Frankreich billigt Abgabe von 0,055 Euro pro Gigabyte in erster Lesung

Frankreich hat in erster Lesung eine Abgabe von 0,055 € pro Gigabyte für digitale Plattformen gebilligt: 11 Ja-Stimmen, 10 Nein-Stimmen und eine Regierung dagegen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Frankreich billigt Abgabe von 0,055 Euro pro Gigabyte in erster Lesung
Frankreich beschließt Abgabe von 5,5 Cent pro Gigabyte für große Plattformen

Eine Steuer kommt mit 11 Ja- und 10 Nein-Stimmen voran, in einem Plenum mit nur 35 anwesenden Abgeordneten von 577. Die französische Nationalversammlung gab am Freitag, den 30. Oktober, grünes Licht für einen Zusatzantrag zum Haushaltsentwurf 2027, der den Datenverkehr zu französischen Nutzern mit **0,055 Euro pro Gigabyte** belastet. Die fast leere Abstimmung reicht, um den Zünder zu legen: Der Vorschlag zielt auf Netflix, YouTube, Amazon, Google und Gaming-Plattformen, und die Befürworter rechnen mit **10 Milliarden Euro jährlich**. Die Regierung Macrons hat ihre Ablehnung bereits erklärt.

Die Mechanik ist leicht zu beschreiben und teuflisch umzusetzen. Die Unternehmen, die für die Datenübertragung verantwortlich sind, zahlen die Abgabe; Internetanbieter müssen die von jedem Unternehmen übertragenen Volumina messen und konsolidierte, anonymisierte Informationen an die Steuerbehörde übermitteln, unter Aufsicht der Telekom-Regulierungsbehörde. Der sozialistische Abgeordnete **Laurent Lhardit** zeichnet den Antrag verantwortlich. Der Minister für Aktion und öffentliche Rechnungsführung, **David Amiel**, bekämpfte ihn vor der Abstimmung wegen der technischen Machbarkeit und eines unbequemen Details: Fast die Hälfte der Steuerlast könnte am Ende auf kleinere Unternehmen fallen.

Was ein Gigabyte zu 5,5 Cent wirklich kosten würde

Die kursierenden Zahlen vermitteln eine Größenordnung. Ein durchschnittlicher Netflix-Abonnent verbraucht rund **500 GB pro Monat**, was theoretisch **27,50 Euro monatlich** an Abgabe bedeuten würde. Das Herunterladen eines 150-GB-Spiels würde für das Unternehmen etwa **8,25 Euro** zusätzlich kosten. Das Streamen eines 4K-Films, rund **0,77 Euro**. Das sind Berechnungen der Befürworter, keine garantierten Einnahmen, und hier beginnt das erste Problem: Die Abgabe wird formal gegen die Unternehmen erhoben, aber nichts hindert sie daran, sie über Preiserhöhungen, Servicekürzungen oder neue Geschäftsbedingungen an die Kunden weiterzugeben.

Nach einer im Debattenverlauf kursierenden Rechnung würde ein Basisabo in Frankreich auf **30 Euro pro Monat** steigen, und ein Release wie GTA VI im PlayStation Store könnte an die **200 Euro** heranreichen. Die Weitergabe an den Geldbeutel des Verbrauchers steht nicht im Gesetzestext, aber die Marktlogik macht sie schwer vermeidbar. Und der Sektor, der am stärksten trifft, ist nicht Streaming: Es ist Hosting und virtualisierte Server, wo der Verkehr das Rohstoffgeschäft ist.

Der Präzedenzfall César Alierta und die Netzneutralität

Die Idee ist nicht neu. Im Februar 2010 eröffnete der damalige Telefónica-Chef **César Alierta** die globale Debatte über die Netzneutralität, indem er forderte, große Suchmaschinen sollten die Netzbetreiber für die Nutzung ihrer Netze bezahlen. Sein Argument: Die Telekomunternehmen tragen die Kosten für den physischen Ausbau und die Antennen, während die Plattformen den Verkehr abgreifen, ohne beizutragen. Fünfzehn Jahre später greift der französische Gesetzgeber die Intuition auf und macht daraus eine Abgabe. Der Unterschied: Damals war es eine Idee eines Managers, heute ist es ein abgestimmter Antrag, wenn auch knapp.

Ein Antrag, der noch den Senat überstehen muss

Man sollte das Verfahren nicht mit dem Gesetz verwechseln. Beschlossen wurde ein Antrag in erster Lesung zum Haushalt 2027, in einer Sitzung mit 35 von 577 Abgeordneten. Es ist üblich, dass solche Anträge durchkommen und später fallen. Dem Text bleiben noch der Senat, der Vermittlungsausschuss und häufig Artikel 49.3, um den endgültigen Text festzulegen. Mit der Regierung dagegen wird der Antrag höchstwahrscheinlich aus dem endgültigen Text verschwinden. Aber die Botschaft ist gesendet, und in Steuerfragen werden die Generalproben meist so lange wiederholt, bis eine aufgeht.

Der technische Zweifel ist nicht gering. Eine ausländische Plattform müsste für die an französische Nutzer gesendeten Daten zahlen, und dort beginnt das Spiel: die Herkunft des Verkehrs mit einem VPN in einem Land zu verschleiern, das mit den französischen Steuerbehörden nicht kooperiert. Wie würde dann kassiert? Die Bürokratie, die nötig wäre, um Volumina pro Unternehmen zu messen, zu konsolidieren und abzugleichen, wäre – mit den Worten der Regierung selbst – ein Albtraum.

Die Steuer, die kommt, wenn die Zahlen nicht mehr aufgehen

Der Kontext erklärt die Eile bei der Einnahmenbeschaffung. Die europäischen Staaten stehen vor öffentlichen Diensten, die sich mit den Einnahmen nicht mehr tragen, und die übliche Antwort ist, den Steuerzahler auszupressen, statt Strukturen abzubauen. Die Laffer-Kurve hat eine schlechte Nachricht für die Abgaben-Enthusiasten: Steigt der Satz, bewegt sich die Basis. Geben die Plattformen die Kosten weiter, sinkt der Konsum; tun sie es nicht, leidet die Investition. In beiden Fällen entfernt sich die prognostizierte von der tatsächlichen Einnahme.

Westeuropa digitalisiert sich mit anderer Geschwindigkeit als seine aufstrebenden Nachbarn, und während einige die Produktivität steigern, bestrafen andere die Internetnutzung. Die französische Abgabe ist die Anekdote; der Trend ist die Sache. Vor dem Hintergrund der Staatsschulden hat jede neue Belastung des digitalen Verkehrs etwas vom Flickwerk und viel vom Signal: Jemand wird die Zeche zahlen müssen, und der natürliche Kandidat ist immer derselbe.

Und wenn der Antrag am Ende im Senat fällt und nichts übrig bleibt? Auch das wäre eine Antwort. Die Frage ist, wie oft man diese Generalprobe noch sehen muss, bis eine davon aufgeht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).

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