Dezember 2011: Der Ibex steigt, doch niemand glaubt daran
Es gab eine Zeit, in der das Handeln an der spanischen Börse wie ein Sport mit sicherem Gewinn wirkte. Ein Anleger erinnerte sich ohne Nostalgie: Sein erster Erfolg war ein Börsengang, bei dem er in drei Tagen 30 % verdiente. Danach kam Gamesa, weitere 70 % in drei Tagen. Und dann Terra, gekauft zu 100 Euro. Der Rest ist bekannt. Mit dieser Mischung aus Euphorie und Narben blickten viele spanische Kleinanleger auf den Dezember 2011, als der Ibex 35 bei 8.466 Punkten eröffnete, die EZB gerade den Banken Liquidität zuführte und der Index entgegen aller Erwartungen stieg.
Der Ibex steigt, obwohl niemand es erwartet
Der entscheidende Level war 7.680. Darunter: bearish. Darüber: Trendwende. Und diese wurde überschritten. Ab da zogen die Kursziele an: 8.800, 8.940 und die psychologische Marke von 9.000. Ein Analyst im Forum machte klar: 8.260 seien kurzfristig vital, Rücksetzer „zum Kaufen“. Ein anderer warnte, dass der zusätzliche Anstieg „geschenkt“ sei, da die Volatilität den Index ebenso schnell wieder auf 7.600 zurückwerfen könnte.
Das Problem war, dass viele Kleinanleger bei diesem Anstieg fehlten. Diejenigen, die sich beim vorherigen Rally verbrannt hatten, schauten misstrauisch. Die anderen trauten sich noch nicht rein. Das allgemeine Gefühl war Skepsis: „Zu viel Aufwärtstrend für so viel Katastrophe“, fasste ein Teilnehmer zusammen.
Krieg der Großaufträge: Getarnte Löwen und Blöcke von 2.859 Orders
Die akribischeste tägliche Beobachtung galt dem Volumen der großen institutionellen Investoren, den sogenannten „Löwen“. Jeder Handelstag wurde minutengenau rekonstruiert: Um 9:10 Uhr wurden 104 Kontrakte bei 8.690 verkauft. Um 15:25 Uhr wurden 95 bei 8.720 gekauft. Punkt 13:13 Uhr drückte ein Block von 2.859 Verkaufs-Kontrakten das Tagesergebnis nach unten, das sich nie erholte. In der Auktion wurden bis zu 600 Kontrakte auf einmal platziert, mitten in der Verfallwoche.
Das Muster variierte täglich. Tage des „Camouflage“, mit kleinen verteilten Orders; Tage des „offenen Visiers“, mit Bestellungen von 1.000 Kontrakten um 16:25 und 16:55 Uhr, beide ausgeführt bei 2.333. In der letzten Sitzung des Dezember-Kontrakts waren die vier größten Transaktionen —die kleinste mit 464, die größte mit 2.239 Kontrakten— alle Käufe und fanden nach 14:55 Uhr statt. Wenn das Volumen nicht zum Preis passte, hieß es, der Ibex sei „ein Scheiß-Index“.
Hier entstand der erste Widerspruch des Monats: Wenn die Großen systematisch verkauften, fiel der Preis nicht. Wenn dies bricht, ist das Argument der Kurzschluss: Leerverkäufer müssen teuer zurückkaufen. Einer deutete an: „Sie könnten die unangenehme Überraschung erleben, dass es sie ein Vermögen kostet.“
Santander, BBVA und Telefónica: Die drei Reiter der Enttäuschung
Während der Index stieg, taten die Banken das Gegenteil. Santander, von einem gebrannten Anleger zu 8 Euro gekauft und zu 5,90 verkauft, war das Symbol des Desasters. Andere schlossen in der Spanne 5,92–6,05 „weil man den letzten Cent nicht jagt“. Die meistgegebene Empfehlung war langweilig vorsichtig: „Banken bloß nicht anfassen.“
Telefónica erlebte sein eigenes Drama. S&P setzte den Ausblick auf negativ Mitte Dezember. Eine große Investmentbank hatte 3,7 Millionen Aktien zu 13,3 Euro verkauft, mit 1,6 Millionen Verlust. Der Absturz des Telekommunikationskonzerns wurde skeptisch gesehen: „Ein übertrieben gelobtes Papier ohne Substanz“, sagten sie, das erst die Dividende versteckte wie einen Toten und dann zugeben musste, dass das Bild nicht stimmte. Laut einem anderen „lebt das Management davon, Erwartungen zu steuern und dann im eigenen Interesse zu handeln“.
Repsol hingegen notierte angespannt nahe Höchstständen mit bullischem Ausblick: Zielkurs 15,34 Euro, Buchwert 18 Milliarden, Marktkapitalisierung 27,5 Milliarden. Die Analysten waren gespalten zwischen Chartbild —eine Widerstandszone bei 22,90 hielt stand— und Fundamentaldaten.
Das billige Geld der EZB, das niemand feierte
Mitte Dezember öffnete die EZB die Schleusen. Massive, günstige Kredite an die Banken, die damit Staatsanleihen der Südländer zu attraktiven Zinsen kauften. Für viele Anleger war das Bild unbequem: Europäische Steuerzahler finanzieren die Rettung, während Banken glänzen. „Die Zinsen sind brutal gefallen, aber sich freuen, dass die EZB leiht, um Schulden zu kaufen…“, kommentierte einer, halb wütend, halb ungläubig.
Der Nebeneffekt war sofort: S&P, DAX und Ibex drehten ins Plus, als der Markt die Injektion verdaute. Mit einem Zusatz: Genau in dem Moment, als Fitch den negativen Ausblick für Frankreich beibehielt, aber das AAA-Rating bestätigte, stoppte der S&P bei 1.215,20.
Von 290.000 auf 155.000 Euro: Immobilien als Warnsignal
Zwischen Charts erzählte ein Teilnehmer eine Anekdote, die die Debatte zur Realwirtschaft zurückholte: Eine Bank akzeptierte 155.000 Euro für eine Wohnung mit Garage und Keller, die der Bauträger ursprünglich für 290.000 verkaufte und die Banken bereits auf 240.000 reduziert hatten. Die persönliche Lage war nicht besser: 7.000 Euro Jahresmiete, ein Bausparvertrag mit vier Jahren Einzahlung, der fast ans Finanzamt zurückgezahlt werden musste. „2012 ist das Jahr der Krise, der echten Krise, kauf nicht so teuer“, antwortete jemand.
Die Liste der gebrochenen Werte des Monats war beredt: GAM, Prisa, Banco de Valencia. Unternehmen mit Null-Buchwert in den Augen des Marktes, die weiter gehandelt wurden. Die Sarracena war, dass billiges Geld denen hilft, die Schulden haben, aber nicht denen, die teuer gekauft haben.
Vom Weihnachts-Rally zum Kater im Januar
Der Thread endete mit zwei typischen Gesten dieser Zeit. Erstens, eine wöchentliche Sentiment-Umfrage: bullish, bearish, neutral. Zweitens, die Bilanz der Reise: Während der Ibex bei 8.328 schloss und der Januar-Kontrakt mit einer vollständig bearishen Sitzung startete —der stärkste Abverkauf im Material, ohne Gnade— berechnete ein Händler, dass ein anderer 150 Punkte in drei Tagen verloren hatte und trotzdem noch 1.515 Punkte kumulierten Gewinn auswies.
So endete das Weihnachts-Rally 2011. Mit steigendem Ibex und Kleinanlegern, die vom Bürgersteig zuschauten. Mit Großinvestoren, die Tausende Kontrakte verkauften, während der Preis nicht fallen wollte. Mit Namen wie „Papá Calopel“ (Weihnachtsmann), die durch die Foren kursierten, während jemand den Neujahrsbrief vorbereitete. Und mit dem Gefühl, dass der erwartete Höhepunkt noch ausstand.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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