Mediator-Affäre: Kongress als Lockmittel für Bestechung und Partys

Die Guardia Civil wirft dem Abgeordneten Juan Bernardo Fuentes vor, den Kongress genutzt zu haben, um Unternehmer im Rahmen der Mediator-Affäre zu beeindrucken.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mediator-Affäre: Kongress als Lockmittel für Bestechung und Partys
Mediator-Affäre: Vom Parlament zum Rotlichtclub für 3.500 Euro

Eine Rechnung über 3.500 Euro beziffert das Ausmaß des Skandals. Dies war laut veröffentlichten Informationen der Preis für einen Abend in Madrid: Besuch im Congreso de los Fruta, Abendessen und Abschluss in einem Club mit Prostituierten. Im Zentrum steht der sozialistische Abgeordnete von den Kanarischen Inseln, Juan Bernardo Fuentes, im Ermittlungsverfahren auch als Tito Berni bezeichnet. Die Guardia Civil wirft ihm vor, die Parlamentskammer als Schaufenster genutzt zu haben, um Unternehmer zu beeindrucken. Die Mediator-Affäre bot alle Zutaten einer Telenovela: Kokain, Rotlichtclubs und Verträge. Das Bemerkenswerte wäre heute eher, wenn diese Elemente fehlen würden.

Was ermittelt die Guardia Civil in der Mediator-Affäre?

Der Kern des Verfahrens ist ein mutmaßliches System von Schmiergeldzahlungen. Die Polizei geht davon aus, dass der Abgeordnete sein Mandat nutzte, um Unternehmer in Kreise öffentlicher Aufträge einzuschleusen, wobei Freizeitabende als Gegenleistung dienten und der Kongress selbst als Lockmittel fungierte. Einige dieser Abende fanden außerhalb des Plenarsaals statt, begannen aber dort: Der offizielle Besuch war der Köder, die Rechnung zahlten andere.

Manche argumentieren, dies sei nur ein isolierter Vorfall eines Abgeordneten mit mangelnder Selbstkontrolle. Dem widerspricht jedoch ein unbequemes Detail: Die Polizei stellte fest, dass der Abgeordnete sein Unternehmen mitten in den Ermittlungen auflöste und die Einnahmen seiner Beratungsfirma nach seinem Einzug ins Parlament verdoppelte. Der zeitliche Ablauf stützt nicht die These eines einmaligen Ausrutschers.

Weitere Zweige: Kanarische Inseln und zwei weitere hohe Beamte

Die Angelegenheit beschränkte sich nicht auf eine Person. Die Ermittlungen brachten zwei weitere hochrangige Beamte der Regierung der Kanarischen Inseln in Verbindung mit dem Netzwerk. Einer der genannten Namen ist José Domingo Fernández Herrera, ein langjähriger Sozialist und Verantwortlicher für Klimaschutz auf den Inseln, mit einem Jahresgehalt von 65.053,77 Euro. Seit Juli vermutete die Polizei die Beteiligung „weiterer politischer Amtsträger“, wie aus den Akten hervorgeht.

Die Geografie spielt eine Rolle. Die Kanarischen Inseln konzentrieren einen großen Teil des Geschäfts – Aufträge, öffentliche Bauvorhaben, Notfälle – und mehrere Quellen deuten darauf hin, dass die Inseln als Operationszentrum dienten. Alles begann mit einem Geflecht aus Beratungsfirmen und Provisionen, das auf dem Papier keine regionale Regierung tragen sollte.

Ábalos, Masken und die Spitzenkandidaten

Mit Fortschreiten der Ermittlungen reichten die Verzweigungen bis nach Madrid. Der Vermittler des Netzwerks behauptete angeblich, der damalige Minister Ábalos habe Anweisungen gegeben und über den Kauf von Masken auf den Kanarischen Inseln entschieden. Er bestreitet dies, und die Frage ist weiterhin gerichtlich umstritten. Weitere Berichte verknüpften drei PSOE-Spitzenkandidaten mit Partys unter Beteiligung von Prostituierten; dieser Aspekt ist Teil der Ermittlungen, wurde aber vor Gericht noch nicht bestätigt.

Wichtig ist die Reihenfolge: All dies befindet sich im Stadium der gerichtlichen Voruntersuchung (instrucción): Beschuldigungen, Polizeiberichte und Leaks, keine Urteile. Bei solchen Verfahren liegt zwischen Schlagzeile und Verurteilung oft Jahre Abstand.

Wie endete die Mediator-Affäre?

Schlecht, gemessen am Ergebnis. Der Abgeordnete legte sein Mandat und sein Amt nieder, doch ein Prozess fand bisher nicht statt. Der Fall steckt in den Ermittlungsgerichten der Kanarischen Inseln fest, Zeugen ändern ihre Aussagen unter Schutz, Beweise verschwinden. Laut letzten verfügbaren Informationen verhandelte der Vermittler mit der Staatsanwaltschaft über eine Strafminderung gegen Kooperation. Der Lärm war gewaltig; die Konsequenzen sind bislang überschaubar.

Manche erinnern an den doppelten Maßstab. Als der Skandal frisch war, ermutigte die PSOE ihre Abgeordneten, rechtlich gegen jene vorzugehen, die sie mit Prostitution in Verbindung brachten; wenige Tage später schloss die Partei einen Sozialisten aus, weil er auf Fotos solcher Partys zu sehen war. Konsistenz ist in der Politik ein knappes Gut und nutzt sich schnell ab.




Drei Jahre später liegt das Verfahren weiterhin bei einem Gericht auf den Kanarischen Inseln, der Sitz ist leer, und kaum jemand musste sich vor Gericht erklären. Wie lange stirbt ein Skandal in Spanien, wenn niemand ihn wiederbeleben will?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (249 Antworten).

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