Pro-russischer Blogger Anatoli Schariy in Tarragona festgenommen

Die spanische Polizei verhaftete den ukrainischen Blogger Anatoli Schariy in Tarragona auf internationalen Haftbefehl der Ukraine wegen Hochverrats.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Pro-russischer Blogger Anatoli Schariy in Tarragona festgenommen
Pro-russischer Blogger Anatoli Schariy in Tarragona festgenommen

Darf Spanien jemanden aufgrund seiner Internetbeiträge auf Ersuchen eines kriegsführenden Landes verhaften? Am 4. Mai 2022 nahm die Policía Nacional den ukrainischen Blogger Anatoli Schariy in Tarragona fest, basierend auf einem internationalen Haftbefehl der Ukraine. Die Ermittlungen richten sich gegen ihn wegen angeblichen Hochverrats und Verstoßes gegen die Gleichheit der Bürger. Am Folgetag wurde er dem Richter José Luis Calama am Audiencia National überstellt. Seine Verteidigung führt Gonzalo Boye, der Anwalt des ehemaligen katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont. Der Fall löste eine unbequeme Debatte aus: Wo liegt die Grenze zwischen der Verfolgung von Hochverrat und der Verfolgung einer Meinung?

Die Vorwürfe und die Beweislage

Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) behauptet, Schariy habe illegale Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit der Ukraine im Informationsbereich ausgeführt und im Auftrag ausländischer Strukturen gehandelt. Laut Mitteilung des Dienstes stützt sich die Anklage auf Expertengutachten, die in seinen Interviews und Reden subversive Handlungen festgestellt haben sollen. Er war bereits im Vorjahr als Verdächtiger benannt worden.

Hier lag der Punkt, der die Diskussion entfachte. Manche argumentieren, dass ein Gutachten über den Inhalt von Äußerungen eine zu elastische Grundlage für eine Auslieferung sei: Wenn das Verbrechen in dem besteht, was man sagt, verschwimmt die Grenze zur ideologischen Verfolgung. Auf der anderen Seite steht das Argument, dass Hochverrat im spanischen Strafgesetzbuch verankert ist und eine Auslieferung die doppelte Strafbarkeit erfordert, also dass die Tat in beiden Ländern ein Verbrechen sein muss.

Die Zweischneidigkeit des Artikels 581

Das spanische Strafgesetzbuch bestraft in Artikel 581 jeden Spanier, der eine ausländische Macht dazu verleitet, Spanien den Krieg zu erklären. Der Wortlaut ist präzise: Es geht um das Verleiten einer ausländischen Macht, nicht darum, Spanien in einen Konflikt zu ziehen. Daraus entstand ein stark diskutiertes Argument: Würde man denselben Maßstab anlegen, würde jemand, der einen Bombenangriff auf Spanien fordert, besser unter diesen Tatbestand fallen als ein Blogger, der die Ukraine von Tarragona aus kritisiert.

Die Kernfrage lautet jedoch anders: Wenn das Verbrechen gegen die Ukraine begangen wird, die sich im Krieg befindet, und nicht gegen Spanien, reicht dann die Existenz eines vergleichbaren Tatbestands im spanischen Recht für eine Auslieferung? Die technische Antwort ist, dass ein Verfahren eröffnet wird, das sich über Jahre hinziehen kann, mit Verteidigung, Beweisführung, Vergleich der Straftatbestände und völkerrechtlichen Verträgen.

Puigdemonts Anwalt und die katalanischen Verbindungen

Dass Gonzalo Boye, der Anwalt des geflohenen Ex-Präsidenten, die Verteidigung übernimmt, ist kein Detail am Rande. Es fügt dem ohnehin belasteten Fall eine politische Dimension hinzu. Manche sehen in dieser Verbindung ein Netzwerk gemeinsamer Interessen zwischen dem katalanischen Unabhängigkeitsbewegung und Moskau, eine These, die seit Jahren kursiert, aber ohne gerichtliche Bestätigung bleibt. Andere sehen einfach nur einen spezialisierten Anwalt bei der Arbeit in unangenehmen Fällen.

Die Warnung hinter dem Fall

Das häufigste Argument betrifft nicht Schariy selbst, sondern den Präzedenzfall. Manche behaupten, dass die während der Pandemie unter dem Vorwand des Gemeinwohls genehmigten Ausnahmen vom Rechtsstaat bereits eine gefährliche Spur hinterlassen haben, die nun breiter wird: Erst werden andere verhaftet, dann greift die Maschinerie nach Ihnen. Das Frosch-im-Wasser-Phänomen schreitet langsam voran und findet Beifall. Dies ist eine Warnung, die laut ihren Urhebern aus beiden Lagern des Konflikts kommt.

Stand des Verfahrens

Zum Zeitpunkt dieser Berichterstattung war Schariy dem Gericht überstellt worden, und das Verfahren lief weiter. Es gibt keine Entscheidung über die Auslieferung, keine Verurteilung und kein Urteil. Jede Aussage über seine Schuld ist derzeit eine Hypothese. Sicher sind nur die Festnahme, der internationale Haftbefehl und der Name des ermittelnden Richters.

Dass ein kriegsführendes Land die Auslieferung eines Kritikers wegen dessen Aussagen in Interviews beantragt, ist ein Mechanismus, der existiert, funktioniert und nichts Neues erfinden muss. Er braucht nur, dass niemand genau hinsieht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (162 Antworten).

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