Madrid sucht 40.000 Kellner, die kaum zwei Monate bleiben

Madrid sucht 40.000 Kellner, doch wenige bleiben länger als zwei Monate: Die Gehälter in der Gastronomie decken nicht einmal ein 600-Euro-Zimmer.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Madrid sucht 40.000 Kellner, die kaum zwei Monate bleiben
Es fehlen 40.000 Kellner in Madrid und das Gehalt deckt kein Zimmer

Madrid braucht 40.000 Kellner und findet sie nicht. Die Branche stellt dies als nationale Rekrutierungskrise dar, doch der entscheidende Widerspruch steckt bereits in der Meldung selbst: Nur sehr wenige halten es länger als zwei Monate aus. Die Zahl wurde in einer Nachricht von Antena 3 Noticias über den Personalmangel in der spanischen Gastronomie verbreitet. Innerhalb weniger Stunden wandelte sich das Thema von einer Unternehmensbeschwerde zu einer konkreten Kostenfrage: der Mietpreis.

Denn das Problem ist nicht, dass Hände fehlen. Es sind zu viele Arbeitsstunden und zu wenig Geld.

Wie viel zahlt die Gastronomie in Madrid?

Die im Laufe dieser Debatte angesammelten Zahlen sind erschütternd deutlich. Ein Angebot von 1.200 Euro für sechzig Wochenstunden entspricht fünf Euro pro Stunde. Ein anderes Angebot für zwölf Stunden täglich, Montag bis Sonntag, für glatte tausend Euro – wobei nur zwei Stunden vertraglich festgehalten werden, um Ansprüche auf Arbeitslosengeld zu vermeiden – wirkt, als wäre es von jemandem verfasst worden, der seinen zukünftigen Mitarbeiter hasst.

Der Kontrast zur Vergangenheit schmerzt am meisten. Manche erinnern sich daran, im Jahr 2001 12 Euro pro Stunde verdient zu haben, ohne vorherige Erfahrung, und 18 Euro im Jahr 2005, mit Fachwissen. Im Jahr 2007 lehnte dieselbe Person ein Angebot von 15 Euro ab und ging. Würde man diese Beträge auf heutige Preise umrechnen, müsste ein Kellner von 2005 heute fast 2.500 Euro monatlich verdienen, nur um gleichauf zu sein.

Ein weiteres Beispiel kursiert in den Analysen: Ein Einstellungsverfahren mit 800 Bewerbern, 80 Vorausgewählten und 40 finalen Stellen bei einem Gehalt von 17.000 Euro Bruttojahresgehalt. Vierzig Plätze, achthundert Menschen. Man sollte diese Zahlen zweimal lesen, bevor man weiter über einen Mangel spricht.

Warum hält niemand länger als zwei Monate durch?

Vorab eine unbequeme Antwort: Weil das Gehalt genauso schnell wieder ausgegeben wird, wie es hereinkommt. Ein Zimmer in Madrid kostet selten unter 500 oder 600 Euro, wenn überhaupt, und eine Wohnung beginnt bei 1.000 Euro. Das häufigste Szenario ist die Wohngemeinschaft, und das ist kein Zufall.

Das Studio mit 25 Quadratmetern ist zur Maßeinheit der prekären Lage in Madrid geworden. So weit, dass ein Kommentar das Ganze als Kellerloch mit einem Badezimmer aus dem Jahr 1947 beschreibt. Der Begriff „Studio“, so heißt es, habe seine Bedeutung so stark verändert, dass er nun etwas anderes bedeutet.

Nehmen wir eine vierköpfige Familie mit einem einzigen Einkommen von 1.200 oder 1.300 Euro: Wohnen 800, Essen 500, Strom, Wasser und Gas weitere 50. Dann ist der Monat schon vor Benzin, Kleidung oder Zahnarztbesuchen ruiniert. Die Schlussfolgerung, die in allen Diskussionen wiederkehrt, lautet: Wer nach Madrid zieht, um Cocktails zu servieren, bezahlt dafür, arbeiten zu dürfen. Und wer bereits eine bezahlte Wohnung hat, spielt in einer anderen Liga.

Gibt es zu viele Bars oder fehlen anständige Löhne?

Hier spaltet sich die Analyse in zwei Lager. Eine Strömung behauptet, der Markt funktioniere nicht falsch; es gebe einfach zu viel Gastronomieangebot. Wenn die Bar an der Ecke keine Belegschaft finanzieren kann, soll sie schließen – dahinter steht eine liberale Idee ohne Schnörkel. Die klassische Antwort auf diese These ist vernichtend in ihrer Einfachheit: Es fehlen nicht Kellner, es fehlen 40.000 anständige Gehälter; sobald diese existieren, kommen auch die Kellner.

In der Mitte steht der kleine Gastronom, gefangen zwischen geringen Margen und harter Konkurrenz. Gegenüber großen Ketten wurden Verdächtigungen wegen irregulärer Abrechnungen geäußert, jedoch ohne weitere Belege als die Aussage desjenigen, der sie erhebt. Daher sollte man dies als das nehmen, was es ist: eine ungeprüfte Anschuldigung.

Die Rolle der Migration bei der Lohnungleichheit

Ein Teil der Analyse sieht den massiven Zuzug von Arbeitnehmern als Mechanismus, der die Konditionen gedrückt hat. Argumentiert wird, dass Gastronomen bei mehr Bewerbern pro Stelle filtern können und die Verhandlungsmacht der Kellner schwindet. Eine andere Strömung entgegnet, dass das Problem älter und strukturell sei: Ein Wirtschaftsmodell, das auf Tourismus und Bauindustrie ausgerichtet ist, ohne Industrie, die qualifizierte Arbeitskräfte aufnimmt, und mit Wohnraum als Flaschenhals.

Tatsächlich koexistieren beide Lesarten in denselben immer enger werdenden Grenzen, und keine erklärt allein, warum die offizielle Arbeitslosigkeit drei Millionen übersteigt, während in einer einzigen Region vierzigtausend offene Stellen gemeldet werden.

Die Rechnung, die niemand machen will

Die detaillierte Aufschlüsselung des Familienbudgets zeigt eine Differenz, die selbst Skeptiker überrascht. Es ist keine Frage der Einstellung oder des Fleißes: Es ist reine Arithmetik.

Mit diesen Zahlen ist der ideale Kandidat, um in Madrid Cocktails zu servieren, jemand, der nicht schlafen muss, oder jemand, dessen halbes Gehalt reicht, nachdem die Miete bezahlt ist. Falls so jemand auftaucht, bitte Bescheid geben. Es warten vierzigtausend Stellen auf ihn, und eine ganze Branche fragt sich erneut, warum niemand arbeiten will.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (280 Antworten).

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