Religiöse Namen spanischer Kriegsschiffe: Würde oder Ballast

Bei Trafalgar stellte Spanien neben der Santísima Trinidad und der San Juan Nepomuceno auch die Neptuno, Rayo und Monarca in die Schlacht: Der marineeigene Heiligenkalender war keineswegs einheitlich.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Religiöse Namen spanischer Kriegsschiffe: Würde oder Ballast
San Juan Nepomuceno gegen Victory: zwei Arten, ein Kriegsschiff zu taufen

In der Schlacht von Trafalgar kämpften neben der Santísima Trinidad und der San Juan Nepomuceno auch die Neptuno, Rayo, Monarca, Argonauta, Montañés und Príncipe de Asturias, das Flaggschiff Gravinas, mit. Die spanische Marine war keine Prozession von Heiligen: Sie hatte harte, mythologische und dynastische Namen. Die Debatte, ob religiöse Namen Würde verliehen oder nahmen, beginnt mit einem Vergleich mit den Engländern —Victory, Conqueror, Revenge— und den Franzosen —Derechos del hombre, Tiranicidio, Demócrata—, die vielen Augen noch lächerlicher erschienen.

Der Doppelname: Schutzpatron und Straßenname

Die Sitte der Marine des 18. Jahrhunderts war, dass ein Schiff zugleich ein religiöses Patrozinium und einen Spitznamen hatte. In den Dokumenten der Zeit steht oft der „San Soundso, alias Sowieso“. Mit sehr gläubigen und abergläubischen Besatzungen war der Schutz eines Heiligen fast Teil der Ausrüstung. Keine spanische Besonderheit: Die Engländer hatten ihre Leviathan, die Japaner ihre Träger Akagi, Hiryu, Soryu und Kaga.

Manche halten das Problem sei nicht der Name, sondern die Manie mit den pathetischen: der Schrecken des-und-des oder der Eroberer von soundsovielen sehen ziemlich albern aus, wenn ein Torpedo einen am ersten Kriegstag auf den Grund schickt. Dieselbe Logik, die die Invencible verhöhnt, spricht die San Juan Nepomuceno frei, die zumindest nichts versprach.

Von der Defecafuego bis zur Destructor: Namen, die Geschichte machten

Spanien taufte auch mit weltlichen, kraftvollen Namen: die Fregatte Numancia, das Linienschiff Pelayo, die Carlos V. Und ein spanischer Name ging um die Welt: die Destructor, die einer ganzen Schiffsklasse den Namen gab. Die Anekdote der Defecafuego zeigt, dass der Heiligenkalender nicht das einzige Register war.

In der Handelsschifffahrt gilt die Konsequenz der Reedereien —Petronor mit der Butron, Arteaga und Muñatones; Elcano mit Burgen wie der Castillo de Malpica oder Forte de Sao Marcos— als Vorbild funktionaler Namensgebung. Daneben wirkt der marineeigene Heiligenkalender wie ein Pfarrinventar.

Der eigentliche Streit: Glaube, Kultur und Selbsthass

Der Konflikt ist nicht nautischer, sondern identitärer Natur. Die einen verteidigen, katholische Namen seien „unser Glaube und unsere Kultur“, und werfen denen Endophobie vor, die sie mit englischen und französischen Namen vergleichen. Andere erwidern, die katholische Tradition in der Toponomastik —überall santa cruz, santa fe, san Soundso— erzeuge Langeweile. Und eine dritte, pragmatischere Fraktion fordert Namen berühmter Militärs, Marinestützpunkte oder Städte, wie es Reedereien tun.

Der genaue Punkt, an dem die Analyse stockt: Niemand hat bewiesen, dass ein Name dem Feind Angst einjagt. Die Santísima Trinidad sank trotzdem. Die Victory schwimmt noch.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (41 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver