie, die im LOSU, dem spanischen Hochschulgesetz von 2023, verankert ist. Sie hätten, so die Autoren, einseitig und ohne rechtliche Grundlage gehandelt: weder mit gerichtlicher Anordnung noch mit formeller Anfrage des Rektorats.

Zudem müsse bei geschlossenen Hochschulgeländen der Streik der Regierungsdelegation nicht angezeigt werden, und die zwangsweise Auflösung des Picketts habe die Voraussetzungen nicht erfüllt. Ihr schärfster Vorwurf gilt der Gleichgültigkeit, mit der die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, Erforderlichkeit und Angemessenheit verletzt worden seien: ohne vorherige Androhungen, mit Schlägen gegen verbotene Körperzonen und gegen bereits am Boden liegende oder in die Enge getriebene Menschen.

Welchen Weg können die angekündigten Beschwerden nehmen?

Das Streikkomitee wird das Dokument an das Innen- und Arbeitsministerium, die Regierungsdelegation und das Rektorat senden. Die ausrufenden Gewerkschaften bereiten eine Klage wegen Verletzung von Grundrechten vor, und die vier ärztlich dokumentierten Verletzten prüfen den Strafweg. Auch eine Beschwerde beim Ombudsmann über den nationalen Mechanismus zur Folterprävention schließen sie nicht aus.

Die ungleiche Prüfung, über die gestritten wird

Manche halten entgegen, dass ein Gutachten von Studierenden der eigenen Universität kein unabhängiges Sachverständigengutachten sei und sein Beweiswert von vornherein begrenzt. Dem steht das Gegenteil gegenüber: Die Szene wurde aus mehreren Winkeln aufgezeichnet, und die ärztlichen Berichte existieren. Eine dritte Lesart zielt auf die Befehlskette und erinnert daran, dass der Einsatz politisch der Regierungsdelegation untersteht, nicht dem Ermessen eines Inspektors.

Auch der unbequeme Vergleich wird laut: Polizeieinsätze in Parteizentralen erhielten keine ebenso gründliche Analyse. Die Debatte dreht sich am Ende nicht darum, was geschah, sondern darum, wem man glaubt, wenn er erzählt, was geschah.

Wie viele Gutachten braucht es noch, damit aus einer Untersuchung mehr wird als eine Ankündigung?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

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