Arbeiten in Galizien: Das Klischee gegen die Details
Es gibt ein Stereotyp darüber, wie Galizier bei der Arbeit sind, das so oft wiederholt wird, dass es kaum noch wie ein Vorurteil klingt: verschlossen, misstrauisch, geizig, stur, unterwürfig gegenüber Vorgesetzten und tyrannisch gegenüber Untergebenen. Das Thema ist alt. Das Bemerkenswerte ist, wer es unterschreibt: Es gibt Galizier, die es härter vertreten als jeder Außenstehende. Den Anstoß gab die Geschichte eines Logistikarbeiters, der Galizien Richtung Extremadura verließ und den dortigen Durchschnittsunternehmer als „alt, plump, stur“ beschrieb. Danach legte jeder seine eigene Erfahrung dazu, was zu mehr als dreihundert Antworten über fast drei Jahre hinweg führte.
Von Sarria nach Badajoz: Der Fall, der alles auslöste
Der Ausgangspunkt ist keine soziologische Studie, sondern eine persönliche Erfahrung. Ein erfahrener Fachmann, der jahrelang in Barcelona arbeitete und schließlich bei einem Unternehmen in Extremadura landete – mit Arbeitsplatz und Wohnung nur zehn Minuten entfernt –, fasste seinen Aufenthalt in Galizien mit einem Satz zusammen, der immer noch zitiert wird: Der durchschnittliche Unternehmer dort erschien ihm eher einer Ziege ähnlich als einem Menschen. Die Übertreibung dient dem Zweck. Der Rest ist eine Reihe von Zeugnissen mit mehr oder weniger Witz und sehr wenig Statistik dahinter.
Dasselbe schlechte Image gilt auch für León, Asturien oder Murcia
Ein Argument entkräftet die halbe Klischee-Sammlung sofort. Es wird argumentiert, dass alles, was Galiziern zugeschrieben wird – der dörfliche Geist, die Sturheit, die Resistenz gegen Veränderung – genauso gut jeder anderen ländlichen Region zugesprochen werden kann: den katalanischen Bauern, den aragonesischen Baturros, den Cantabrianern. Das Problem wäre nicht die Heimat, sondern der universelle Hinterwäldler. Dabei wird auch darauf hingewiesen, dass die Abneigung gegen das Galizische eine schwarze Legende trägt, die anderswo nicht gleichermaßen angewandt wird.
Kleinstbesitz, Kaciquismo und eine bescheidene Sarracena
Wenn man das Klischee genauer betrachtet, taucht die Geschichte auf, die deutlich interessanter ist als der Witz. Galizien war nie, behaupten einige, Land großer Herrschaften, sondern kirchlicher Besitz und Kleinstbesitz (Minifundio): Das Land wurde geteilt, weil es kein Erstgeburtsrechtssystem wie in Kastilien gab. Dies hätte kleine, geschlossene Gemeinschaften geschaffen, in denen die Autorität zwischen dem lokalen Machthaber (Cacique) und dem Pfarrer aufgeteilt war. Eine galizische Selbstkritik fasst dies ohne Umschweife zusammen: Man pflegt eine bescheidene Sarracena, basierend auf Feilschen mit dem Nachbarn, die mit anderen Auffassungen des Umgangs kollidiert. Castelao, der keineswegs konservativ war, schrieb, dass Galizier „vernünftige und gescheite Leute“ seien. Je nachdem, um welche Dinge es geht.
Die Details: Löhne, Verhandlungen und verzweifelte junge Leute
Hier endet das Folklore. Es wird der Fall zitiert, der in der Presse berichtet wurde, von einer Werkstatt, in der der Besitzer vom Angestellten verlangte, einen Teil des Gehalts bar zurückzugeben: „Ich zahle dir 1.500 Euro netto auf dein Konto, und du gibst mir 700 Euro bar zurück. Wenn dir das nicht passt, geh.“ Auch die Geschichte eines zwanzigjährigen Mannes, frisch von Santiago, dessen Kollege ihn am zweiten Arbeitstag so fertigmachte, dass er weinen musste. Und eine bemerkenswerte Selbstkritik: Das Problem ist nicht so sehr das Arbeiten wie das Verhandeln, denn es scheint immer, dass man noch etwas rausholen kann, und der Deal wird nie ganz abgeschlossen. Die genaue Berechnung, wie viel durch diese Gewohnheit verloren geht, lohnt sich im Kontext gelesen zu werden.
Dorf gegen Stadt: Die Kluft, die anerkannt wird
Selbst die Härtesten werfen nicht alle in einen Topf. Die Unterscheidung, die immer wieder auftaucht, trennt das Dorf von der Provinzhauptstadt. In Santiago, Lugo oder Vigo gäbe es voll funktionsfähige Fachkräfte; der Konflikt käme im ländlichen Umfeld, mit älteren Arbeitnehmern, die lieber zwei Stunden früher anfangen, als neue Maschinen zu lernen, mit unrenovierten Häusern und auf der Bank liegenden Gehältern. Die Resistenz gegen Veränderung erscheint mehr als jede andere Sache als die eigentliche Anschuldigung.
Wenn das Arbeitsthema in Identität abdriftet
Keine Diskussion über Regionen dauert lange, bevor sie vom Thema abschweift. Hier passierte das Übliche: Vom Schwarzgeld sprang man zur Sprache, zum Nationalismus und zur Figur von Franco, der als bis ins Mark galizisch beschrieben wird. Auch Listen berühmter Nachnamen tauchten auf, um eine unklare genetische These zu illustrieren, die mehr über den Schreiber aussagt als über die Porträtierten. Wenn das Argument vom Gehalt zum Blut springt, ist das Einzige klar, dass man den Fokus verloren hat.
Eine überraschend eingestreute Zahl
Zwischen all den Nachnamen taucht auch eine korrekte Zahl auf, die nichts mit Arbeit zu tun hat: Galizien hat die niedrigste Quote an Roma-Bevölkerung in Spanien, etwa fünfzehntausend Personen bei fast drei Millionen Einwohnern. Niemand weiß genau, was diese Zahl hier soll, außer zu bestätigen, dass das Stereotyp aus dem gebaut wird, was gerade verfügbar ist.
Was, wenn das Problem die spanische Erzählung ist und nicht Galizien?
Die andere Lesart ist unbequemer: Dass Verachtung zwischen Regionen ein Nationalsport ist, der in alle Richtungen praktiziert wird. Dieselben Leute, die über den galizischen Cacique lachen, lachen über den Baturro, den Panocho oder den Payés. Und dass sich eine Region selbst härter kritisiert als andere, ist ein Merkmal, das sie mit vielen teilt. Wer das Bild von Weitem betrachtet, kommt meist zum selben Schluss: Wo Blut verantwortlich gemacht wird, steckt fast immer Geografie, prekäre Arbeitsbedingungen und ein Staat, der zu spät kam.
Mit diesem Material kann man nicht schlussfolgern, dass Arbeiten in Galizien anders ist, noch dass es gleich ist. Das Einzige Haltbare ist, dass die Arbeitsbeziehungen des Minifundios langsamer aussterben als im restlichen Spanien, und solange im ländlichen Raum die Gewohnheit vor der Veränderung steht, wird das Stereotyp Nahrung finden. Dass es innerhalb einer Generation verschwindet, ist die Wette vieler. Sie wetten seit Jahrzehnten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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