Vom Kauf von Iberdrola bei 7,80 € bis zur Ruhe auf 50 % Cash
Am 16. März 2020, als die halbe Welt unter Quarantäne stand und die Indizes abstürzten, kaufte jemand 2.000 Aktien von Iberdrola zu 7,80 Euro. Einen Monat später verkaufte er sie für 9,22 Euro. Die 2.840 Euro Gewinn dienten einem sehr konkreten Zweck: Ballast abwerfen. Das Portfolio, das jahrelang Dividenden und gute Vorsätze getragen hatte, wurde innerhalb weniger Wochen demontiert. Was folgte, war eine fast einjährige Reise von spanischen Blue Chips über chinesische Fintechs und Short-Selling-Angriffe bis hin zu Bitcoin. Es endete damit, dass die Hälfte des Kapitals in bar lag, und einer Phrase als Epitaph: Zu viele Warnsignale.
Der Coup vom März 2020 und die Bereinigung der Telefónica-Positionen
Vor Corona sah das Portfolio aus wie im Lehrbuch: 2.500 Iberdrola-Aktien, 150 Inditex, 450 Telefónica, 28.000 Euro in europäischen Anleihen und ein Cash-Puffer. Inditex häufte einen latenten Verlust von etwa 500 Euro an, und die Telefónica-Aktien wurden offen als das hässliche Entlein des Portfolios akzeptiert. Der Einbruch im März änderte alles.
Der starke Einstieg in Iberdrola am Tiefpunkt ließ den Anleger mit 4.500 Titeln und einer Exposition zurück, die er selbst als katastrophal bezeichnete. Die Erholung bot ihm die perfekte Ausrede für eine Rotation. Am 15. April verkaufte er 2.000 Iberdrola-Aktien zu 9,22 Euro; am 16. schloss er den Verkauf der 450 Telefónica-Aktien zu 4,11 Euro ab und nahm dabei 3.954 Euro Verlust in Kauf. Mit den generierten Gewinnen – insgesamt 10.443,22 Euro – kompensierte er den Verlust und stieg bei Shell zu 15,22 Euro ein. Das Schlechte verkaufen, das Gute halten.
Von Wells Fargo zum Dschungel der chinesischen Fintechs
Parallel dazu liefen seine Limit-Orders weiter, wie etwa Wells Fargo bei 26 Dollar, und ein anderer Forum-Nutzer berichtete, dass er bei Aena zu 90 Euro eingestiegen sei. Nichts davon war der Kern der Sache. Anfang Juni eröffnete er ein Konto bei einem zweiten Broker, und im Juli kam der erste Vorstoß in ein chinesisches Fintech. Von da an war es eine Litanei: Finvolution, 360 Digitech, Qiwi, Up Fintech und Co. Die Branche hörte auf, eine Wette zu sein, und wurde zur Obsession.
Das Argument war einfach: Konsumkredite mit brutaler Rendite und lächerlichen Bewertungen. Ein Nutzer behauptete, Finv handle zu einem KGV von 1,5, ein Preis, der laut seiner Lesart den Bankrott des Modells bereits vorwegnahm. Dieselbe Analyse fügte Qualitätsnuancen hinzu, die für Qfin sprachen: Kundenportfolios mit besserem Rating, geringere Exposition gegenüber Zinsdeckeln und eine Expansion hin zu umfassenden Finanzdienstleistungen. Das Risiko, so hieß es, lag nicht im Geschäft, sondern beim Regulierer.
Die regulatorische Mauer Pekings
Und dann kam sie. Guo Shuqing, Präsident der chinesischen Kommission für Banken- und Versicherungsaufsicht (CBIRC) und Nummer zwei der Zentralbank, kündigte eine „spezielle“ Aufsicht über Fintechs an. Er warf ihnen vor, Daten de facto zu kontrollieren, Wettbewerb zu behindern und übermäßige Gewinne anzustreben. Die Sanktionen gegen Alibaba und Tencent belasteten den Hang Seng Index, und Unsicherheit griff auf die gesamte Kette über.
Der Punkt, der am meisten beunruhigte, war nicht die Strafe, sondern die Kapitalanforderung: die Möglichkeit, dass Plattformen bis zu 30 % des Darlehens selbst finanzieren müssen. Ein direkter Schlag ins Modell. Dazu kam das Labyrinth der VIE-Strukturen (Variable Interest Entities), jenes Geflecht aus Offshore-Gesellschaften, das es westlichen Investoren ermöglicht, Anteile an chinesischen Unternehmen zu kaufen, ohne jemals Eigentümer zu sein, wie ein anderer Nutzer erklärte. Für einige waren die großen Fische wie Ant Group das Ziel, während die kleinen indirekt leiden würden.
Acht Milliarden Dollar, die an einem Tag die Tasche wechselten
Die andere Front waren die Short-Selling-Angriffe. Bei Triterras veröffentlichte ein Hedgefonds einen vernichtenden Bericht, und das Unternehmen kündigte ein Rückkaufprogramm für Aktien im Wert von 50 Millionen Dollar an, von dem laut seinen Angaben keine Spur in den SEC-Datenbanken zu finden war. Der Markt glaubte der Geschichte nicht. Bei EHang, einem fliegenden Elektrofahrzeug, war der Angriff noch heftiger: Am 16. Februar 2021 veröffentlichte ein Fonds Anschuldigungen wegen gefälschter Verträge, und in nur einer Sitzung bezifferte der Nutzer die verdampfte Marktkapitalisierung auf 8 Milliarden Dollar. Ein großer Teil davon wanderte – seiner Einschätzung nach – von Kleinanlegern in die Kasse der Leerverkäufer. Das Unternehmen antwortete mit einem Dokument, das die Anschuldigungen widerlegte, aber der Schaden war bereits angerichtet.
Der Rückzug: Die Hälfte des Portfolios in Cash
Die Schlussfolgerung des gesamten Zyklus war ein geordneter Ausstieg. Positionen, die in einer Krise am schlimmsten explodieren könnten – NIO, zwei Tech-Werte, ein paar SPACs – wurden mit Gewinn liquidiert, und das Portfolio landete bei 50 % Cash. Man behielt, was unabhängig lief: EHang, Up Fintech, QFIN, eine in Hongkong gelistete Minengesellschaft, Schifffahrt, Energie und zwei weitere Bergbauunternehmen. Der Grund für den Rückzug lässt sich zwischen den Zeilen lesen: Bitcoin im Himmel, Fiat-Geld am Boden, Zentralbanken drucken ohne Grenzen und Millionen von Nutzern, die per Smartphone mit Geld, das sie nicht haben, Aktien kaufen.
Die Bleiber und die Wetten gegen die Party
Es gab keineswegs Konsens. Ein anderer Teil der Analyse vertrat die Ansicht, dass die Party noch Monate laufen würde: Tesla bei 2.000 Dollar, Bitcoin bei 100.000, alles würde normal erscheinen, bis es plötzlich nicht mehr normal ist. Das Bild, das diese Haltung am besten zusammenfasst, ist das Tanzen nahe der Tür. Manche entschieden sich, gegen die teuersten Werte zu wetten, indem sie Put-Optionen auf Tesla und die ARK-ETFs kauften. Und andere hielten defensive Dividendentitel, eine mongolische Minengesellschaft, gekauft zwischen 0,30 und 0,35 HKD, oder eine britische Finanzfirma, die seit Monaten seitwärts läuft.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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