Silber überschreitet in China die Marke von 100 Dollar, während die Differenz zum Westen wächst
Der Silberpreis durchbrach in der Nachtsitzung in Shanghai die Marke von 18.000 Yuan pro Kilogramm — was etwa 79,88 US-Dollar pro Unze entspricht — und stieg Stunden später auf 18.150 Yuan, also über 80,5 US-Dollar. Die Barriere von 80 Dollar fiel, als der asiatische Markt noch geöffnet war.
Für viele Forumsteilnehmer war nicht die runde Zahl entscheidend, sondern das Signal, dass sich der Silberpreis möglicherweise nicht mehr nach den Kursen in London und New York richtet. Ab diesem Moment beschleunigte sich alles.
Der Anstieg beginnt in Shanghai, nicht in New York
Die täglichen Daten des chinesischen Edelmetallmarktes — jene der SGE (Shanghai Gold Exchange) und SHFE (Shanghai Futures Exchange) — wurden von einer exotischen Randnotiz zur zwingenden Referenz. Woche für Woche leerten sich die verfügbaren Silbervorräte in China, während der Preis stieg.
Auf dem Höhepunkt des Rallys lag der Unzenpreis bei 108,4 US-Dollar in Shanghai gegenüber 96,7 US-Dollar im Westen. Das Metall, das in Asien geliefert wurde, kostete fast zwölf Dollar mehr — eine Lücke von 11,7 US-Dollar — als das an anderen Orten gehandelte. Diese Lücke schloss sich nicht, sondern wuchs weiter. Unter Anlegern herrscht die Überzeugung vor, dass es die chinesischen Lagerbestände sind, die den Preis treiben, und nicht die Papierkontrakte.
Diese These wird durch Daten gestützt. Wenn physisches Silber aus den asiatischen Tresoren verschwindet, muss der Preis für jene, die es tatsächlich benötigen — Industrie und institutionelle Käufer — steigen, unabhängig vom aktuellen Kontraktpreis.
Lagerbestände schrumpfen, Misstrauen gegenüber Papier steigt
Das andere Thema ist die COMEX. Das dort hinterlegte Silber wird in zwei Kategorien unterteilt: registriert, verfügbar zur Lieferung, und wählbar, das theoretisch bereits einen Besitzer hat. Ein kursierendes Rechenbeispiel besagt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt 128 Millionen registrierte Unzen und 420 Millionen wählbare Unzen vorhanden waren. Bei diesen Zahlen stellt sich die unbequeme Frage, was passiert, wenn viele Halter gleichzeitig ihr Metall verlangen.
Die Antwort liegt laut erfahrenen Beobachtern im Kleingedruckten. Die Verträge enthalten eine Force-Majeure-Klausel, die eine Barabgeltung statt der Lieferung von Barren erlaubt. Anders gesagt: Wer sein Silber verlangt, erhält möglicherweise nur die Preisdiffernung ausgezahlt und sieht nie das Metall. Und wer auf physische Lieferung besteht, tut genau dies, weil er keine Papierversprechen will.
Warum zahlt dir niemand 80 Dollar, wenn du verkaufen willst?
Hier liegt die Falle eines jeden ernsthaften Rallys. Der Preis auf einer Website ist das eine, der tatsächliche Verkaufspreis das andere. Ein Käufer prahlt damit, physische Unzen für 80 Dollar zu haben; ein anderer entgegnet, dass ihm niemand diesen Preis zahle. Die Antwort des Ersten fasst das Problem zusammen: Niemand will verkaufen. Die Diskrepanz zwischen theoretischem Kurs und tatsächlichem Transaktionspreis ist ein Maßstab für Nervosität; man sollte den Börsenpreis nicht mit Liquidität verwechseln.
Karlillos, Münzkassetten und die Genugtuung der Sparfüchse
Ein Detail zeigt, wie sehr sich die Erzählung gewandelt hat. Die Münzen zu 12 Euro pro halbe Unze Silber, die der Banco de España vor Jahren tausendfach aus seinen Filialen zurückzog, wurden damals unter dem spöttischen Blick der Kassierer gekauft. Viele haben gestanden, sie in ihren originalen Rollen wie Süßigkeiten begraben zu haben, ohne sie je anzufassen. Ebenso die Kassetten mit Philharmoniker-Münzen, die oft in Chargen von 500 Unzen gekauft wurden. Dies sei nun der Beginn der erwarteten Belohnung.
Es ist eine Mischung aus Nostalgie und Revanche: Wer kaufte, als man über ihn lachte, lächelt nun. Die stille Anhäufung von Metall über ein Jahrzehnt hinweg, ohne dass jemand Notiz nahm, hat sich plötzlich in eine beneidenswerte Position verwandelt.
Von 108 auf 61 und wieder hoch: Die Korrektur, die die Nerven strapazierte
Nichts davon verlief geradlinig. Einen Monat nach dem Höchststand brach der Silberpreis auf 77 US-Dollar ein. Dann fiel er bis auf 61 US-Dollar und erholte sich wieder auf 70. Wer am Höchststand eingestiegen war, sah Verluste und stand vor der Frage: Durchhalten oder verkaufen?
Befürworter der These argumentieren, der Rückgang sei vorhersehbar und sogar gesund gewesen, die Erschöpfung der Lagerbestände gehe weiter, und wer diese Preise nicht zum Akkumulieren nutze, werde es später bereuen. Skeptiker sehen etwas anderes: Eine spekulative Achterbahnfahrt, bei der große Fonds am Tisch saßen, Blut rochen und Gewinne realisierten, indem sie die Späteinsteiger ausschlachteten.
Die Erholung gab zunächst den Optimisten recht. Silber stieg an einem einzigen Tag um mehr als 6 % auf 85 US-Dollar, während Gold unsicherer wirkte; in China lag der Preis weiterhin über 100 US-Dollar. Silber ist eine Achterbahn; Gold ein langsamer, stetiger Aufstieg.
Silber als Absicherung: Vom Misstrauen gegenüber Fiat-Geld zur Geopolitik
Der Hintergrund bleibt immer derselbe. Wer Metall kauft, kauft kein industrielles Asset: Er kauft Misstrauen. Misstrauen gegenüber dem Wert des gedruckten Geldes. Jede im Garten vergrabene Unze ist ein Votum gegen das System. Diese Erzählung gewinnt jedes Mal an Kraft, wenn es Spannungen im Nahen Osten gibt — und die gibt es — denn dann sucht Geld Zuflucht und Gold bewegt sich zuerst.
Die Diskussion dieses Zyklus dreht sich darum, ob Silber aufgrund seiner Fundamentaldaten steigt oder einfach, weil alles andere zerfällt. Dazu ein Hinweis: Solange die Druckmaschinen laufen, ist jeder Preis möglich, auch ein deutlich höherer.
Der Punkt, an dem sich niemand einig ist
Hier stockt die Analyse. Einige behaupten, der Preis werde durch die reale Erschöpfung der Lagerbestände und eine industrielle Nachfrage getrieben, die ohne Metall nicht produzieren kann. Andere entgegnen, dass die Solarindustrie Silber schnell ersetze und dass der Fertigungskonsum in einer Rezession ohnehin fallen würde. Für Letztere zieht der Goldpreis als Inflationsschutz die Kurse nach oben, nicht das Silber, das für Produktion benötigt wird.
Manche sagen, das Fenster, um Geld in Metalle umzuwandeln, schließe sich zumindest für Privatanleger. Es könnte sein. Oder es ist die nächste Prophezeiung des Endes des Papiergeldes, die sich nie ganz erfüllt. Die chinesischen Lagerbestände sinken weiter, die Kluft zwischen Ost und West bleibt bestehen, und niemand erklärt sich das vollständig.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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