Sánchez macht Israel-Kritik zum diplomatischen Problem
Ein europäischer Premierminister reist nach Israel und Stunden später gibt das Büro von Benjamin Netanyahu eine Erklärung heraus, um ihn zu diskreditieren. Nicht wegen dessen, was er wegließ, sondern wegen dessen, was er sagte: die Verantwortung für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, einschließlich des Einsatzes von Palästinensern als menschliche Schutzschilde, nicht allein der Hamas zuzuschieben. Einer der Genannten war Pedro Sánchez; der andere, der belgische Premierminister. Israel lud die Botschafter Spaniens und Belgiens vor und der Vorfall blieb einer der explizitesten Zusammenstöße zwischen einer europäischen Regierung und der israelischen Exekutive der letzten Jahre.
Was genau sagte Sánchez über Gaza?
"Das wahllose Töten unschuldiger Zivilisten, darunter tausende Kinder, ist völlig inakzeptabel. Gewalt erzeugt nur mehr Gewalt." Der Satz, der später über das Konto eines US-Journalisten verbreitet wurde, fasst die Botschaft zusammen: Verurteilung des Hamas-Angriffs und Verurteilung des Bombardements von Gaza im selben Paket. Die Differenzierung ist genau das, was den Konflikt auslöste. Für die israelische Regierung bedeutet das Nichtverteilen von Schuld die Freisprechung des Angreifers. Für die spanische Regierung ist es das Mindeste, beide Seiten zu benennen, wenn man Frieden will.
Darunter liegt eine alte Diskussion: Kann man gleichzeitig den Entführer und den Bomber verurteilen? Eine Strömung der Analyse antwortet ja, denn wer dies nicht tut, macht seine eigene Position zur fremden Propaganda. Eine andere Strömung behauptet, dass es in einem Krieg gegen eine Organisation, die sich hinter der Bevölkerung versteckt, keine Symmetrie gibt und dass das Adjektiv "wahllos" ein rhetorisches Geschenk an den Gegner ist. Keine der beiden Parteien bestreitet die Fakten; sie streiten über das Etikett.
Unterstützung, die nichts bringt, und unbequemer Applaus
Die Geste blieb nicht ohne Rückhalt. Laut einem Kommentar im Thread gratulierte die Hamas Sánchez zu seiner Haltung, was genau die Unterstützung ist, die eine europäische Regierung lieber nicht sammeln würde. In Spanien verteidigte der Kommentator Juan Manuel de Prada, dass kein Mensch mit einem Minimum an menschlicher Würde akzeptieren kann, was Israel tut, und griff die Rechte dafür an, diese Worte zu tadeln. Die Paradoxie ist der Kern der Sache: Derselbe Satz erntet Sympathien bei der Linken, in kritischen Kreisen der Rechten und bei internationalen Akteuren, mit denen Spanien nicht fotografiert werden möchte.
Auch in der israelischen Presse, die die Einbestellung der Botschafter berichtete, richteten sich mehrere Stellungnahmen gegen Netanyahu selbst. Einige behaupten dort, dass die militärische Antwort die weltweite Aufmerksamkeit vom Hamas-Angriff auf die Zahl der zivilen Opfer in Gaza gelenkt hat und dass der Premierminister den US-Rat ignoriert habe, die Fehler nach dem 11. September nicht zu wiederholen. Diese Diagnose, von innen kommend, ist für jene, die Loyalitäten ohne Nuancen fordern, sehr unbequem.
Die Kosten des Bruchs mit dem Westen
Der am häufigsten geäußerte Vorwurf ist nicht sarracena, sondern interessenpolitischer Natur. Diesem Vorwurf zufolge steht Spanien allein da gegenüber dem Block, der Israel unterstützt, einschließlich Großbritannien und den USA. Das Argument ist einfach: Ein mittelgroßes Land gewinnt nichts, indem es eine Front gegen Partner öffnet, mit denen es seine Sicherheitsarchitektur teilt, und häuft Rechnungen an für die Zeit, wenn die Region zur Ruhe kommt. Die Erwiderung ist ebenso einfach: Automatische Anpassung ist auch nicht kostenlos, und die Kosten des Schweigens werden mit Glaubwürdigkeit bezahlt.
Die ordentlichste Zusammenfassung dieser Strömung sind vier Fragen: War Sánchez die richtige Person, um dies zu sagen, war Spanien das richtige Land, war es der richtige Zeitpunkt und was wird durch das Sagen gewonnen? Hinzu kommen zwei bereits offene Fronten – Algerien und Russland – und die Erinnerung an die Wende bezüglich der Westsahara, die der Regierung vorgeworfen wird als Beweis dafür, dass ihr außenpolitischer Kompass sich nach Zweckmäßigkeit statt nach Prinzipien richtet.
Vom Wahlkampf-Kalkül zu unbewiesenen Theorien
Ein Teil der Debatte driftete hin zu Verschwörungstheorien über eine angebliche Kontrolle von Banken und Medien durch eine bestimmte Gruppe. Keine Beweise stützen diese Behauptungen, und sie funktionieren eher als Nebelkerzen denn als Analyse. Daneben kursiert der Vorwurf, dass die Regierung internen Profit bei einer bestimmten Wählerschaft sucht, eine Anschuldigung, die ohne Beweis erhoben wird und nichts am Kern erklärt.
Das Relevante ist etwas anderes: Die institutionelle Position wiegt viel schwerer als der Kommentar beim Abendessen. Ein Regierungschef spricht nicht wie ein Bürger im Café; seine Worte bewegen Botschafter, Handelsagenden und Stimmen in internationalen Foren. Die US-Regierung bestand zu dieser Zeit darauf, dass die Zwei-Staaten-Lösung der einzige Weg sei, um die Sicherheit von Israelis und Palästinensern zu garantieren. Darum geht es wirklich.
Was gewinnt Spanien mit diesem Schritt?
Kurzfristig nichts Messbares. Sichtbarkeit, ja. Kohärenz mit einem Teil seiner Wählerschaft, vielleicht. Und eine diplomatische Rechnung, die später fällig wird, wenn es darum geht, irgendetwas mit jenen zu verhandeln, die sich jetzt beleidigt fühlen. Befürworter des Schritts antworten, dass genau diese Kalkulation Europa seit Jahrzehnten zu einem sprachlosen Akteur im Nahen Osten gemacht hat.
Am Ende bleibt die verwirrende Tatsache: Einen Botschafter einzuberufen kostet nichts. Es kostet null Euro, füllt eine Schlagzeile und bewegt keine einzige Bombe. Israel tat dies mit Spanien und Belgien im selben Zug, und keine der beiden Regierungen hat seitdem ihre Rhetorik geändert. Die Distanz zwischen dem, was am Rednerpult gesagt wird, und dem, was vor Ort entschieden wird, bleibt die einzige Zahl, die in dieser ganzen Angelegenheit nicht aufgeht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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