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Royal Navy: Ein Viertel Spaniens hungerte 1939
Britische Berichte aus dem Jahr 1939 zeigen, dass ein Viertel der spanischen Bevölkerung am Rande des Verhungerns lebte – Fakten, die das Franco-Regime unterdrückte.
Der Hunger, den das Regime verbarg: Milch für 1,10 Peseten pro Liter
Der Hunger im Nachkriegsspanien ist dokumentiert und hat einen konkreten Preis. Viehzüchter mussten ihre Milch für 1,90 Peseten verkaufen, während der offizielle Verkaufspreis in Madrid bei nur 1,10 Peseten lag. Das führte zur Streckung der Milch oder zum Verkauf auf dem Schwarzmarkt (Estraperlo). Wenn der festgelegte Preis unter die Kosten fällt, verschwindet der Markt nicht, sondern geht in die Illegalität über, und die Knappheit trifft vor allem jene, die sich Aufschläge nicht leisten können. Der britische Botschafter Sir Samuel Hoare beschrieb dies 1939 mit jener bürokratischen Präzision, die Engländer oft bei Katastrophen an den Tag legen. Laut einem Memorandum der Royal Navy war ein Viertel der spanischen Bevölkerung praktisch vom Hungertod bedroht. Es war keine gewöhnliche Versorgungskrise, sondern eine verwaltete Niederlage.
Berichte, die das Regime nicht kontrollieren konnte
Da zuverlässige staatliche Statistiken fehlten, stützt sich die Darstellung auf ausländische Diplomatie. Botschafter Yecklan berichtete 1940, dass die gesamte Kartoffelernte der Region Valencia nach Deutschland geliefert wurde und nun auch Frankreich neidvoll darauf blickte. In Santillana del Mar, wo es 5.800 Kühe für 5.000 Einwohner gab, konnte man in Geschäften kein Glas Milch kaufen. Diese Paradoxie war keine lokale Anekdote, sondern ein Zeichen dafür, dass das gesamte System versagte.
Der Kommandeur der Royal Navy, Alan Hillgarth, unterzeichnete im November 1939 ein vernichtendes Memorandum über Unzufriedenheit und schlechte Lebensmittelverteilung. Britische Matrosen beschrieben Algeciras als Stadt voller Bettler, die alles für eine Scheibe Weißbrot getan hätten; in Gibraltar stahlen Spanier Essensreste von Soldaten. In Trujillo und anderen Orten der Provinz Cáceres verbreitete sich die Pellagra, die Krankheit der Unterernährung.
Die offizielle Version: Bankette und lächelnde Gesichter
Das Regime leugnete die Beweise mit einer Logik, die heute peinlich wirkt. Franco wies das Thema in einem Ministerrat ab: „Die Lage kann nicht so schlecht sein, wenn mir überall, wo ich hingehe, Bankette angeboten werden und ich lächelnde Gesichter sehe.“ Ein Reisender aus Tanger berichtete 1941, dass die Typhusepidemie absichtlich übertrieben dargestellt wurde, um die wahre Todesursache zu verbergen: den Hunger.
Während das Land verhungerte, funktionierte der Repressionsapparat auf Hochtouren. Den Daten des Fichero Fisiotécnico zufolge gab es 1941 103.369 Strafgefangene, darunter fast 10.000 Frauen, und die Zahl der politischen Gefangenen in ganz Spanien lag bei rund 280.000. Die administrative Propaganda konnte die elenden Lebensbedingungen nicht zugeben, ohne auch deren Ursache anzuerkennen.
War es die Autarkie oder die internationale Blockade?
Die zentrale Frage lautet: Wog die autarke Politik schwerer als die äußere Isolation? Eine Sichtweise argumentiert, dass die britischen Bezugsscheine zwei Jahre länger galten als die spanischen und dass das Land nach dem Zweiten Weltkrieg Embargos und Sanktionen erlitt – einschließlich des Ausschlusses vom Marshallplan –, was einen großen Teil der Katastrophe erklärt. Spanien, durch den Krieg hochverschuldet, fand sich ohne Märkte und Kredite im denkbar ungünstigsten geopolitischen Umfeld wieder.
Gegenargumente basieren auf Daten, die von Verteidigern der Regimepolitik angeführt werden: Die Stromproduktion von 1960 war fünfmal so hoch wie 1940, und die Kindersterblichkeit von 1950 betrug nur die Hälfte des besten Jahres der Republik. Dies entkräftet ihrer Meinung nach das Bild der vierziger Jahre als vollständig verlorene Dekade. Skeptiker fügen hinzu, dass der Aufstieg zur achtgrößten Volkswirtschaft vor allem dem Tourismus und nicht einer starken Industrie zu verdanken war. Der Wendepunkt, den fast alle anerkennen, ist der Stabilisierungsplan; davor lagen zwei Jahrzehnte des Stillstands.
Die andere Seite: Ronda, Companys und Hunger im republikanischen Gebiet
Ein Teil der Debatte erinnert an die Gewalt der republikanischen Seite, die ebenfalls stattfand und oft falsch dargestellt wird. Genannt werden die Ereignisse von Ronda im August 1936, bei denen Hunderte Menschen in eine Grube geworfen wurden, sowie die mehr als 400 Todesurteile, die laut einem Beteiligten Lluís Companys in Katalonien unterzeichnete. Zudem wird daran erinnert, dass auch das republikanische Gebiet vom Hunger betroffen war – Linsen wurden spöttisch als „Dr. zainín-Pillen“ bezeichnet – und dass Argentinien während und nach dem Konflikt Lebensmittel an beide Seiten lieferte.
Keines davon widerlegt das andere. Wie die unbequeme Position zwischen den Extremen zusammenfasst: Die Republik konnte ein Desaster gewesen sein, und gleichzeitig war die Nachkriegszeit eine Hungersnot, für die das Regime aufgrund seiner Sturheit verantwortlich war. Ein Detail taucht in Familienberichten immer wieder auf: Wer als Kind diesen Hunger litt, blieb lebenslang geprägt und bis zu seinem Tod, siebzig Jahre nach Kriegsende, von Essen besessen.
Was kommt, ist vorhersehbar: weitere freigegebene diplomatische Berichte und Versuche, alles auf eine Zahl zu reduzieren, die jeder Seite passt. Solange kein offizielles spanisches Register die britischen Angaben widerlegt, bleibt die Hungersnot der vierziger Jahre eine unbequeme Wahrheit, die jede Generation neu entdeckt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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