Hamás lobt Sánchez und der Vorfall entfacht erneut die diplomatische Debatte
Der Dank von Hamás an Pedro Sánchez für seine „klare und mutige“ Haltung zum Gaza-Konflikt hat eine offizielle Reise nach Israel zu einem Problem der Außenpolitik gemacht. Laut einem auf Vozpópuli verbreiteten Tweet, der in der Diskussion aufgegriffen wurde, machte die Organisation ihre Zufriedenheit nach dem Besuch öffentlich. In Spanien wird dieser Schritt als denkbar ungünstigste Unterstützung gewertet und hat die Frage nach den diplomatischen Kosten der spanischen Wende neu entfacht. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Maßnahme der Regierung ein unbequemes internationales Echo hervorruft, aber es ist eines der wenigen Male, bei denen dieses Echo mit dem Namen des Präsidenten im Mund der benannten Seite einhergeht. Der Vorfall legt etwas Unbequemeres als die Schlagzeile offen: die Schwierigkeit, abzuschätzen, was ein Land verliert, wenn es beschließt, bestimmte Dinge laut auszusprechen.
Vier Länder und eine Woche: Bilanz offener Fronten
Die unter den Teilnehmern kursierende Aufstellung ist beredt. Innerhalb von nur einer Woche diplomatischer Aktivität soll sich die spanische Regierung mit Argentinien, Israel, den USA und Deutschland angelegt haben, so die Einschätzung einiger Beobachter. Zu dieser Liste kommt eine bereits angespannte Beziehung zu Marokko und Algerien hinzu, sowie der Westsahara-Streit, wo Spanien seine Position geändert und den Ärger einer Partei auf sich gezogen hat. Zu viele Fronten gleichzeitig für ein Land von mittlerer Größe, lautet die kritischste Lesart.
Nicht alle Fronten sind gleich schwerwiegend. Manche weisen darauf hin, dass der Streit mit Israel und den USA ein wenig sichtbares, aber sehr sensibles Thema betrifft: die Zusammenarbeit im Nachrichtendienst. Wer Erstinformationen über bewaffnete Gruppen in der Region liefert, tut dies normalerweise nicht aus persönlicher Sympathie, und genau dieser Austausch gerät nach dieser Argumentation ins Wanken, wenn die Beziehungen abkühlen. Wirtschaftlich wird am häufigsten das Argument der spanischen Unternehmen angeführt, die Geschäfte in den Ländern betreiben, deren Regierungen die spanische Regierung verärgert haben soll. Eine Berechnung dieses Handelsschadens existiert nirgends. Man ahnt ihn. Er wird nicht gemessen.
Der Dank, den niemand will: ETA, GAL und die Geschichte der PSOE
Ein Teil der politischen Analyse versteht den Vorfall als weiteres Glied in einer langen Kette. Es wird behauptet, der spanische Sozialismus habe historisch mit bewaffneten Organisationen koexistiert: die GAL in den achtziger Jahren, die Verhandlungen mit der ETA in der Ära Zapatero und nun der Applaus von Hamás. Die Bezugnahme auf den Zeitraum „zwischen 1934 und 1936“ taucht in derselben Argumentationslinie auf, als Erinnerung daran, dass diese Bezeichnungen schon vor dem Bürgerkrieg existierten. Dies ist eine wiederholte, umstrittene These, die sich vor allem unmöglich in einem Absatz abschließen lässt.
Im Gegensatz zu dieser Lesart ist die Verteidigung des Schritts nüchterner und schwerer zu verkaufen: Verurteilung des Massakers verpflichtet nicht zum Schweigen gegenüber der Antwort. Das Argument besagt, dass die Verurteilung der Angriffe auf Israel nicht ausschließt, auf das Ausmaß der Operation gegen Gaza hinzuweisen, und dass lautes Aussprechen niemanden zum Sprecher anderer macht. Die schwebende Frage bleibt die alte: Wenn die Botschaft korrekt ist, warum applaudieren ihr dann nur jene, die es eigentlich nicht sollten?
Gaza im Spiegel des Baskenlands
Die in der Analyse am häufigsten wiederholte Analogie stammt nicht aus dem Nahen Osten, sondern aus dem eigenen Land. Es wird argumentiert, dass Spanien mit der ETA verhandelt, Zugeständnisse gemacht und dem Baskenland ein eigenes Steuersystem gewährt habe, ohne dass jemand dies als Verrat ansah. Aus dieser Sicht ist die Aufforderung an Israel, mit den Palästinensern zu verhandeln, keine sarracena Ausnahme, sondern die Norm, die dieses Land bereits auf seinem eigenen Territorium angewandt hat. Dass die Palästinenser Israel nicht als Staat anerkennen, ist für andere Teilnehmer ein zusätzliches Hindernis, das der Vergleich nicht löst.
Andere Teilnehmer drehen das Argument um. Sie weisen darauf hin, dass ein Prozent dessen, was Israel und die USA in Palästina tun, in jedem anderen Kontext als inakzeptabel gelten würde, und dass die Kräfteasymmetrie so groß ist, dass der Vergleich mit einem internen Konflikt überall hinkt. Hier geht der Dissens nicht um die Fakten, sondern darum, was man mit was vergleichen kann, ohne Respektlosigkeit zu zeigen.
Anerkennung Palästinas ist kein Weltuntergang
Das alarmistischste Szenario hat einen Gegengewichtspunkt, der in der Debatte immer wieder auftaucht: Manche behaupten, dass Polen, Griechenland und Schweden Palästina bereits anerkannt haben und dieser Schritt zu keiner spürbaren diplomatischen Katastrophe geführt hat. Wäre die Anerkennung der Schwellenwert zur Katastrophe, würde halb Europa seit Jahren brennen. Dass der Schritt Israel ärgert, ist vorhersehbar; dass er zu einer irreversiblen Isolation führt, ist nach dieser Lesart durch die verfügbaren Beweise nicht gedeckt. Auch hier fehlen Zahlen: Niemand hat bisher veröffentlicht, wie viel jede solche Entscheidung im Handel oder bei Verträgen kostet.
Die interne Lesart: Polarisierung als Methode
Im innenpolitischen Kontext gewinnt unter den Teilnehmern eine weniger epische, eher mechanistische Erklärung an Gewicht. Sie wird als bewusste Strategie der ständigen Provokation beschrieben: eine Reaktion erzeugen, Lärm abwarten und sich dann als einzige Lösung für das selbst geschaffene Problem präsentieren. Die Parallele zur klassischen Propaganda wird in manchen Nachrichten explizit gemacht – inklusive Erwähnung Goebbels –, obwohl es sich um einen rhetorischen Vergleich ohne weitere Grundlage als die Ähnlichkeit der Methode handelt. Das Ziel, so heißt es, sei nicht, neue Überzeugungen zu gewinnen, sondern die eigenen Reihen zu mobilisieren.
Dieser Mechanismus hat einen Vorteil und einen Preis. Der Vorteil ist, dass er kurzfristig funktioniert. Der Preis ist, dass der Verschleiß sich außerhalb abspielt, wo man nicht wählt, aber verhandelt, und dort hilft kein Wahlkampf mehr.
Die Analyse stößt immer auf denselben Punkt: Niemand hat eine Zahl für die tatsächlichen Kosten dieses Vorfalls genannt. Weder bei Verträgen, noch bei geteilten Informationen, noch beim Wert des Images eines Landes, das seit Wochen versucht, sich im Ausland zu erklären. Man kann diskutieren, ob der Schritt notwendig war. Was man nicht leugnen kann, ist, dass der Preis weiterhin unberechnet bleibt und wahrscheinlich lange brauchen wird, bis er auf der Rechnung erscheint.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (185 Antworten).