Unbefristete Mietverträge: Spaniens Regierung beschließt umfassendes Wohnungsdekret

Zwei Dekrete erzwingen automatische Mietverlängerungen und verlängern den Räumungsschutz bis 2030 – der Mietmarkt bleibt in der Schwebe.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Unbefristete Mietverträge: Spaniens Regierung beschließt umfassendes Wohnungsdekret
Zwei Dekrete erzwingen unbefristete Mietverträge und trocknen das Angebot aus

Der Ministerrat vom 29. September 2026 begann mit einer Stunde Verspätung. Nicht die Tagesordnung war schuld, sondern die Verhandlung zwischen PSOE und Sumar über das Wohnungsdekret, das an diesem Dienstag gleich mit zwei Gesetzesdekreten beschlossen wurde. Zu den Maßnahmen gehört eine, die die Regierung als „automatische Verlängerung der Mietverträge" präsentiert und die in der Praxis den Vermieter zwingt, unbefristete Mietverträge abzuschließen. Der offen eingestandene Auslöser: die Räumungsklage gegen Maricarmen, eine 87-jährige Nachbarin mit eingeschränkter Mobilität, die sieben Jahrzehnte im Madrider Stadtteil Retiro gelebt hatte und deren Fall in einem Protestcamp an der Puerta del Sol endete.

Welche Maßnahmen enthält das Wohnungsdekret vom 29. September?

Zwei Gesetzesdekrete. Das erste enthält Maßnahmen, die die Regierung mit Unterstützung von PNV und Junts ratifizieren lassen will. Das zweite geht laut eigener Aussage der Regierung voraussichtlich weiter, als die Abgeordnetenkammer zu ratifizieren bereit ist. Das Paket umfasst eine zweijährige Verlängerung bestehender Mietverträge, die vor dem 31. Dezember 2028 enden, sowie die Ausweitung des Schutzes vor Räumungen bis 2030. Der Text ist kein Entwurf: Es ist eine im Ministerrat beschlossene Norm.

Das Mietangebot und die Angst vor der Marktschließung

Die Reaktion der Vermieterseite ist in der Diagnose einstimmig, wenn auch nicht beim Heilmittel. Das Argument: Mit einem verpflichtenden unbefristeten Vertrag und ausgeweitetem Räumungsschutz hört Vermieten auf, ein Geschäft zu sein, und wird zur Pflicht ohne Ausweg. Daher die meistgeäußerte Prognose: Niemand wird mehr vermieten, außer für Kurzaufenthalte an Studenten oder Touristen.

Das gezeichnete Szenario reicht vom Risiko bis zur Hypothese. Manche halten dagegen: Vermietet man die Wohnung, kann man einen Mieter bekommen, der nicht zahlt und nicht auszieht; vermietet man sie nicht, erledigt die illegale Besetzung den Rest. Andere gehen weiter und spekulieren über eine Steuererhöhung für nicht selbstgenutzten Wohnraum, die die IBI (örtliche Grundsteuer) vervielfachen und Eigentümer dazu drängen würde, unter erzwungenen Bedingungen zu vermieten oder die Immobilie als Passivposten zu tragen. Am äußersten Ende taucht das Wort Enteignung auf. Nichts davon ist beschlossen: Es sind Szenarien, die im Gespräch kursieren, keine Artikel des Dekrets.

Auffällig ist das Argument, das den Kreis schließt: Wohnraum wird zu einem Vermögenswert mit mehr Pflichten als Rendite, und der Markt schrumpft genau dann, wenn mehr Angebot am nötigsten wäre.

Maricarmen, das Camp am Sol und der Ursprung des Dekrets

Der Fall, der alles ausgelöst hat, hat ein konkretes Profil: eine 87-jährige Frau mit eingeschränkter Mobilität, sieben Jahrzehnte in derselben zentral gelegenen Wohnung und einem Mietvertrag aus einer anderen Zeit. Es ist die Art von Vertrag, die es kaum noch gibt – und genau deshalb meinen manche, dass die Ausnahme zur allgemeinen Regel für den gesamten Markt wird. Die Minister von Sumar verschoben den Beginn der Sitzung, um ihre Koalitionspartner zur Zustimmung zu den Maßnahmen des Sindicato de Inquilinas (Mietergewerkschaft) zu zwingen, des Verbands, der das Camp am Sol organisiert.

Damit ist die Sache nicht zu Ende. Parallel kursiert eine weitere Räumungsklage, die eines Mannes mit 87 % Behinderung und seiner Familie mit einem autistischen Sohn in Barcelona. Die unbequeme Frage, die in der Luft liegt: Warum mobilisieren manche Fälle Tausende Menschen, während andere nicht einmal auf die Titelseite schaffen?

Was jetzt im Kongress passieren kann

Die Regierung bringt die beiden Dekrete am Freitag in einer Sondersitzung in den Kongress. Dort wird sich zeigen, welcher Teil des Pakets überlebt. Für die einen ist das Dekret ein Ausgangspunkt, der zu kurz greifen wird; für die anderen ein Text, der Investitionen und Angebot vertreibt. Mit dem bereits verlängerten Räumungsschutz und den Vertragsverlängerungen auf dem Tisch lautet die entscheidende Frage nicht, was der Kongress tun wird, sondern wer den nächsten unbefristeten Vertrag unterschreibt, wenn der Vermieter alle Trümpfe in der Hand hat.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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