Spanien: Zwei Wohnungsdekrete und Junts' Dilemma

PSOE und Sumar einigen sich auf zwei Dekrete, überlassen die Abstimmung aber Junts und PNV, die vor einem Konflikt mit ihren Wählern stehen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Zwei Wohnungsdekrete und Junts' Dilemma
Zwei Wohnungsdekrete und ein Ultimatum an die Koalitionspartner

Die spanische Regierung hat eine Vereinbarung getroffen, die das Problem faktisch von ihr abwälzt. PSOE und Sumar haben beschlossen, nicht nur ein, sondern zwei Wohnungsdekrete zu erlassen, um alle Maßnahmen der sogenannten Maricarmen-Route abzudecken, und haben die Genehmigung beider Texte anschließend in die Hände ihrer parlamentarischen Partner gelegt. Ein Konsens besteht – zumindest auf dem Papier. Die entscheidende Abstimmung steht noch aus.

Wenn eine Exekutive mit Konsens prahlt und sich im selben Atemzug darum schert, wer dafür stimmt, lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte. Der Plan ist nicht die Verabschiedung, sondern die Verteilung des politischen Schadens.

Was die beiden Wohnungsdekrete enthalten

Die Texte wurden in zwei Teile gespalten. Nach einer der Diskussionen im Thread erhält das erste, grundlegendere Dekret Unterstützung durch Junts; das zweite, das die Reform des Mietgesetzes und das stärkste interventionistische Paket umfasst, fällt aus der Vereinbarung heraus und würde stattdessen von Sumar und Podemos gestützt. Dies ist ein Balanceakt, der jedes Element dort platziert, wo es dem offiziellen Narrativ am wenigsten schadet.

Manche behaupten, dies sei reines Theater: Wenn das radikale Dekret scheitert, behält die Regierung das Foto des Versuchs und stellt die Opposition als jene dar, die den angeblichen Mieterschutz zu Fall gebracht hat. Das Gegenargument lautet, dass ohne Mehrheit jedes Wohnungsdekret ein frommer Wunsch bleibt. Beide Diagnosen sind möglich, keiner ist abschließend geklärt.

Warum Junts sein Veto gegen das Mietdekret hält

Junts hält sein Veto gegen das Wohnungsdekret aufrecht, weil es die Reform des Mietgesetzes darin als „Aufoktierung“ betrachtet. Das ist kein Detail: Die separatistische Partei riskiert ihre Basis aus kleinen Eigentümern und Händlern. Genau hier liegt die Falle.

Stimmen Junts und PNV für die automatische Vertragsverlängerung und den Aussetzungszwang bei Zwangsräumungen, entfremden sie sich ihre produktivste Wählerschaft. Stimmen sie dagegen, werden sie als Blockierer dargestellt. Beides kostet Stimmen. Die Aussetzung von Zwangsräumungen bis 2030, wie in einer Intervention erwähnt, scheint für die Partner direkt unabstimmbar zu sein.

Politik für Trickbetrüger, fasst die häufigste Empfindung zusammen. Und das trifft nicht daneben: Wer das Gesetz unterzeichnet, das Bauland blockiert, ruft gleichzeitig zu Protesten wegen der Wohnraumkrise auf.

Eigentümer reagieren mit Preiserhöhungen

Hinsichtlich des Angebots ist die verbreitetste Diagnose, dass mehr Regulierung Mieten verteuert statt verbilligt. Das Argument des übermäßigen Eingriffs in Privateigentum deutet direkt auf einen gegenteiligen Effekt hin, wobei Katalonien als Referenzfall genannt wird.

Die andere Seite zeigt sich im Alltag der Vermieter: Laut mehreren Teilnehmern verlangen Eigentümer bei strengeren Rahmenbedingungen mehr Sicherheiten von Mietern. Bürgschaften, Gehaltsnachweise, Vorauszahlungen. Im Eifer des Gefechts zu legislieren, sagen Kenner der Bürokratie, sei das Schlimmste, was man mit einem so starren Markt tun kann.

Und dann bleibt das Problem, spekulativen Kauf zu definieren. Jeder Versuch einer Formulierung benachteiligt denjenigen, der für seinen Sohn kaufte, den Erben, der wegen familiärer Streitigkeiten nicht verkauft, oder den, der zwei Jahre auf die Baugenehmigung wartet. Das Gesetz, so heißt es, zielt auf den kleinen Sparer ab, während der große Investor verschont bleibt.

900 Gesetze und 960.000 Seiten Regulierung pro Jahr

Hier ist die Zahl, die keine Pressekonferenz erwähnen will. Spanien veröffentlicht jährlich 900 Gesetze und 960.000 Seiten Regulierungen. Allein 2016 verabschiedeten Staat und Regionen 681 neue Normen und 895.820 Seiten Amtsblätter. Zwischen 1970 und 2016 summieren sich die staatlichen Normen auf 41.336, bei einem Durchschnitt von 900 Gesetzen pro Jahr.

Das ist der eigentliche Flaschenhals: Hyperregulierung, extreme Bürokratie für Genehmigungen und die Freigabe von Bauland, rechtliche Unsicherheit. Kombiniert mit Rekordzahlen bei Scheidungen, Tourismus und Migrationsdruck auf den bestehenden Bestand, ist das Ergebnis kein Geheimnis.

Für manche Teilnehmer sind Eigentümer, die ihre Rente mit einer geerbten Wohnung aufbessern, zu neuen Feindbildern geworden. Vom Rentier zum Verdächtigen in einem Zug. Cui bono? Jeder ziehe seine Schlüsse.



Zwei Dekrete, zwei Fronten und eine noch ausstehende Abstimmung. Wenn das Problem bei Angebot und Bürokratie liegt, was genau regelt ein dritter Gesetzestext neben den anderen beiden?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (145 Antworten).

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