Spaniens IT-Arbeitsmarkt: Mit 35 keine Angebote und keine Vorstellungsgespräche

Ein Senior-Programmierer in Spanien hat seit März kein einziges technisches Vorstellungsgespräch: über 100 Bewerber pro Stelle und KI als Ausrede. Der spanische Tech-Markt stürzt ab.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens IT-Arbeitsmarkt: Mit 35 keine Angebote und keine Vorstellungsgespräche
Der Friedhof der Entwicklung: Mit 35 weder Angebote noch Vorstellungsgespräche

Ein Senior-Programmierer mit fünf Jahren eigener Unternehmensführung im Rücken hat seit März kein einziges technisches Vorstellungsgespräch gehabt. Nur Telefonate. Nur Schweigen danach. Mit 35, bei schwindenden Ersparnissen und der Option, wieder bei den Eltern einzuziehen, fällt sein Urteil vernichtend aus: Die Softwareentwicklung in Spanien ist zu einem Friedhof geworden. Und er ist nicht der Einzige, der so denkt.

Die Geschichte hat drei Ebenen, und alle drei tun weh. Die erste ist der Tech-Markt, wo Stellenanzeigen Verantwortung auf tausend Fronten gleichzeitig verlangen, fließendes Englisch und, eine Minute nach Veröffentlichung, bereits über hundert Interessenten angehäuft haben. Die zweite ist die ungelernte Arbeit: Lagerhelfer, Kassierer, was auch immer. Dort kehrt sich das Problem um —du bist überqualifiziert— und man scheidet dich vor dem ersten Anruf aus, weil man annimmt, dass du bald gehst. Die dritte ist ein Business, das nicht abhebt, während die KI den Webtraffic auffrisst und das Schiff mit den Ersparnissen an Bord sinkt.

Die KI als Ausrede und als Ursache

Das Aufkommen der künstlichen Intelligenz erscheint im Gespräch als zweischneidiges Schwert. Für die einen erklärt sie den Einbruch des Webtraffics, der das eigene Geschäft tötete. Für die anderen ist sie die perfekte Ausrede, mit der Unternehmen die Nicht-Einstellung rechtfertigen: Man soll die Arbeit von dreien erledigen, alles auf Englisch, mit dem Tool der Stunde als einzigem Teamkollegen. Manche beschreiben die Szene schonungslos: Kollegen, die die Entwicklungsumgebung gar nicht mehr öffnen, die das Kundenticket einfach an das Modell durchreichen und die Antwort nur flüchtig prüfen. Wenn das die Arbeit ist, taugt jeder.

Der Kontrapunkt kommt aus der Branche selbst: Programmieren war nie das Höchste. Das Höchste ist, verteilte Systeme zu verstehen, Informationsflüsse, Randfälle, Transaktionalität, Echtzeit-Engpässe. Jahre des Studiums und der Praxis, die ein Projektleiter mit einem Malbuch-Abschluss nicht von Grund auf ersetzen kann. Die Diskussion lautet also nicht, ob die KI den Programmierer ersetzt, sondern welchen Programmierer sie ersetzt und wie viele Einstiegsstellen übrig bleiben, um die nächste Generation auszubilden.

Der Beamtenwettbewerb als einziger Ausweg, mit eigenen Fallstricken

Die meistgenannte Antwort im Gespräch ist ein Wort: sich als Beamter bewerben. Verbeamtet werden. Die einzige wirtschaftliche Sicherheit, der man nach dieser Ansicht heutzutage vertrauen kann. Manche sagen es mit einer Härte, die an einen Ausrutscher grenzt —besser mit 25 scheitern als mit 45—, andere differenzierter: Wenn du in einer Großstadt lebst, mach den Beamtenwettbewerb; wenn nicht, kann dich die Versetzung an einen Ort bringen, wo die Miete das Gehalt auffrisst. Das ist kein Detail. Manche Stellen bleiben unbesetzt, weil der Zuschlagsempfänger absagt, sobald er sieht, wo er eingesetzt würde.

Das öffentliche System selbst liefert ein aufschlussreiches Thermometer. Beim Informatik-Wettbewerb des Staates (Spaniens konkurrenzorientiertes Auswahlverfahren für den öffentlichen Dienst) stieg die Grenznote von 3 von 10 —dem gesetzlichen Minimum— auf 4,8 von 10, noch immer unter den 6,3, die beim allgemeinen Verwaltungswettbewerb verlangt werden. Die Lesart ist doppelt: Die Stelle wird begehrter und bleibt zugleich weniger umkämpft als eine Verwaltungsstelle. Die vollständigen Daten mit dem Vergleich zwischen Laufbahnen und Jahren zeichnen ein Bild des öffentlichen Arbeitsmarktes, das in den offiziellen Statistiken nicht auftaucht.

Sich neu erfinden: vom Ingenieursabschluss zum Handwerksberuf

Abseits des Beamtenwegs mehren sich die Vorschläge. Ein Handwerk lernen —Maurer, Klempner, Tischler, Elektriker— und selbstständig werden. Eine höhere Berufsausbildung im Industriebereich machen, etwa Mechatronik oder Automatisierung und Robotik, wo die Industrie tatsächlich Personal sucht und die IT-Grundlage von Vorteil ist. Eine Plattform bauen, die Erzeuger, Transporteure und lokale Verkaufsstellen ohne Zwischenhändler verbindet. Hausverwalter werden und dabei nutzen, dass die KI den Aufbau ohne Angestellte ermöglicht. Sogar Schäfer, mit Unterricht an Brückentagen und Feiertagen, während die Städter im Sommer zur Therapie anreisen.

Das Kernproblem ist, dass keine dieser Routen die Dringlichkeit löst. Alle brauchen Zeit, und Zeit ist genau das, was knapp wird, wenn die Ersparnisse den Countdown markieren. Die Belastung dauert schon zwei Jahre, und der Rückzug zu den Eltern mit 35 —nach einem Jahrzehnt Unabhängigkeit— ist die letzte Option, kein Plan.

Altersdiskriminierung und der Trugbild der Erfahrung

Zum Alter gibt es Versionen für jeden Geschmack. Ein Teil behauptet, Unternehmen würden zunehmend ältere Profile mit Erfahrung gegenüber frisch Ausgebildeten bevorzugen. Andere erinnern daran, dass das Problem nicht das Alter ist, sondern das Gehalt, das die Erfahrung begleitet: Wenn der Markt voller Kandidaten ist, die weniger verlangen, wird der Senior zum Luxus, den niemand bezahlen will. Und ein Dritter verweist auf den makroökonomischen Kalender: Wenn die Rezession kommt und die Tech-Konzerne fallen, werden die Entlassungen in der IT episch, denn mit KI genügt ein Screen-Scraper, um ein Formular nachzubauen.

Das Ergebnis ist ein Sturm, der mehrere Fronten gleichzeitig vereint: künstliche Intelligenz, Verlagerung ins Ausland per Homeoffice, ein Überangebot an in den letzten Jahren ausgebildeten Programmierern und Altersdiskriminierung. Keiner dieser Faktoren erklärt allein, was passiert. Zusammen schon.

Lohnt es sich, Spanien zu verlassen?

Die Frage, die die ursprüngliche Überlegung abschließt, erhält skeptische Antworten. Ohne fließendes Englisch ist Auswandern schwieriger, als es scheint. Die Winter anderer Länder sind härter. Und der globale Tech-Markt ist nicht besser: Die KI kennt keine Grenzen. Die Alternative, die manche verteidigen, ist zu bleiben und genau das Werkzeug, das den Arbeitsplatz bedroht, für ein neues Unternehmen zu nutzen — mit dem Vorteil, das Terrain zu kennen.

Die Prognose mit Vorbehalt: Die Bereinigung der Branche ist nicht abgeschlossen. Wenn die Rezession das Szenario bestätigt, wird der Druck auf Gehälter und Einstiegsstellen zunehmen, bevor er sich stabilisiert. Niemand weiß, wie lange der Winter dauern wird, noch wie viele der heute Jobsuchenden noch suchen werden, wenn er nachlässt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (447 Antworten).

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