Verfassung hindert Referendum zur Migration, sagt Retailleau

Innenminister Bruno Retailleau verweist auf verfassungsrechtliche Hürden für eine Migrationsabstimmung und plant 180 Tage Haft für OQTF-Bescheide.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Verfassung hindert Referendum zur Migration, sagt Retailleau
Retailleau räumt ein: Frankreich kann über Migrationspolitik nicht abstimmen

Der neue französische Innenminister, Bruno Retailleau, bedauerte am Sonntag, den 29. September, gegenüber dem Sender LCI, dass die Verfassung ein Referendum über die Einwanderung verhindere. „Aus verfassungsrechtlichen Gründen können wir in Frankreich kein Referendum über die Einwanderung durchführen“, sagte er aus seinem Büro an der Place Beauvau und fügte hinzu, dass er dies zutiefst bedaure. Seine These: Die Einwanderung habe das Land in den letzten fünfzig Jahren verändert, ohne dass die Bürger sich äußern konnten.

Die Ankündigung erfolgt, während Premierminister Michel Barnier kurz davor steht, ein Maßnahmenpaket vorzustellen. Retailleau deutete einige Punkte an: die Verlängerung der maximalen Haftdauer für Personen mit einer Ausreiseanordnung (OQTF) auf 180 Tage – das Doppelte des aktuellen Limits, obwohl er selbst zugibt, dass es „nicht ausreicht“ –, die Verschärfung der Abschiebungen sowie drei Druckmittel gegenüber Herkunftsländern: Visa, Entwicklungshilfe und Handelsabkommen. Auf die Frage nach der „Doppelstrafe“, der automatischen Ausweisung nach Verbüßung einer Strafe, antwortete er: „Natürlich bin ich dafür.“

Was der Minister vorschlägt und warum es nicht reicht

Das Paket hat drei Säulen. Die erste ist die erweiterte Verwaltungshaft, die von den derzeit geltenden 90 auf 180 Tage steigen würde. Die zweite ist die Verschärfung der Abschiebungen. Die dritte ist die Zwangsdiplomatie: Wer seine Staatsangehörigen nicht zurücknimmt, verliert Zugang zu Visa, Entwicklungszusammenarbeit und Handelsvorteilen.

Retailleau beschrieb den aktuellen Rechtsrahmen als „ein Labyrinth aus Normen“ und verteidigte einen „umfassenden Plan“. Der entscheidende Satz ist jedoch jener, der die Grenze anerkennt: Das Werkzeug, das er als am legitimsten ansieht – die Franzosen zu fragen – liegt außerhalb seiner Reichweite. Der Minister kann die Konsultation, die er sich wünscht, nicht einberufen.

Das Referendum, das die Verfassung blockiert

Artikel 11 der französischen Verfassung erlaubt Referenden über die Organisation der öffentlichen Gewalt, wirtschaftliche, soziale oder ökologische Reformen sowie die Ratifizierung von Verträgen. Die Einwanderung passt nicht eindeutig in eine dieser Kategorien, wie auch die Befürworter der Idee selbst einräumen. Daher das öffentliche Bedauern.

Die Paradoxie ist nicht gering: Ein geschäftsführender Innenminister fordert eine Abstimmung, die ihm sein eigenes Rechtssystem verweigert. Manche sehen darin eine Möglichkeit, das Thema auf die Agenda zu setzen, ohne die Kosten einer Regierungsführung per Dekret zu tragen. Die Regierung Gesetzgebung; das Referendum kommt in diesem Fall nicht zustande.

Die Doppelstrafe und die drei Druckmittel

Der härteste Vorschlag ist die automatische Ausweisung von Ausländern nach Verbüßung einer Strafe. Retailleau unterstützt sie ohne Nuancen. In der Praxis kollidiert sie mit dem Prinzip der Nicht-Zurückweisung und der europäischen Rechtsprechung, markiert aber den Ton eines Ministeriums, das Festigkeit demonstrieren will.

Die „drei Hebel“ – Visa, Hilfe, Handel – sind der operativste Teil. Sie fungieren als Verhandlungsmasse gegenüber Ländern, die sich weigern, ihre Staatsangehörigen wieder aufzunehmen. Die Rechnung ist einfach: Wenn du nicht kooperierst, verlierst du den Zugang. Die Frage ist, ob Frankreich tatsächlich Spielraum hat, um Druck auszuüben, ohne eigene Interessen zu schädigen.

Die Diagnose, die niemand unterschreibt: die bereits eingebürgerte Bevölkerung

Der unbequemste Punkt liegt nicht an den Grenzen, sondern im Inneren. Ein Teil der Analyse besagt, dass das Problem nicht mehr die Einreise sei, sondern die eingebürgerte Bevölkerung, die nicht abgeschoben werden kann und schneller wächst als die Bevölkerung europäischer Herkunft. Es ist der Elefant im Raum: Es gibt keine tragfähige kurzfristige Lösung.

Die Positionen spalten sich. Einige glauben, es reiche aus, Leistungen zu streichen, die irreguläre Einreise unter Strafe zu stellen und den Zugang zur Staatsbürgerschaft zu verschärfen. Andere entgegnen, dass dies die Demografie nicht mehr ändere und der Handlungsspielraum vor Jahren erschöpft gewesen sei. Dazwischen herrscht ein unbequemer Konsens: Das Zeitfenster hat sich geschlossen, während man noch diskutierte, ob es überhaupt existierte.

Das Referendum als Falle und Alibi

Misstrauen durchzieht die Angelegenheit: Eine Abstimmung nur dann einzuberufen, wenn man weiß, dass man gewinnt. Wenn sich die Wählerschaft genug verändert hat, steht das Ergebnis vorher fest. Und wenn nicht, wird sie nicht einberufen. Das ist die zynische Lesart, und sie lässt sich schwer widerlegen.

Das Grundproblem ist eines der Repräsentation. Fünfzig Jahre lang wurde die Migrationspolitik in Büros, Verträgen und Direktiven entschieden, nicht an der Wahlurne. Jetzt, wo die Unzufriedenheit enorm ist, stellt man fest, dass das plebiszitäre Instrument nicht verfügbar ist. Retailleaus Bedauern ist im Grunde das Eingeständnis eines Systems, dem die Ventile ausgegangen sind.

Frankreich wird Gesetze erlassen, etwas mehr abschieben und Drittländer unter Druck setzen. Was es vorerst nicht tun wird, ist fragen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (121 Antworten).

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