Wall Street auf Rekordjagd, IBEX 35 verliert an Dynamik

Während der Dow Jones neue Höchststände erreicht, stagniert der spanische IBEX 35. Der Ölpreisverfall belastet Energieunternehmen und Fonds in einer Phase quasi-deflationärer Tendenzen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der IBEX 35 verliert an Schwung, während Wall Street Rekorde jagt

Warum erreichte Wall Street neue Höchststände, während der IBEX 35 kaum für Schlagzeilen sorgte? Mitte Dezember 2014, als der Ölpreis abstürzte und der spanische Leitindex um die 9.660 Punkte pendelte, wurde die Kluft zwischen den US-Rekordkursen und der realen Wirtschaftslage immer deutlicher. Die USA feierten Bestmarken, China zog nach, doch hierzulande erlahmte die Börsenaktivität bis zum Stillstand. Die Volatilität versprach nichts Gutes. Der Dow stieg unaufhaltsam; Spanien hingegen erlebte seinen „Marmotentag“.

BBVA-Trade scheiterte nur knapp

Der Handelstag begann mit einem Intraday-Geschäft bei BBVA. Das System signalisierte einen Einstieg bei 7,90 Euro; der Anleger legte zwei Cent Puffer drauf – denn der Markt berührt selten exakt den Zielkurs – und wartete auf den Rückgang. Der Preis fiel jedoch nie so tief. Er blieb acht Tausendstel über dem Limit und streifte es fast zum Schluss. Kein Einstieg, kein Schreckmoment, und das war gut so: Eine offene Spot-Position übers Wochenende, während die New Yorker Indizes auf Tiefststände fielen, wäre ein Risiko gewesen, das niemand eingehen wollte.

Die Jagd nach dem perfekten Kurs wurde zur Obsession. Ein Parkett-Orakel definierte 10.010 als erste Unterstützung und 9.660 darunter. „Das Szenario bricht bei 10.270–10.440 zusammen“, lautete das Urteil. Für BBVA galt die klare Ansage: Schaut euch eure BBVA-Aktien erst wieder bei 7,20 an. Diese Referenzwerte wiederholten sich jede Sitzung und dienten in einer nervösen Woche sowohl als Kompass als auch als Ausrede.

Für den Privatanleger war die Strategie eindeutig: Einstieg im Bereich von 9.660 und keine lange Haltezeit. Das Szenario deutete auf 8.000 hin, es sei denn, eine Zentralbank überraschte mit japanischen Maßnahmen. Die Grundstimmung blieb pessimistisch.

Ölpreisverfall setzt Energiekonzerne und Fonds unter Druck

Der Absturz des Rohöls war kein isoliertes Phänomen. Im vergangenen Jahr hatten jene Akteure, die 80% des Futures-Marktes für Rohstoffe dominierten, das Geschäft verlassen. Die Regulierung nach der Krise – der Dodd-Frank Act und das gesamte Derivate-Regelwerk – zwang zur Auflösung von Positionen, und die Volatilität tat ihr Übriges. Deutsche Bank entließ 200 Händler im Rohstoffbereich; JP Morgan verkaufte sein Geschäft an Mercuria.

Laut verbreiteten Analysen sind die direkten Auswirkungen auf Banken begrenzt, aber Energieunternehmen und Fonds geraten in Bedrängnis, sollte der Verfall andauern. Ein warnendes Beispiel: Ein Trader, der stark auf Erdgas gesetzt hatte, ging bankrott. Als Hauptursache für den Ölpreisverfall gilt die erwartete schwache Nachfrage aufgrund der abkühlenden Konjunktur. Saudi-Arabien prognostizierte zeitweise sogar einen Fasspreis von 80 Dollar.

Zentralbank-Liquidität kommt nicht bei den Bürgern an

Die Liquiditätsrunden der Zentralbanken dienen dazu, die Schuldenlast der Institute zu reduzieren, doch dieses Geld erreicht nicht einmal ein Hundertstel der Gesamtmenge. Da es nicht bei den Verbrauchern ankommt, fehlt das erhoffte konsistente Wachstum. Das Ergebnis zeigt sich in den Preisen: Weltweite Quasi-Deflation, trotz massiver Geldschöpfung durch die Zentralbanken.

Der Stromverbrauch liefert einen weiteren unbequemen Indikator. Die Elektrizitätsnachfrage in Spanien sinkt weiter – ein Zeichen für gesteigerte Energieeffizienz, aber auch für geringere wirtschaftliche Aktivität. Ohne kontinuierlichen und wachsenden Stimulus wirkt der Welthandel und der Konsum der ehemaligen Mittelschicht extrem fragil.

Private Schulden sinken, öffentliche steigen: Niemand baut ab

Der private Sektor reduziert seine Verschuldung um jährlich 100 Milliarden Euro. Das Problem: Die Staatsverschuldung wächst genau um diese Summe pro Jahr. Das Land insgesamt baut keine Schulden ab, sondern ist bis an unerwartete Grenzen verschuldet. Die Auslandsverschuldung sank in zwölf Monaten lediglich um 0,4%. Bei diesem Tempo könnte eine fünfjährige Konsolidierungsphase zu Ewigkeiten werden.

Angesichts dieser Lage bleibt nur Widerstandsfähigkeit. Die verbreitete Meinung ist, dass Überkapazitäten herrschen und die Einkommen fallen; entscheidend wird sein, wie wenig jeder zum Leben braucht. Private Haushalte sehen extreme Szenarien: Wer behauptet, zehn Jahre ohne Einkommen überleben zu können, lebt neben jenen, die daran erinnern, dass 20% von Null immer noch Null sind.

Wall Street steigt, der IBEX 35 schläft

Während New York Rekorde jagte und der Dow Jones die Marke von 18.000 Punkten überschritt, bewegte sich der spanische Leitindex in einer engen Range. Die Prognose, die Woche über 10.500 Punkten zu beenden, deutete auf einen wenig analytischen Grund hin: Bilanzen vor dem 31. Dezember schönrechnen. Das niedrige Handelsvolumen und fehlende Impulse erhöhten das Risiko eines unangenehmen Gap-ups oder -downs am Montag.

„Der Trend ist klar“, sagen die Optimisten des Rallys. Dagegen steht das Argument, dass die Kurse nur durch Liquiditätsspritzen steigen und die Wirtschaft ohne sie nicht wachsen kann. Dazwischen liegt das reine Intraday-Trading, das sich mit Korrekturen von 50 oder 100 Punkten begnügt und keinen Glauben an große Narrative braucht.

Mit dem Dow auf Rekordkurs, sinkenden privaten und steigenden öffentlichen Schulden passt das Bild nicht zu den Bilanzen vieler. Ein Rally, erklärt durch Bilanzpolitik statt durch industrielle Stärke. Jeder muss selbst entscheiden, ob dies gute Nachrichten sind oder das Vorspiel zur nächsten Ernüchterung.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (305 Antworten).

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