Ibex 35 im Juni 2010: -2,43 % und alle Blicke auf die EZB
Am 1. Juni 2010 schloss der Ibex 35 den ersten Handelstag des Monats mit einem Minus von 2,43 % bei 9.132 Punkten. Dies war kein isolierter schlechter Tag, sondern der Startpunkt eines Quartals, das den spanischen Markt an den Rand des Abgrunds brachte und die europäische Schuldenkrise in den Mittelpunkt rückte. Am selben Morgen senkte die Ratingagentur Fitch die Bewertung des FROB (spanischer Bankenfonds) und der SEPI (staatliche Holdinggesellschaft) von AAA auf AA+, passend zur Herabstufung des Königreichs Spanien wenige Tage zuvor. So begann der Juni: Wenn der Staat eine Stufe hinunterfällt, folgen seine Institutionen.
Von 9.132 Punkten bis zur Unterstützungslinie bei 8.650
Der Monat bot keine Erholungspause. Der Euro testete Tiefstände wie zuletzt im April 2006, mit einem umstrittenen Doppelboden um 1,2111. Die Risikoprämie gegenüber Bundesanleihen setzte sich bei 1,70 Prozentpunkten fest und stieg weiter. Jeder zusätzliche Zehntelpunkt führte zu weiteren Verlusten beim Ibex. Der spanische Aktienmarkt verinnerlichte die Botschaft: Das Problem war nicht die Realwirtschaft, sondern das souveräne Risiko.
Politische Aussagen wogen schwerer als jede Chartanalyse. Kenneth Rogoff, ehemaliger Chefökonom des IWF, sah „große Chancen“ für einen Rettungskredit für Spanien. Vizepräsidentin De la Vega dementierte dies. Der Markt las das offizielle Dementi mit derselben Skepsis wie eine August-Erklärung. Die Risikoprämie stieg weiter. Politik zerstreute die Zweifel nicht, sie bestätigte sie.
Zynische Analysen zeigten auf die realen Unterstützungslevel. Verliert der Ibex die 9.200, sind die 8.650 Punkte greifbar nah, mit Spielraum bis 8.480. Keine Prophezeiung, sondern die Parallele zum Seitwärtstrend von Juli bis November 2008, wo der Index genau dort stoppte. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
EZB leiht 131,9 Milliarden aus – Stimmungswandel für einen Tag
Am 30. Juni kam die erwartete Nachricht. Die Europäische Zentralbank gab eine dreimonatige Refinanzierung über 131,9 Milliarden Euro bekannt, deutlich unter den von Analysten erwarteten 250–300 Milliarden. Aktien und Euro legten stark zu. Der Markt deutete die Zahl so, dass Banken weniger Liquidität benötigten als befürchtet: Weniger Nachfrage signalisierte Entspannung.
Das Kleingedruckte sagte etwas anderes. Am selben Tag waren 420 Milliarden Euro zurückzuzahlen. Dass das System weniger Geld abholte als erwartet, konnte gut sein oder bedeuten, dass niemand frisches Kapital in periphere Staatsanleihen stecken wollte. Die Erholung am Monatsende hielt nur so lange wie die positive Interpretation.
Das unsichtbare Spiel: Käufe, Verkäufe und Auktionen der Großen
Ein häufig beobachtetes Muster war der institutionelle Fluss im Ibex. Morgens Käufe, nachmittags Verkäufe, Blocktrades in der Schlussauktion. Der tägliche Bericht blieb ähnlich und verwirrend. Ein Plus-Tag endete mit harten Verkäufen in der Auktion. Ein Minus-Tag schloss mit kleinen, gefilterten Käufen bei geringem Volumen. Die gängigste Schlussfolgerung: Große Player warteten auf eine Lücke nach oben am nächsten Tag, ohne dass jemand das ganze Bild hatte. „Was mich am meisten ärgert, ist, dass wir nur die halbe Messe verstehen“, fasste ein erfahrener Händler zusammen. Wir wussten, dass es schlecht lief, aber Ereignisse geschahen ohne Erklärung, die oft erst im Nachhinein folgte.
Long, Short und die Versuchung der Martingale-Strategie
Der Ibex im Juni war eine Falle für Mutige. Long-Positionen sahen Erholungen binnen Stunden verdampfen. Wer zu früh short ging, wurde vom technischen Anstieg überrollt. Tageszahlen rechtfertigten jeden Pessimismus: Sacyr fiel 9,20 %, Bankinter 8,07 %, BBVA 7,24 %, Telecinco 6,92 %, Santander 6,79 %. In einer Sitzung. Am nächsten Tag musste man die Gegenbewegung aushalten.
Die Diskussion wandte sich der Martingale-Strategie zu, dem alten Rezept, Einsätze zu verdoppeln, bis ein Gewinn kommt. Theoretisch plausibel. Praktisch hat niemand unbegrenztes Kreditlimit, und wer es live versucht, endet bettelnd. Im Online-Simulator kann man das Konto bei Null neu starten; an der echten Börse gibt es diesen Knopf nicht. Die Monatsbilanz war eindeutig: Geringe Hebelwirkung und nicht dem letzten Chart blind vertrauen.
Warum stürzt der Baltic Dry Index weiter ab?
Während der Markt über Zehntelprozentpunkte diskutierte, sendete ein weniger beachteter Indikator Alarm. Der Baltic Dry Index, der die Kosten für den Seetransport von Rohstoffen misst, fiel ungebremst. Die verbreitete Erklärung: Eine Aufwertung des Yuan würde kurzfristig die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Exporte mindern und den Schiffsverkehr belasten. Niemand schloss die Debatte mit schlüssigen Daten. Der BDI war bereits 2008 ein Frühindikator und ist es nun wieder. Wenn die Realwirtschaft noch keinen Boden erreicht hat, warum erholen sich dann die Börsen?
Die Baisse-Wette, die 15 zu 1 zahlte
Ein weiteres Fenster zum Marktgefühl boten keine Profi-Terminals, sondern Wettautomaten im Baskenland. Dort gab es eine Wette auf den Stand des Ibex am 31. Dezember. Die pessimistischste Option, unter 9.000 Punkten zu schließen, zahlte Anfang Juni 15 zu 1. Wenige Wochen später war die Quote auf 5 zu 1 gefallen. Die Maschine stoppte die Annahme und öffnete sie später teurer wieder. Der Wettmarkt reproduzierte die Sicht der Profis: Das Baisse-Szenario war das Basisszenario.
Am 30. Juni änderte sich der Ton, nicht der Inhalt
Die letzte Woche stand im Zeichen der EZB-Auktion und des Quartalsverfalls von Derivaten. Der Morgen des 30. war lehrbuchhaft: Höherer Auftakt, kurzer Rückgang zum Stop-Loss-Fangen, aggressiver Kauf günstiger Titel. Eine Erholung, die laut aktiven Händlern mehrere Tage halten sollte. Die Ernte war gut für jene, die Positionen durchgehalten hatten.
Doch die dominante Note zum Schluss war anders. Ein Händler, der Longs geschlossen und Shorts eröffnet hatte (mit Ziel November), fasste die Stimmung so zusammen: Schulden müssen bezahlt werden, egal ob unsere Politiker überrascht sind. Das Problem war kein Chart oder Indikator. Es war, dass niemand, weder intern noch extern, offen aussprach, was hinter den Kulissen passierte. Die EZB hatte 131,9 Milliarden geliehen, Fitch die Ratings gesenkt, und der Ibex beendete den Monat ohne Entscheidung, ob der Boden bei 9.000, 8.650 oder nirgendwo lag. Dies war die Analyse, soweit verfügbare Daten reichten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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