Belarra fordert Netanjahu vor Internationalen Strafgerichtshof

Spaniens Sozialministerin wirft Israel in Gaza "geplanten Völkermord" vor und verlangt Waffenembargo sowie Sanktionen gegen Netanjahu.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Belarra fordert Netanjahu vor Internationalen Strafgerichtshof
Belarra will Netanjahu wegen "Völkermords" vor den IStGH bringen

Ione Belarra, Ministerin für Soziale Rechte und Agenda 2030, stellte die spanische Regierung ins Zentrum eines diplomatischen Konflikts, indem sie dem Staat Israel "geplanten Völkermord" am palästinensischen Volk vorwarf und die Vorführung Netanjahus vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) wegen Kriegsverbrechen forderte. Es war kein isolierter Ausbruch. Die Äußerung erfolgte in einer Kette von Botschaften mit derselben Wortwahl und einer konkreten Forderung —Wirtschaftssanktionen und Waffenembargo— an die europäischen Institutionen. Die Reaktion spaltete sich vom ersten Moment an.

Was genau sagte die Ministerin?

Die in sozialen Medien verbreiteten Texte behaupten, "Europa kann und muss ein Kontinent des Friedens sein", und man dürfe den "geplanten Völkermord nicht zulassen, den der Staat Israel gegen das palästinensische Volk begeht". In einer weiteren Nachricht erklärt die Ministerin, die israelische Regierung verübe "Kriegsverbrechen im Gazastreifen, massive Bombardierungen, Abschaltungen von Wasser und Strom", und fügt hinzu, dass humanitäre Hilfe nicht hineingelassen werde.

Der Absatz, der alles auslöste, lautete: "Diesen Völkermord anzuprangern, ist keine Unterstützung der Hamas, sondern eine demokratische Pflicht. Schweigen bedeutet Komplizenschaft mit dem Terror." Auf diesem Satz basierte die Hälfte der folgenden Debatte. Die andere Hälfte drehte sich um die geforderten exemplarischen Wirtschaftssanktionen und das Waffenembargo gegenüber Europa.

Die Zahlen im Streit

Im Umlauf sind die Zahlen, auf die sich der Vorwurf stützt: mehr als 2.670 getötete und 9.600 verletzte Palästinenser in neun Tagen. Der Vergleich dazu — neun Tage Offensive gegen die sieben vollen Jahre der ersten Intifada — stammt nicht von der Ministerin, sondern wurde zusammen mit ihren Aussagen verbreitet. Im Material gibt es keinen unabhängigen Nachweis dieser Zählung.

Hier beginnt das methodische Problem. Wer die Zahl akzeptiert, diskutiert die Absicht; wer sie ablehnt, diskutiert die Quelle. Niemand bestreitet den Zeitrahmen: neun Tage. Genau dieser Rahmen macht die Bilanz zur politischen Munition statt zu einem bloßen Faktum.

Katarisches Geld und das irritierende Zitat

Ein Großteil der Gegenreaktionen sprach nicht von Bombardements, sondern davon, wer die Rechnung zahlt. Ein Statement Netanjahus aus dem Jahr 2019 wurde ausgegraben, in dem er argumentierte, "wer die Gründung eines palästinensischen Staates verhindern will, sollte die Hamas unterstützen und ihr Geld zukommen lassen". Dieser Ausschnitt wird ständig wiederholt, um zu belegen, dass Israel die Einfuhr katarischer Gelder nach Gaza regelmäßig genehmigte, um Hamas und Palästinensische Autonomiebehörde getrennt zu halten.

Die Logik, die dem israelischen Premierminister zugeschrieben wird — basierend auf Informationen, die in der Diskussion kursieren — deutet darauf hin, dass die Hilfe gefiltert wurde, damit sie nicht vollständig in Waffen floss, und dass dieser Hahn nach den Angriffen zugedreht wurde. Der Streit dreht sich nun nicht mehr um die Zahlen, sondern um die Absicht.

Eine Regierung mit zwei Diskursen

Der am häufigsten genannte Widerspruch kommt nicht aus Israel, sondern aus Madrid. Dieselbe Koalitionsregierung, der Belarra angehört, hat eine Fregatte zu einer von einem US-Flugzeugträger angeführten Seegruppe im östlichen Mittelmeer entsandt. Daraus resultiert der Vorwurf der Doppelmoral, derselbe, der gegen ihre politische Gruppierung erhoben wird, weil sie später das Gegenteil dessen abstimmt, was sie proklamiert.

Auch die persönliche Kohärenz wird infrage gestellt: Man wirft ihr vor, weiterhin in einem Ministerrat zu sitzen, der ihrer These nicht zustimmt. Die Antwort liegt implizit in den eigenen Nachrichten. Die Anprangerung wird als demokratische Pflicht dargestellt, nicht als Grund für einen Bruch.

Von der "Heldin" zum Werkzeug des Gegners

Die Positionen ordnen sich in drei Blöcke. Ein erster unterstützt die Ministerin ohne Einschränkungen und meint, sie habe laut ausgesprochen, was viele nicht zu formulieren wagen. Ein zweiter lehnt den gesamten Rahmen ab: Er behauptet, diese Rhetorik weiße eine bewaffnete Organisation rein und das eigentliche Ziel sei die Vernichtung des Staates Israel. Ein dritter — der unbequemere — teilt die Diagnose, aber nicht die Unterschrift: Wer Völkermord innerhalb der Regierung anprangert, sollte vorher mit ihr brechen.

Es gibt eine vierte, kleinere und zynischere Strömung, die nicht zur Sache geht: Diese Auftritte dienten nur dazu, einer Regierung den Anschein von Pluralität zu geben, die in der Praxis genauso handelt wie ihre internationalen Partner.

Offen bleibt die Frage, die niemand klärt. Neun Tage Offensive gegenüber sieben Jahren erster Intifada. Und ein Zitat über katarische Gelder aus 2019, das bisher offiziell nicht dementiert wurde.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (206 Antworten).

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