Campofrío: Von 4,60 € zum chinesisch-mexikanischen Bieterkampf

Ein Kaufsignal bei 4,60 € trieb Campofrío auf 7,62 €, ausgelöst durch den Übernahmekampf zwischen Sigma und Shuanghui.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Campofrío: Von 4,60 € zum chinesisch-mexikanischen Bieterkampf
Campofrío: Von 4,60 € zum chinesisch-mexikanischen Bieterkampf

Im August 2013 behauptete jemand, ein Wertpapier mit einem starken Kaufsignal zu haben, das in wenigen Monaten mindestens um „65 %“ steigen würde. Der Name wurde nicht öffentlich genannt; Interessenten mussten privat nachfragen. Es handelte sich um Campofrío, das damals zwischen 5,05 und 5,29 Euro pendelte, ohne Volumen handelte, während der Markt auf Bankia schaute. Das Bemerkenswerte war nicht die Empfehlung selbst, sondern was danach geschah.

Wie Campofrío vor dem Übernahmeangebot notierte

Wochenlang war der Fleischverarbeiter eine flache Aktie. Sie stieg um 1 %, fiel wieder, stieg am nächsten Tag erneut, immer mit dem Gefühl, dass die großen Investoren – die wahren Akteure, nicht die Privatanleger – keine Position bezogen. Die häufigste Einschätzung unter den Beobachtern war, dass Campofrío auf ein Übernahmeangebot wartete und dass der Kurs bis dahin nicht durchstarten würde. Andere argumentierten genau das Gegenteil: Das Unternehmen sei ein Geldfriedhof und keinen Cent wert. Beide Lager lagen monatelang gleich falsch.

Der Autor der Empfehlung nannte einen Schlüsselkurs: 5,34 Euro. Oberhalb dieser Widerstandslinie, so hieß es, käme Volumen ins Spiel und der Anstieg beginne. Eine Lehrbuchtheorie mit Dreiecksmuster, entspanntem Stochastik-Oszillator und als „sehr bullisch“ beschriebenen Indikatoren. Skeptiker fassten das Problem trocken zusammen: Unter den Ökonomen, die die Zukunft vorhersagen, sind die Schlimmsten jene, die glauben, es wirklich zu können.

Das Übernahmeangebot von Sigma zu 6,80 Euro je Aktie

Im November 2013 kam die Nachricht: Der mexikanische Konzern Sigma startete ein Übernahmeangebot für Campofrío zu 6,80 Euro je Aktie. Die Aktie, die seit Monaten um 5,20 Euro verharrte, sprang an. Euphorische Meldungen häuften sich: Wochenschluss bei 7,03 Euro, Hochs bei 7,10, Verkäufe zu 7,29. „Raus damit“, lautete die Kurzfassung. Zu diesem Zeitpunkt konnte derjenige, der die Aktie bei 4,60 empfohlen hatte, einen Anstieg von 23 % verbuchen – und das Beste stand noch bevor.

Das Angebot selbst lag unter dem Marktkurs. Mehrere Aufsichtsräte von Campofrío traten nach der mexikanischen Ankündigung zurück, und der Preis stieg weiter über das von Sigma gebotene Niveau hinaus. Wenn eine Aktie unter dem Angebotspreis notiert, wird Risiko eingepreist. Notiert sie darüber, signalisiert der Markt etwas anderes.

Warum Campofrío über den Angebotspreis schoss

Die Antwort kam mit chinesischem Namen. Die Gruppe Shuanghui – Käufer des US-Konzerns Smithfield Foods – prüfte ein Gegenangebot zur Kontrolle von Campofrío, gestützt auf eine Kreditlinie von 8 Milliarden Dollar. Im Hintergrund der Zeitplan: Das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) hatte 75 Tage Frist, um die Smithfield-Transaktion zu genehmigen oder abzulehnen, zu 34 Euro pro Aktie, einer Prämie von 31 % auf den vorherigen Kurs.

Die Aktie näherte sich 7,50 und erreichte 7,62 Euro. Der Kampf zwischen Chinesen und Mexikanern um einen spanischen Wursthersteller ließ Kleinanleger jeden Morgen auf ihr Handy starren. Niemand wusste, wie lange das dauern würde; nur dass diesmal, wer „geparkt“ hatte, Gewinne machte.

Die andere Seite: Codere und Silbermünzen

Nicht alles war ein Treffer. Dieselbe Quelle, die den Campofrío-Coup ankündigte, hatte auch Codere empfohlen, dessen Verluste wegen des Auslandsgeschäfts bis September um 80 % explodiert waren. Parallel dazu eine Wette auf physisches Silber – buchstäblich Münzen –, das bei 24,38 Dollar stand. Die Prognose sah einen weiteren Fall auf 17,50 voraus, mit 25 % Chance auf einen Absturz bis 15 Dollar.

Kapital floss zwischen Silber, Fleischindustrie und Hotels hin und her. An mehreren Punkten bedauerten Späteinsteiger, nur 400 Aktien gekauft zu haben, während jene, die ihren Einstandskurs auf 4,86 gemittelt hatten, im Aufwärtstrend blieben. Der Markt verteilte nicht allen das gleiche Ergebnis, und kein Indikator kann das korrigieren.

Was dieses Episode für den spanischen Anleger bedeutet

Die Geschichte ist einfach und deshalb unbequem. Eine anonyme Empfehlung, eine flache Aktie, ein unerwartetes Übernahmeangebot und ein versprochener Peak von 65 %, der sich rückwirkend erfüllte: nicht durch technische Analyse, sondern weil ein ausländischer Gigant kaufen wollte. Der Treffer existierte. Die Erklärung ist umstritten.

Manche sehen darin einen Beweis, dass Geduld und Chartanalyse funktionieren. Andere widersprechen mit Daten: Der Kursanstieg resultierte aus einer Unternehmensaktion, die sich mit einem Dreiecksmuster nicht vorhersagen ließ. Das Verdienst, falls es eines gibt, bestand darin, früher als andere dabei gewesen zu sein.

Wer bei 4,60 Euro gekauft hatte, saß exakt auf den versprochenen 65 %. Ein Chart hatte es antizipiert. Bezahlt hat es schließlich ein mexikanisches Unternehmen. Den Unterschied hat bisher niemand erklärt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (1023 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver