Luftschutzsirenen in Deutschland: Übung oder Kriegswarnung?

Dreimal ertönten in Deutschland Luftschutzsirenen während einer geplanten Übung, während russisches Fernsehen vier Länder als Ziele nannte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Luftschutzsirenen in Deutschland: Übung oder Kriegswarnung?
Luftschutzsirenen in Deutschland: Routineübung oder Generalprobe für den Krieg?

Dreimal in einer Stunde. Diese Zahl rahmt die Szene: Eine Luftangriffssirene heulte dreimal in Deutschland auf, während ein internationaler Fernfahrer sich im Land befand, und unmittelbar danach begannen seine Mobiltelefone, Warnmeldungen zu senden. Der Text dieser Meldungen räumte alle Zweifel aus – es handelte sich um eine Übung –, aber der Schreck saß bereits tief. Die Luftschutzalarme sind in Deutschland wieder ertönt, ohne dass jemand einen Krieg erklärt hat, und genau hier beginnt das Problem: Es ist unklar, ob dies Zivilschutz ist oder eine Generalprobe.

Der Fahrer war erst kurz auf der internationalen Route unterwegs, begleitet von einem Kollegen mit mehr Kilometern auf dem Buckel. Die Reaktion des Veteranen war fast ein Achselzucken: In den Niederlanden machen sie das schon seit seiner Kindheit. Und das ist keine bloße Vermutung. Die niederländischen Tests folgen einem festen Kalender, am ersten Montag jedes Monats und mit zwei jährlichen Warnungen auf dem Handy. Für Neuankömmlinge ist der erste Mal erschreckend; für langjährige Bewohner ist es wie das Müllauto.

Sind Sirenenübungen in Deutschland und den Niederlanden normal?

Ja, und darin liegt die Paradoxie. Das System aus Sirenen und mobilen Warnungen wurde nicht für einen konkreten Notfall eingerichtet: Es bleibt betriebsbereit, gerade weil geprüft werden muss, dass es funktioniert. Im deutschen Fall wies die Handy-Warnung darauf hin, dass es sich um eine Übung handelt, und im niederländischen Fall sind die Termine so vorhersehbar, dass sie zum Klangbild gehören.

Der Mechanismus hat seine Logik. Eine Sirene, die nie heult, ist eine Sirene, deren Bedeutung niemand kennt, und eine Handy-Warnung, die noch niemand gesehen hat, löst sofort Anrufe bei den Notdiensten aus, sobald sie erscheint. Daher die Beharrlichkeit bei terminierten Übungen, wobei die Warnung, dass es eine Übung ist, direkt in die Nachricht integriert wird. Wenn das Umfeld so ist, wie es ist, ist nicht die Übung das Problem: Es ist der Kontext, in dem sie stattfindet.

Manche berichten, dass die erste Sirene in Amsterdam sie wie gelähmt habe, andere behaupten, man habe sie zeitweise abgeschaltet, um ukrainische Flüchtlinge nicht zu traumatisieren. Dieser Punkt kursiert als Behauptung, ohne offizielle Bestätigung. Gegen die These vom unnützen Lärm erinnern manche daran, dass Sirenenübungen in Europa älter sind als der Zweite Weltkrieg und damit auch älter als die NATO.

Russisches Fernsehen und die vier Länder im Visier

Das Hintergrundrauschen kam von etwas anderem. Mitten in der Nachwehe der Übung zirkulierte ein Tweet von El HuffPost, wonach das russische Staatsfernsehen vier europäische Länder nennt, die mit Atomwaffen angegriffen werden könnten. Die Antworten der Teilnehmer stimmten fast wortwörtlich überein: Frankreich, Deutschland, Polen und Großbritannien.

Dass eine TV-Sendung diese Liste sendet, macht sie nicht zum Plan, aber sie schürt den Angstmarkt. Und dieser Markt hat seinen Preis: Verteidigungsausgaben, Bunker, Schrott, der als Sicherheitsausgabe verkauft wird. Auf dieser Liste bauten sich zudem die üblichen Verschwörungstheorien auf: Dass die USA, Israel und Großbritannien dahinterstecken; dass die NATO eine expansiv agierende Organisation sei, die Ressourcen plündert, statt zu verteidigen. All das kursiert als Meinung, ohne anderen Beweis als die Namensübereinstimmung auf einem Bildschirm.

Wie viel ist Zivilschutz und wie viel Angstkampagne?

Hier scheiden sich die Geister. Ein Teil argumentiert, dass diese Warnungen technische Routine seien und wer sie mit einem bevorstehenden Angriff verwechsle, habe nie in Mitteleuropa gelebt. Der andere Teil liest dasselbe andersherum: Der Alarm wäre für den Krieg das, was die Maske für die Pandemie war, eine Methode, Maßnahmen akzeptabel zu machen, die sonst untragbar wären. Dazwischen fordern manche direkt, die Finanzierung der Ukraine einzustellen, damit der Konflikt erstickt, und andere antworten, dass solche Eile nach der Fabel vom Hirtenjungen riecht, der Wolf ruft: So oft vor Nicht-Geschehenem warnen, dass sich am Tag des Geschehens niemand rührt. Manche sehen im Alarm auch die perfekte Ausrede für neue Steuerlasten.

Die gegenseitigen Vorwürfe wurden härter: Anschuldigungen der Feigheit, weil man nicht im Donbas kämpft, und Antworten, die die Ankläger auffordern, selbst hinzugehen. Die Temperatur steigt, die Fakten sinken.

Bunker, Flaktürme und die neue Normalität

Kriegsbilder vermischten sich mit Beton. Tauchten die Flaktürme des Zweiten Weltkriegs auf – von denen ein Teilnehmer behauptet, viele stünden noch in Deutschland – und die Idee, dass jemand ihnen ihre Funktion zurückgeben könnte. Einer scherzte darüber, einen Bagger zu nehmen und einen Atombunker im Garten zu bauen, falls die Sirenen wieder loslegen. Ein anderer ließ fallen, dass alle Luftschutzalarme ausgelöst würden, weil ein Teenager mit einer 100-Euro-Drohne über einen Hauseingang fliegt. Und einige bekämpften ihre Sorge, indem sie eine Reise nach Berlin absagten und offen von einer neuen Normalität sprachen.

Für Reisende ist die Frage banaler: Was, wenn es mich trifft? Jemand mit einer geplanten Schwedenreise und Camping an der Grenze zwischen Norwegen und Russland fasste die Stimmung besser zusammen als jede Analyse: Ihm lief es kalt den Rücken runter.

Mit angekündigten Übungen, Handy-Warnungen und staatlichem Fernsehen, das Zielnamen sendet, ist die Linie zwischen Vorbereitung und Panik immer dünner. Wie viele Warnungen braucht es noch, bis die Routine nicht mehr wie Routine aussieht?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (109 Antworten).

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