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Spanien nimmt 40 Millionen Liter Wein vom Markt
Spanien setzt auf Krisendestillation und Grünlese, um rund 40 Millionen Liter Wein zu vernichten und einen Preisverfall durch Überangebot zu verhindern.
Spanien nimmt 40 Millionen Liter Wein vom Markt zur Preisstabilisierung
Spanien hat zwei Maßnahmen eingeleitet, mit denen verhindert werden soll, dass etwa 40 Millionen Liter Wein auf den Markt kommen. Es ist keine Metapher und kein Rechenfehler: Dies ist die Zahl, die der Sektor nutzt, um zu vermeiden, dass ein Überangebot die Preise drückt. Die Instrumente sind die Krisendestillation und die Grünlese. Beide bestehen praktisch darin, dafür zu bezahlen, dass dieser Wein kommerziell nicht existiert. Die Paradoxie hat ihren Reiz: Vor einem Monat drohte die Dürre die Ernten im halben Land zu ruinieren. Jetzt gibt es Traubenüberschuss.
Was sind Krisendestillation und Grünlese?
Die Krisendestillation wandelt den Überschuss in Industriealkohol oder Tresterbrand um, wobei öffentliche Beihilfen einen Teil der Kosten decken. Die Grünlese ist drastischer: Die Trauben werden vor der Reife abgeerntet, damit sie nicht in den Handelskreislauf gelangen. In beiden Fällen ist das erklärte Ziel, zu verhindern, dass ein überquellendes Angebot die Preise nach unten zieht. In beiden Fällen ist das Ergebnis gleich: Man zahlt für die Vernichtung von Produkt.
Der Punkt, der stört, ist die Frage, wer zahlt. Der Landwirt hat bereits für die Trauben bezahlt, sie verarbeitet und zahlt nun erneut für ihre Vernichtung. Manche behaupten, dies sei eine Sozialisierung der Kosten bei Privatisierung des Gewinns: Wenn die Produktionswette schiefging, wird die Rechnung auf alle verteilt. Die Alternative – günstiger verkaufen – hätte sofortige Auswirkungen auf den Geldbeutel der Verbraucher, aber auch auf die Margen der Produzenten. Und hier gibt niemand nach.
Warum nicht günstiger verkaufen oder mehr exportieren?
Die kurze Antwort lautet, dass der Weinmarkt nicht wie der Orangenmarkt funktioniert. Lagerung kostet Geld, und nicht jeder Wein reift gut. Manche Weine verbessern sich mit der Zeit, andere werden im Tank sauer. Die Idee, den Überschuss zu lagern, bis der Markt ihn absorbiert, prallt auf die Realität der Kellereien: Platz, Temperatur, Investition und Zeit. Die optimistischste Berechnung geht davon aus, dass der Überschuss auf internationalen Märkten platziert wird; das pessimistische Szenario geht davon aus, dass diese Märkte bereits gesättigt sind und die Erschließung eines neuen Marktes jahrelange Vertriebsarbeit erfordert.
Bezüglich der Exporte gibt es eine Nuance, die kaum jemand erwähnt: Spanien produziert viel und oft gute Qualität. Das Problem ist nicht die Qualität, sondern das Volumen. Die Regulierungsräte entscheiden jedes Jahr, welche Produktion in die geschützten Herkunftsbezeichnungen (g.U.) fällt und welche außen vor bleibt. Was nicht unter g.U. verkauft wird, geht lose an Großhändler zu Preisen, die manchmal nicht einmal die Lese kosten. Hier verliert der Landwirt doppelt Geld: einmal durch die Zahlung der Erntekosten und einmal durch die Akzeptanz eines nicht kostendeckenden Preises.
Das Muster wiederholt sich: Olivenöl, Bananen, Gemüse
Wein ist kein Einzelfall. Manche argumentieren, dass derselbe Mechanismus bei Olivenöl, Kanaren-Bananen und einem großen Teil der Gartenbauproduktion angewendet wird. Wenn das Angebot explodiert, wird Produkt zurückgezogen, damit der Preis nicht fällt. Manche vergleichen die Logik mit der der Stromversorger, die Stauseen leeren: Das Angebot wird manipuliert, um den Preis zu beeinflussen. Der Unterschied ist, dass es hier um Lebensmittel geht.
Manche nennen es Ökologiestandards, andere Verschwendung. Tatsache ist, dass man während der Saison, wenn man Bauern kennt, die davon leben, kostenlos essen kann, während das Produkt auf dem Feld verfault, weil die Ernte mehr kostet als das Liegenlassen als Dünger. Beim Wein ist der Prozess langsamer – die Trauben sind bereits geerntet und verarbeitet –, aber das Endergebnis ist dasselbe: Liter, die nie auf einen Tisch gelangen.
Das Geschäft der künstlichen Knappheit
Die häufigste Kritik zielt ins Herz des Systems: Der Markt wird nur akzeptiert, wenn er steigt. Fällt der Preis, greift man ein; steigt er, lässt man es laufen. Es ist die unsichtbare Hand, aber mit Seidenhandschuhen für die Insider. Aus dieser Sicht ist die Vernichtung von Wein zur Preisstützung weder Kapitalismus noch Sozialismus: Es ist das, was immer getan wurde, wenn das Geschäft aufhörte, profitabel zu sein.
Die Verteidigung des Sektors ist profaner. Ohne diese Maßnahmen würden die Weinpreise kollabieren, weniger wettbewerbsfähige Betriebe schließen und das ländliche Gefüge weiter ausbluten. Der Verbraucher würde heute weniger zahlen und morgen mehr, wenn nur noch vier Produzenten übrig wären. Es ist das klassische Argument für Intervention: Schutz der Zukunft auf Kosten der Gegenwart. Ob es funktioniert, hängt davon ab, wen man fragt.
Mit diesen Zahlen wäre es sinnvoll, wenn spanischer Wein die internationalen Märkte zu Schleuderpreisen überschwemmen würde. Das passiert nicht. Währenddessen warten 40 Millionen Liter auf ihr Schicksal: Industriealkohol, Tresterbrand oder einfach Vergessenheit.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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