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Madrid findet keine Kellner: 80 Bewerbungen, nur 4 Gespräche
In Madrid fehlen Kellner trotz hoher Arbeitslosigkeit. Bei 1.000 Euro Gehalt und 500 Euro Miete pro Zimmer lohnt sich der Job kaum.
Madrid findet keine Kellner: 80 Bewerbungen, nur 4 Gespräche
Ein Gastronom in Madrid schaltet eine Stellenanzeige für Kellner. Auf Infojobs erhält er täglich zwischen 80 und 100 Bewerbungen. Nur vier oder fünf davon erfüllen die drei geforderten Kriterien: Branchenerfahrung, sofortiger Arbeitsbeginn und zeitliche Verfügbarkeit. Er kontaktiert zehn Vorausgewählte an einem Freitag. Die Hälfte ist erreichbar. Zu den persönlichen Gesprächen erscheinen vier. Der Rest bleibt stumm. Diese Szene, die sich jede Woche wiederholt, fasst ein Problem zusammen, das die Gastronomie in Madrid seit Langem laut beklagt: Es fehlen Kellner, und die vorhandenen sind oft nicht bereit, unter den angebotenen Bedingungen zu arbeiten.
Das Thema, das derzeit in wirtschaftlichen Kreisen diskutiert wird, hat mehr Facetten als es scheint. Es geht nicht nur darum, dass Menschen fehlen. Es geht darum, dass potenzielle Kellner gerechnet haben – und dass sich die Rechnung in vielen Fällen nicht lohnt.
Warum fehlen in Madrid Kellner, obwohl es Arbeitslose gibt?
Die kurze Antwort: Das Gehalt deckt nicht die Lebenshaltungskosten in Madrid. Ein Kellner verdient etwa 1.000 Euro im Monat. Ein Zimmer in der Hauptstadt kostet 450 bis 500 Euro. Addiert man Essen, Transport und Grundbedürfnisse, bleiben kaum Ersparnisse oder Geld für Überweisungen nach Hause. Manche argumentieren, dass sich ein Umzug nach Madrid für diesen Lohn ökonomisch nicht rechnet. Die detaillierte Aufschlüsselung zeigt eine überraschende Differenz.
Angesichts dieser Realität behaupten einige Unternehmer, das Problem sei nicht das Gehalt, sondern mangelnde Berufung oder Notwendigkeit. „In Madrid lebt man frei und hat beschlossen, nicht zu arbeiten“, lautet eine häufig zitierte Haltung. Andere entgegnen, diese Freiheit bestehe im Wesentlichen darin, die Miete nicht zahlen zu können. Die Spannung zwischen beiden Sichtweisen prägt die gesamte Debatte.
Das Profil des Bewerbers, der nie auftaucht
Der beschriebene Auswahlprozess verlangt keinen Ingenieur. Gesucht werden Erfahrung, Verfügbarkeit und Motivation zum sofortigen Start. Von 80 bis 100 täglichen Bewerbungen passen nur vier oder fünf. Von den zehn wöchentlich Ausgewählten hebt die Hälfte nicht ab. Vier erscheinen zum Gespräch. Die Schlussfolgerung: Der Arbeitsmarkt in der Gastronomie ist auf beiden Seiten gestört.
Manche geben dem Unternehmer selbst die Schuld: Wenn aus 320 wöchentlichen Anfragen nur vier Kontakte zustande kommen und niemand eingestellt wird, liegt das Problem vielleicht bei der Vorauswahl. Häufige Kritik: Man sucht erfahrene Fachkräfte, um sie minimal zu bezahlen und auszubeuten. Die Gegenposition verteidigt, dass die Konditionen so sind, wie sie sind, und das Geschäft keine höheren Löhne zulässt.
Wohnraum als Hintergrundproblem
Das Wohnungsproblem taucht in fast allen Erklärungen auf. Wer in Madrid als Kellner arbeiten will, muss dort leben. Und Leben in Madrid bedeutet heute, eine WG zu teilen oder mehr als das Einkommen für Wohnen auszugeben. Eine südamerikanische Pflegekraft, die Jahre in Spanien arbeitete, zog schließlich nach Schottland, weil ein gastronomischer Arbeitgeber aus Alicante ihren Aussagen zufolge alle Versprechen brach. Sie ist nun verheiratet und hat Kinder. Dies ist eine persönliche Geschichte, aber es gibt viele ähnliche Fälle.
Das Ergebnis ist eine Paradoxie: Während die Madrider Gastronomie keine Kellner findet, wandern qualifizierte junge Spanier nach Irland, Deutschland oder Belgien aus. Zuwanderer sehen Spanien oft nur als Durchgangsstation zur Erlangung der Staatsbürgerschaft vor dem Wechsel auf einen anderen Markt. Die Kosten-Nutzen-Rechnung spricht gegen Madrid.
Das Bar-Modell, das nicht funktioniert
In Schottland, berichten dortige Arbeitnehmer, gibt es in Pubs keinen Tischservice. Kunden merken sich ihre Tischnummer, gehen zur Theke, bestellen und bezahlen. Sie holen ihr Bier, und später bringt ein Servicekraft Essen und Besteck. Dieses Verfahren spart zwei Stellen pro Tisch. In Spanien gilt weiterhin das Gegenteil: Vollservice, Rechnung am Tisch und geringe Trinkgelder. Eine Systemänderung würde weniger Kellner benötigen, aber auch bedeuten, dass Bars nicht mehr so aussehen wie gewohnt.
Eine Alternative wäre, Preise zu erhöhen, besser zu zahlen und akzeptieren, dass Kunden die Kosten tragen. Andere glauben, die Branche werde sich faktisch anpassen müssen: weniger Lokale, mehr Selbstbedienung und weniger Arbeitsplätze. Niemand hat die Lösung.
Mit diesen Zahlen ist der Mangel an Kellnern in Madrid kein Problem der Faulheit oder fehlender Kandidaten. Es ist ein Problem relativer Preise. Ein Kellner verdient 1.000 Euro, ein Zimmer kostet 500. Solange diese Bilanz nicht stimmt, werden weiterhin Berge von Bewerbungen eingehen, während die Interviewtermine leer bleiben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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