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Spaniens Wohnkrise: Überbelegung wird zum Geschäftsmodell
Überbelegung in Spanien ist heute ein profitables Geschäft, bei dem Vermieter Zimmer an mehrere Familien zu hohen Preisen vermieten.
Drei Familien, ein Bad: die neue Normalität des spanischen Wohnungsmarkts
Drei Familien teilen sich eine Drei-Zimmer-Wohnung. Zwölf Personen nutzen ein einziges Badezimmer. Eine Mutter und ihre Tochter sind in einem Raum zusammengepfercht. Das Video, das online kursiert, ist kein Bericht von vor zwanzig Jahren; es spiegelt wider, was der spanische Wohnungsmarkt zur Routine gemacht hat. Die Vermietung von Zimmern ist professionalisiert worden, und Vermieter brauchen keine Mieter mit stabilen Gehältern mehr: Sie benötigen einfach drei Bewohner, die jeweils 500 Euro zahlen. Insgesamt 1.500 Euro für eine Wohnung, die unter traditionellen Bedingungen vielleicht weniger als 900 Euro kosten würde. Die Rechnung geht auf. Für den Eigentümer, immer.
Das Phänomen hat einen technischen Namen – Wohnraumüberbelegung – und eine Erklärung, die in jeder Nachbarschaftsunterhaltung wiederholt wird: Das Wohnungsangebot wächst nicht schnell genug, um die Nachfrage zu decken, die aufgrund der Ankunft ausländischer Arbeitnehmer im erwerbsfähigen Alter stark angestiegen ist. Das Ergebnis ist ein harter Wettbewerb um Quadratmeter, der Neuankömmlinge dazu zwingt, Bedingungen zu akzeptieren, die wir hier als minderwertig betrachten würden. Dies ist historisch nichts Neues: Viele Großeltern der Spanier wanderten aus ländlichen Gebieten in Städte unter ähnlichen Bedingungen ein. Der Unterschied heute ist, dass es einen formellen Markt gibt, der dies ausnutzt, und einen regulatorischen Rahmen, der weggeschaut hat.
Warum 500 Euro für ein geteiltes Zimmer zahlen?
Die Arithmetik ist einfach. Eine Drei-Zimmer-Wohnung in einer mittelgroßen spanischen Stadt kann komplett für 900 oder 1.000 Euro gemietet werden. Wenn der Eigentümer sie in Zimmer aufteilt und diese für 400 bis 500 Euro pro Stück vermietet, steigt das Einkommen auf zwischen 1.200 und 1.500 Euro. Die Differenz ist die Marge der Überbelegung. Man muss kein großer Investor sein: Es reicht eine geerbte Immobilie und eine Maklerfirma, die bereit ist, die Inkassoabwicklung zu übernehmen.
Der typische Mieter ist kein Student. Es ist ein ausländischer Arbeitnehmer mit niedrigem Lohn, oft in irregulärem administrativem Status, der dringend eine Unterkunft braucht. Für ihn sind 500 Euro für ein Zimmer teuer, aber es ist das, was verfügbar ist. Die Alternative ist Obdachlosigkeit. In ihren Herkunftsländern erreichen Durchschnittslöhne nicht einmal 300 Euro. Die Gleichung lautet nicht, dass das Leben hier besser ist: Es bedeutet, dass sie Geld nach Hause schicken können. Das ist der eigentliche Motor der Überbelegung.
Einige argumentieren, dass das Problem durch Vorschriften gegen Überbelegung gelöst werden könnte, die die Personenzahl pro Quadratmeter begrenzen. Die Idee hat Substanz: Sie würde Vermieter zwingen, zwischen der Vermietung ganzer Einheiten oder der Übernahme von Renovierungskosten zu wählen. Aber sie hat auch einen Kollateraleffekt, über den niemand spricht: Wenn man zwei Familien aus einer Wohnung verdrängt, braucht man zwei weitere Wohnungen, um sie unterzubringen. Das Angebot steigt nicht per Dekret.
Die fehlende Regel und die Meldepflicht, die sie segnet
In Spanien Tausende von kommunalen Vorschriften zur Bewohnbarkeit existieren, aber keine verhindert effektiv, dass drei Familien eine Wohnung teilen. Die Melderegister-Eintragung (Empadronamiento) ist das Tor: Wenn das Rathaus zwölf Personen in einer 70-Quadratmeter-Wohnung registriert, validiert es die Situation. Sobald sie registriert sind, erhalten sie Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Beihilfen. Der Kreis schließt sich.
Vorschläge, die Registrierung basierend auf Quadratmetern zu begrenzen, erscheinen als einfache Lösungen. Ihr Gegenstück erscheint ebenfalls: Wer sich überbelegen will, tut dies trotzdem und meldet sich anderswo an. Allgemeine Regeln würden das Leben für Vermieter und Mieter komplizieren, aber die Nachfrage nicht eliminieren. Und die Nachfrage ist das Problem.
Das Geschäft mit der Zimmervermietung: Von Studenten zu Familien
Vor dreißig Jahren war die Zimmervermietung etwas für Universitätsstudenten. Heute ist sie der Zufluchtsort für ganze Familien. Die Veränderung ist nicht kulturell: Sie ist wirtschaftlich. Die Immobilienpreise sind weit über die Löhne gestiegen, sodass die Miete ganzer Wohnungen für ein einzelnes Gehalt unbezahlbar geworden ist. Das Zimmer ist die letzte Grenze vor der Ausgrenzung.
Das Phänomen ist in den beliebten Vierteln der Großstädte sichtbar und in Kleinstädten weniger sichtbar. Dort werden Häuser verstorbener älterer Menschen günstig von mehreren Familien gekauft, die die Investition aufteilen. Es ist keine Mafia: Es ist eine Überlebensstrategie. Aber es konkurriert mit lokalen jungen Menschen, die dasselbe Haus kaufen wollten, aber die Renovierungskosten nicht tragen können.
Ist es Sozialismus oder das Recht des Stärkeren?
Politische Etiketten sind unnötig. Die Überbelegung wurde von keiner Regierung erfunden: Sie entsteht, wenn das Wohnungsangebot die Nachfrage nicht deckt. Einige geben der Masseneinwanderung die Schuld; andere dem Mangel an Neubauten; andere Regulierungen, die Boden verteuern. Alle Erklärungen enthalten ein Stück Wahrheit. Keine erklärt alles.
Was sicher ist, ist, dass das Ergebnis eine ungleichere Gesellschaft ist. Wer Wohneigentum besitzt, verdient Geld ohne Arbeit. Wer keines hat, konkurriert um ein Zimmer. Dazwischen liegt ein Staat, der Steuern von beiden Seiten einzieht, aber keinen öffentlichen Wohnungsbau im erforderlichen Tempo betreibt.
Das Video der lateinamerikanischen Familie in einem Zimmer ist keine Anomalie. Es spiegelt einen Markt wider, der entschieden hat, dass Boden ein Finanzanlagegut vor einem Recht ist. Die Frage ist nicht, ob Vorschriften gegen Überbelegung kommen werden. Die Frage ist, wie viele weitere Wohnungen benötigt werden, damit niemand ein Bad mit zwölf Personen teilen muss.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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