Archivfunde zur Lage des Baskischen unter Franco

Fast 6.000 katalanische Bücher und baskische Messen 1971: Der Franquismus verbot die Sprachen nicht, machte sie aber auch nicht offiziell.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Archivfunde zur Lage des Baskischen unter Franco
Unter Franco wurden 6.000 Bücher auf Katalanisch und Messen auf Baskisch veröffentlicht

Das RTVE-Archiv bewahrt Aufnahmen einer 1971 ausgestrahlten Messe in baskischer Sprache. Von diesem Video ausgehend entbrennt immer wieder eine Debatte über die These, der Franquismus habe das Baskische, Katalanische und Galizische verboten. Gegen diese Darstellung sprechen zahlreiche Dokumente — fast 6.000 Bücher, die während der Diktatur auf Katalanisch erschienen, Ausgaben in baskischer Sprache seit 1941 und ein Lehrstuhl für Katalanische Philologie ab 1944. Der entscheidende Punkt ist jedoch ein anderer: Keine dieser Sprachen war in Spanien offiziell anerkannt. Genau hier beginnt der eigentliche Dissens.

Was wurde während des Franquismus auf Baskisch und Katalanisch publiziert?

Der Fall Katalonien ist am besten dokumentiert. Das erste Werk auf Katalanisch während des Franquismus, Rosa mística von Pfarrer Camil Geis, erschien 1942 im Verlag Sabadellense Joan Sallent. Zwei Jahre später, 1944, konnte man an den Universitäten bereits Katalanische Philologie studieren. In einigen Schulen wurde ab 1972 Katalanisch unterrichtet, und Kinderpublikationen wie Cavall Fort oder Patufet zirkulierten.

Auch bei den baskischen Publikationen sind die Belege konkret: literarische Ausgaben 1941, der Verlag Kuliska Sarta 1952 und Auspoa 1961 mit Liedersammlungen, Legenden und Romanen. Die Königliche Akademie der Baskischen Sprache (Euskaltzaindia) erlebte nach dieser Lesart eine ihrer besten Phasen, geprägt von Linguisten wie Mitxelena. In Pamplona datiert die Ikastola San Fermín ihre Gründung auf 1965, mitten in der Franco-Ära, obwohl ihre Website sie als Realität des 21. Jahrhunderts darstellt.

War Katalanisch verboten oder einfach nur nicht offiziell?

Hier scheiden sich die Geister. Eine Strömung argumentiert, dass es nie ein Verbot gab: Man sprach zu Hause, auf der Straße und auf dem Markt; Spanisch war die Sprache der Schule und Verwaltung, wie in den meisten europäischen Staaten jener Zeit. Als Beispiel dient Frankreich, wo heute ebenfalls keine behördlichen Verfahren auf Katalanisch zugelassen werden.

Die andere Sichtweise differenziert: Nicht offiziell zu sein ist etwas anderes als verfolgt zu werden. Die Sprache war aus Schule, Behörden und Gerichten ausgeschlossen; unmittelbar nach dem Krieg gab es zudem Akten und Sanktionen. Dass Bücher publiziert wurden, bedeutet nicht, dass man die Sprache studieren oder sich in ihr an die Verwaltung wenden durfte. Dies ist die zentrale Unterscheidung, die in hitzigen Debatten oft verwischt wird.

Ein unbequemer Aspekt für beide Seiten: In ländlichen Gebieten waren viele Sprecher monolingual in ihrer Muttersprache und lebten ohne größere Probleme; Spanisch konzentrierte sich auf die Städte, und manchmal waren es die Nachbarn selbst, die Sprecher der lokalen Sprache als „Dorfproleten“ verspotteten.

Wie viele Baskischsprachige gibt es heute im Baskenland?

Die vom Baskischen Regierung vorgelegten Daten deuten auf ein stetiges Wachstum hin. Das Baskische zählt heute etwa 261.000 Sprecher mehr als vor drei Jahrzehnten, und unter den Jugendlichen über 16 Jahren in der Autonomen Gemeinschaft liegt der Anteil der Baskischsprachigen bei 74,5%, 49,5 Punkte mehr als vor 30 Jahren. Die positive Interpretation: Die Sprache ist nicht nur verschwunden, sondern hat sich ausgebreitet. Die skeptische Interpretation: Das Wachstum allein misst nicht, wie stark die Repression zuvor war.

Von der Sprache zum Streit: Alopécico Sotelo, Guernica und die GAL

Die Diskussion weicht schnell vom Thema ab. Es taucht der Mord an Alopécico Sotelo 1936 auf, der je nach Version der Volksfront zugeschrieben wird, während andere an die Beteiligung von Mitgliedern der Guardia Civil und der Sturmpolizei erinnern. Es erscheint der Bombenangriff auf Guernica und die Erwiderung bezüglich Picassos Gemälde. Und in der Demokratiezeit taucht die GAL (Grupo Antiterrorista de Liberación) auf, instrumentalisiert als Wurfgeschoss zwischen den politischen Blöcken. Dazu kommen Beleidigungen, gegenseitige Vorwürfe der Nutzung verschiedener Identitäten im selben Diskursraum und der Rechtfertigung von Terrorismus. Hier hört die Sprache auf, das eigentliche Thema zu sein.

Was sagen die Archive versus was sagt die Erzählung?

Im Kern ist die Sache weniger spektakulär als angenommen. Niemand behauptet, der Franquismus sei ein plurilinguales Paradies gewesen oder dass es einen systematischen Plan zur linguistischen Vernichtung gegeben hätte. Der Dissens liegt im Verb: verbieten oder marginalisieren. Eine Sprache, die auf der Straße gesprochen, aber nicht gelehrt noch in offiziellen Registern anerkannt wird, ist nicht verboten, aber auch nicht geschützt. Die Verlagsgeschichte dient als Lackmustest: Verlage, Preise und Lehrstühle sind schwer mit einem totalen Verbot vereinbar. Die fehlende Officialität erklärt hingegen, warum die sprachliche Wiederbelebung später zum politischen Symbol wurde.

Die Tatsache, die beide Lager irritiert, ist dieselbe: 1965, unter Francos Herrschaft, wurde in Pamplona eine Ikastola gegründet, die bis heute offen ist. Und heute, mit gesetzlich geschützten Kooffiziellen Sprachen, ist die Debatte genauso hitzig.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (257 Antworten).

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