FIRE: Mit 50 % Sparquote in 17 Jahren in Rente

Die FIRE-Bewegung verspricht die Frühpensionierung nach 17 Jahren bei 50 % Sparquote. Kritiker zweifeln an der realen Rendite und den Lebenshaltungskosten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mit 50 % des Gehalts in 17 Jahren in Rente: Die umstrittene Tabelle

Die FIRE-Bewegung (Financial Independence, Retire Early) verspricht einen Ausweg: Wer die Hälfte seines Einkommens spart, kann in 17 Jahren aufhören zu arbeiten. Diese Rechnung basiert auf einem Rechner für Frühpensionierung, der zwei Variablen – Gehalt und Sparquote – gegenüberstellt. Auf dem Papier, wie der Autor des Threads darlegt, scheint dies für jeden mit einem ordentlichen Gehalt zwischen 2.500 und 3.000 Euro erreichbar. Das Problem beginnt genau dort, auf dem Papier.

Denn das konkrete Beispiel betrifft ein kinderloses Paar, das jeweils 1.500 Euro netto in 14 Monatsgehältern erhält. Zusammen kommen sie auf 39.200 Euro Nettoeinkommen pro Jahr, bei geschätzten Ausgaben von 30.000 Euro (2.500 Euro monatlich) und einer Ersparnis von 9.200 Euro. Bei einer durchschnittlichen erwarteten Rendite von 7 % jährlich sorgt der Zinseszins-Effekt für den Rest. Nach 17 Jahren wird das Gehalt durch Kapitalerträge ersetzt.

Worauf basiert die 4-Prozent-Regel?

Der Mechanismus, der das gesamte Gebäude trägt, ist die sogenannte 4-Prozent-Regel, bekannt aus der Trinity-Studie. Man muss das 25- bis 35-fache der jährlichen Ausgaben ansammeln, um jedes Jahr diesen Prozentsatz entnehmen zu können, ohne das Vermögen aufzubrauchen. Die Berechnung geht von einem Portfolio aus, das zu 50 % im S&P 500 und zu 50 % in US-Anleihen investiert ist, und passt die Entnahme jährlich an die Inflation an. Unter dieser Konfiguration zeigen Monte-Carlo-Simulationen eine Wahrscheinlichkeit von 95 %, dass das Kapital innerhalb von 25 Jahren nicht aufgezehrt wird.

Es gibt vorsichtigere Varianten: Ziel sind dann das 30- oder 35-fache der Ausgaben für europäische Börsen oder für jene, die sich nicht auf einen festen Prozentsatz verlassen wollen. Und eine ambitioniertere Lesart: Ein Paar mit je 300.000 Euro investiertem Kapital muss nur knapp 2 % jährlich entnehmen, um die für ihren Lebensstil erforderlichen 12.000 Euro bereitzustellen.

Das Hindernis der 100-%-Sparquote und des realen Gehalts

Über der Tabelle schwebt ein wiederkehrender Einwand: die Zeile mit 100 % Sparquote. Sie wirkt absurd, bedeutet aber das Offensichtliche: Wenn deine Ausgaben null betragen, brauchst du nicht mehr zu arbeiten. Bei einer Sparquote von 50 % liegt der Horizont bei 17 Jahren. Bei einem Gehalt von 1.300 Euro und 1.000 Euro Ersparnis reduziert der Verfechter der Tabelle die Rechnung auf sieben Jahre. Natürlich immer unter Beibehaltung des gleichen Ausgabenniveaus und ohne Umzug nach Monaco.

Die Tabelle ist eine Näherung. Je höher das Gehalt, desto mehr Sparjahre sind nötig, um ein Jahr ohne Arbeit auf gleichem Lebensstandard zu finanzieren. Die Frage ist, ob der Durchschnittsangestellte dieses Tempo halten kann. In Madrid oder Barcelona, warnen Skeptiker, frisst die Miete die Hälfte des Gehalts; mit 1.500 Euro zu leben ist sehr knapp. Essen hingegen ist günstig für jene, die geschickt einkaufen: Fleisch zum halben Preis kurz vor Ablaufdatum und Fisch, der in Angeboten fast geschenkt wird.

Wie rentabel ist der S&P 500 wirklich?

Hier sprechen die Zahlen. Die ursprüngliche Berechnung ging von einer durchschnittlichen Rendite von 7 % jährlich aus, weit unter den 12,8 %, die laut dem Forum-Nutzer, der die Tabelle verteidigt, der S&P 500 in den letzten 70 Jahren im Schnitt erzielt hat. Im Jahr der Berechnung lag die Rendite des amerikanischen Index bei 13,39 % und die zehnjährige US-Anleihe bei 9,79 %. Zweieinhalb Jahre später hatte der S&P 500 nach seiner Aufstellung +40 % akkumuliert.

Die im Thread zitierte Studie von S&P Global rundet das Bild ab: In den letzten zehn Jahren erreichte die Gesamtrendite des S&P 500 annualisiert 14,17 % und die des Dow Jones 12,95 %; in den letzten 30 Jahren lag der Durchschnitt beim Dow bei 11,16 % und beim S&P bei 10,6 %. Zahlen, die zur Euphorie… und zum Misstrauen einladen. Manche argumentieren, dass wenn der historische Durchschnitt bei etwa 8 % liegt, einige Jahre darüber rein arithmetisch Jahre darunter erzwingen; ein anderer Nutzer entgegnet, dass dies von den Unternehmen abhängt, die den Index bilden.

Immobilien, Gold oder Indexfonds?

Die andere Schlacht dreht sich darum, wo das Geld angelegt werden soll, ob in Stein (Immobilien) oder an den Märkten. Die konservativere Sichtweise verteidigt Wohneigentum: Die Hypothek für die Erstwohnsitzimmobilie ist keine Ausgabe, sondern eine Investition, und lohnt sich ab etwa fünf Jahren, nachdem Steuern, Notarkosten und die ersten Zinsjahre verdaut sind. Der Gegenangriff ist direkt: Bei einer Miete bleibt das Kapital investiert und generiert Erträge; bei einer Hypothek verlangt die Gemeinde bei Verkauf ihren Anteil (Plusvalía).

Auch Gold taucht auf, verstanden als greifbares Geld außerhalb des Bankensystems und ohne Gegenparteirisiko. Ein Hafen mit jahrhundertelanger Geschichte und umstrittener Performance, der neben Indexfonds, Anleihen und sogar Bitcoin im selben Korb liegt. Die praktische Schlussfolgerung, die sich wiederholt: Sparen ohne Investieren bringt nichts, und Geld, das ungenutzt unter dem Kissen liegt, wird von der Inflation aufgefressen.

Jemand, der seit 20 Jahren arbeitet, erklärt, er habe das Äquivalent von 18 Jahresausgaben gespart und investiert, mit dem Ziel, 33 Jahresausgaben anzusparen (eine Entnahmerate von 3 %). Am anderen Ende zeigen die pessimistischeren Berechnungen, dass zwei Jahrzehnte Sparen nur 240.000 Euro ergeben, gerade genug für eine durchschnittliche Wohnung plus 10 % Nebenkosten. Mit dieser Spannbreite hört die Frühpensionierung auf, eine Formel zu sein, und wird zu einer Lotterie mit variabler Gewinnchance.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (418 Antworten).

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