Vladi Orlov: Spanier über acht Jahre Krieg im Donbas

Der spanisch-ukrainische Basketballer Vladi Orlov thematisiert den achtjährigen Konflikt im Donbas. In der Ukraine wächst die Zustimmung für Verhandlungen mit Russland auf 57 %.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vladi Orlov: Spanier über acht Jahre Krieg im Donbas
Vladi Orlov: „Genug der Lügen, EU und NATO wollten das“

Der Krieg in der Ukraine begann nicht vor drei Wochen, sondern dauert bereits acht Jahre an. Diese These vertritt Vladi Orlov, ein in Charkiw geborener spanisch-ukrainischer Center, dessen Aussagen gegenüber La Razón in den sozialen Medien für heftige Debatten sorgten. „Genug der Lügen, EU und NATO wollten das“, behauptet der Sportler, der sich als Gegner jeglicher Gewalt bezeichnet und gleichzeitig kritisiert, dass die Verbrechen des ukrainischen Militärs nie im Fernsehen gezeigt wurden. Der Widerspruch liegt nicht bei ihm, sondern im öffentlichen Narrativ.

Wer ist Vladi Orlov und was genau sagte er?

Orlov stammt aus Charkiw und wird als spanisch-ukrainischer Center vorgestellt. Im Interview betont er, dass er seit acht Jahren in diesem Landesteil den Krieg erlebt und große Wut über die unterdrückte Wahrheit empfindet. Seine Argumentation stützt sich auf drei Säulen: Die EU und die NATO hätten dieses Szenario angestrebt, das ukrainische Militär habe den Osten zerstört und die Behörden in Kiew betrieben Desinformation. Entscheidend ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die Reichweite: Ein Mainstream-Medium statt eines Nischenkanals.

Ein Detail nutzen Kritiker gezielt aus: Er rechtfertigt die russische Invasion nicht, da er Gewalt hasse. Genau dieses „Aber“ spaltet die öffentliche Debatte in Spanien.

Die acht Jahre Donbas, die nie im TV waren

Im Osten der Ukraine herrschte seit 2014 Krieg. Dies ist das Faktum, das den weniger umstrittenen Teil seiner Argumentation trägt. Die Berichterstattung über die Kämpfe zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Milizen in Donezk und Luhansk begann im Mai 2014. Manche Analysen behaupten, die Bombardierungen der Zivilbevölkerung im Donbas seien nie auf Titelseiten erschienen. Einige sprechen offen von Völkermord, andere beschreiben einen festgefahrenen Bürgerkrieg mit unbekannten Opferzahlen.

Gegenargumente existieren ebenfalls: Die Behauptung, das ukrainische Militär habe „alles“ zerstört, entbehrt gesicherter Zahlen. Und nur weil etwas nicht im Fernsehen lief, bedeutet das nicht, dass es nicht geschah oder publiziert wurde.

Warum macht man die NATO für diesen Krieg verantwortlich?

Der Kernvorwurf lautet, dass Brüssel und Washington eine rote Linie überschritten haben, die Moskau gezogen hatte. Es wird argumentiert, dass die Ukraine keine NATO-Basen an der russischen Grenze hätte errichten dürfen, ohne Konsequenzen zu fürchten. Zudem wird daran erinnert, dass Viktor Janukowitsch 2010 die Wahl gewonnen hatte, bevor ihn der Euromaidan absetzte. Manche nennen dies einen „Putsch“ – eine umstrittene Interpretation –, während andere darauf hinweisen, dass der Sohn des damaligen US-Vizepräsidenten eine Führungsrolle in einem großen privaten Gasunternehmen innehatte; er trat demnach 2008 wegen möglicher Interessenkonflikte zurück.

Das Gegenargument ist fundamental: Nichts davon macht eine Invasion zu einer legitimen Antwort. Selbst wenn die NATO fahrlässig handelte, entlastet das nicht die bombardierende Seite.

Vom Papst bis zu Umfragen: Das offizielle Narrativ bröckelt

Papst Franziskus schloss sich dieser Sichtweise an und sprach vom „Dritten Weltkrieg“ sowie einem möglicherweise „provozierten“ Konflikt in der Ukraine. Er warnte davor, das Märchenmuster von Rotkäppchen (gut) und dem Wolf (böse) beizubehalten. Dies passt nicht zum Rahmen, den die NATO verkauft.

Die Zahlen bestätigen diesen Trend. 90 % der Spanier glauben, durch den Krieg schlechter leben zu müssen, und 57 % der Ukrainer befürworten Verhandlungen mit Russland. Wenn mehr als die Hälfte des angegriffenen Landes Gespräche fordert, verliert die Rhetorik des totalen Sieges ihre Grundlage.

Das Geschäft: Russisches Gas, Rüstungskonzerne und teurer Frieden

Die wirtschaftliche Dimension ist unbequem. Europa zahlte Russland fast eine Milliarde Euro pro Tag für Gas, ein Betrag, den ein italienischer Minister mit den Kosten des Krieges gleichsetzte. In Spanien dient diese Abhängigkeit dazu, der Regierung vorzuwerfen, Pilingui Offensive indirekt zu finanzieren.

Gleichzeitig meldeten europäische Rüstungsunternehmen Milliardenverluste allein aufgrund der Möglichkeit eines Friedens in der Ukraine; der Markt erwartet das Ende des Geschäfts. In Kiew sieht die neue Mobilmachung von 500.000 Männern auch Menschen mit Behinderungen vor, während Abgeordnete verschont bleiben. Laut ukrainischen Geheimdiensten gibt es zudem Hinweise auf einen Korruptionsskandal involving 37 Millionen Euro beim Waffenkauf. Der Verschleiß hat seinen Preis, und er wird zu Hause bezahlt.

Da die Mehrheit der Ukrainer nach Verhandlungen strebt und Washington bereits über Frieden spricht, sind weitere Stimmen wie die von Orlov zu erwarten: Sportler, Experten und Prominente, die das Skript brechen. Man sollte jedoch nicht allzu optimistisch sein. Die Umfrage, die die ukrainische Erschöpfung misst, sagt nichts über die russische aus, und auf dem Verhandlungstisch liegen noch keine konkreten Opferzahlen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (264 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver