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Galizischer Identitätsnationalismus: „Galiza aos Galegos“
Eine Minderheit des galizischen Nationalismus nutzt das Motto 'fogar, raza, língoa' und beruft sich auf die Ultreya von 1932. Triskele-Camps und soziale Medien.
„Galiza aos Galegos“: Identitäre Aktivisten berufen sich auf die Ultreya von 1932
Es gibt einen galizischen Nationalismus, der abseits der großen Parteien steht und dennoch seine eigene Erzählung konstruiert: die eines ethnischen, traditionalistischen, pro-europäischen Galiziens, das sich explizit als Erbe der Jugendorganisation Ultreya versteht, gegründet in Noia im Februar 1932. Ihr Motto ist fogar, raza, língoa – Heimat, Rasse, Sprache – und ihr Schlachtruf lautet „Galiza aos Galegos“.
Das Bemerkenswerte ist nicht das Folklore der Triskele-Symbole und Sommercamps, sondern der ideologische Cocktail: ein identitärer galizischer Nationalismus, der den klassischen Linksnationalismus ablehnt und sich an einer Linie der dreißiger Jahre orientiert, vermischt mit dem heutigen europäischen Identitarismus. Demografie ist sein Schlachtfeld.
Was war die Ultreya und warum wird sie heute wiederbelebt?
Die Ultreya wurde im Februar 1932 in Noia als eine politisierte, galizianistische Jugendorganisation gegründet, ähnlich den Pfadfindern. Laut den Quellen dieser Strömung gehörten innerhalb weniger Wochen rund 800 Jungen zwischen 12 und 18 Jahren dazu; Ausflüge durch Galicien dienten der Erkundung des Territoriums. Daraus stammen die heute wiederverwendeten Texte: das Dekalog der Ultreya, die Gebote von Álvaro das Casas und die „Verbas aos mozos gallegos“ aus dem Jahr 1933, woher die Formel „fogar, raza e língoa“ stammt. Francisco Fernández del Riego, Generalsekretär der Organisation, unterzeichnete dieses traditionalistische Manifest.
Das Detail hat es in sich. Dieselbe Strömung, die sich als revolutionär präsentiert, beansprucht Material von vor fast einem Jahrhundert, wobei die damalige Sprache – Naturalismus, Erde, Rasse – heute kaum verändert in sozialen Profilen und T-Shirt-Shops auftaucht.
Der Konflikt zwischen Keltizismus und römischem Erbe
Nicht alle akzeptieren die keltische Erzählung. Gegenüber denen, die auf den keltischen Ursprung und die Feier des Beltane bestehen, erhebt sich die latinistische Gegenstimme: Es wird argumentiert, dass die Castros „nur vier Steine“ seien im Vergleich zum Turm von Hercules oder der römischen Stadtmauer von Lugo, und dass das Galizische eine lateinische, keine keltische Sprache sei. Die Diskussion reicht bis zum Fußball: Die zeitgenössische Presse beschrieb die galizische Auswahlmannschaft, die 1930 gegen Kastilien antrat, als „die Kelten“, eine merkwürdige Mischung aus Keltizismus und Berufung auf das alte Sueben-Reich. Manche erinnern daran, dass selbst Iren und Waliser Galicien nicht als keltisch betrachten.
Der Vorwurf, das Gedankengut der CEDADE zu erben
Die unbequemste Front kommt aus dem eigenen spanisch-nationalistischen Lager. Ein Teil der Analyse behauptet, dieser Identitarismus speise sich direkt aus der CEDADE und dem Konzept eines „Europa der Ethnien“, und schreibt ihm zwei entgegengesetzte Tendenzen zu: den Kirchturm-Ethnonationalismus („Meine Heimat reicht bis zu den Glocken meiner Pfarrei“) und die globalistische Auflösung in einem vermeintlichen „Meine Heimat ist die weiße Rasse“. Es werden Splittergruppen zitiert, die von Bandwagon zu Bandwagon sprangen. Der Vorwurf ist nicht bewiesen: Es ist eine Lesart der ideologischen Genealogie.
[SIZE=5][B]Geburtenrate, Immigration und die Erzählung vom Ethnozid[/B][/SIZE]
Hier schärft sich der Ton. Die Rede behauptet, die galizische Geburtenrate liege [B]unter einem Kind pro Frau[/B], es gebe bereits [B]mehr als 190.000 Einwanderer[/B], und täglich kämen [B]mehr als 20 hinzu[/B]; daraus wird geschlossen, die Existenz des Landes sei gefährdet. Diese Lesart – der sogenannte stille Ethnozid – wird als Diagnose dargestellt, nicht als Meinung. Man sollte sie von den Daten trennen: Die Zahlen zu Migrationsströmen und Fruchtbarkeit sind separat überprüfbar; die Interpretation, dies bedeute einen Bevölkerungsaustausch, ist eine politische These, gestützt, aber nicht bewiesen. Für diese Strömung hingegen ist die Alternative binär: „Remigration oder Auslöschung“.
[SIZE=5][B]Wer steckt dahinter und wie weit reicht es?[/B][/SIZE]
Das Ökosystem ist klein: Profile in sozialen Netzwerken, ein T-Shirt-Shop, ein für [B]2026[/B] angekündigtes „Bundeslager“ und eine Symbolik, die Triskele, suebisch-galizisches Erbe und Vokabular des alten mittelalterlichen Königreichs mischt. Wiederkehrend wird die Familie Andrade und ihre angebliche templarische und esoterische Vergangenheit beansprucht, eine eher legendäre als dokumentierte Erzählung.
Die Bewegung stellt sich gleichzeitig als pro-europäisch und antiglobalistisch dar, greift sowohl den BNG (galizischen Nationalblock) als auch den spanischen Rechtsnationalismus an und gewinnt seltsame Sympathien: von denen, die darin einen „gesunden“ Nationalismus sehen, bis zu denen, die es als folkloristischen Spuk abtun. [I]Fremdscham[/I], fassen andere zusammen.
Ob diese Aktivisten ihren digitalen Lärm in reale politische Struktur übersetzen können, ist heute noch ungewiss. Das ideologische Material haben sie. Und die Geschichte der identitären Splittergruppen lädt zu einer vorsichtigen Prognose ein: viel Liturgie, wenige Stimmen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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