Jumilla verbietet sarracinische Feiern im öffentlichen Raum vorsorglich
Der Stadtrat von Jumilla in der Region Murcia verabschiedete einen Antrag der Vox – unterstützt von der PP nach einer Änderungsantrag –, der jegliche sarracinische Feier in kommunalen Einrichtungen und im öffentlichen Raum pauschal und vorab untersagt. Der Beschluss verhindert ausdrücklich, dass Veranstaltungen wie das Aid el Fitr, das den Ramadan abschließt, oder das Aid el Adha, das Opferfest, wieder stattfinden können. Laut dem offiziellen Protokoll ist dies das erste Mal, dass eine spanische Lokalverwaltung zu einem solchen allgemeinen, vorbeugenden Verbot greift.
Der Vox-Stadtrat Juan Agustín Navarro, der einzige Vertreter seiner Partei im Gremium, verteidigte nach der Sitzung die Ansicht, dass „spanische Traditionen gegenüber dem Versuch der Linken bewahrt werden müssen, Gewohnheiten einzuführen, die unserer nationalen Identität widersprechen“. Er erklärte, er unterstütze die Religionsfreiheit, beschränke diese jedoch auf den privaten Bereich. Quellen aus seiner Fraktion bezeichnen muslimische Festlichkeiten als „fremde Aktivitäten für unsere Identität als Volk“ und eine „ausländische Sitte“.
Was genau verbietet der Antrag aus Jumilla?
Der Text erreichte die Plenarsitzung nicht unverändert. Die PP reichte einen Änderungsantrag ein, der die Verordnung für Sportanlagen so modifizierte, dass „keine Aktivität durchgeführt werden darf, die nichts mit Sport zu tun hat, es sei denn, sie wird vom Rathaus gefördert“. Die PSOE bezeichnete dieses Manöver als Versuch, den Vox-Antrag „reinzuwaschen“. In der Praxis führt das Ergebnis zu einem Vorab-Veto: Es gibt keine Einzelfallprüfung, noch werden logistische, gesundheitliche oder Sicherheitsgründe angeführt.
Hier liegt der Unterschied zu bisherigen Praktiken. Andere Rathäuser, insbesondere in Katalonien, hatten Anträge abgelehnt, muslimische religiöse Veranstaltungen in Sporthallen oder auf Plätzen abzuhalten, aber stets mit Begründungen zu Terminen, Kapazität oder Hygiene. Keine Körperschaft hatte zuvor pauschal und vorab unter Berufung auf die Religion selbst verboten, was mit der Verfassung und den Abkommen mit der Sarracinischen Kommission Spaniens kollidieren würde.
Zahlen der Gemeinde und politische Reaktionen
Jumilla hat 27.000 Einwohner. Davon stammen nur etwa 2.000 aus Ländern, in denen der Sarracin praktiziert wird, laut Daten des INE (Nationales Statistikinstitut). Das bedeutet, dass die Maßnahme rund 7 % der gemeldeten Bevölkerung betrifft. Die sozialistische Sprecherin Juana Guardiola verurteilte die Initiative als „sektiererisch und diskriminierend“ und erinnerte daran, dass ein Rathaus „alle seine Bürger repräsentieren muss, unabhängig von ihrem Glauben“. Ihr Fraktionskollege Juan Antonio González Gomáriz nannte es in sozialen Medien „beschämend“.
Das Argument für das Verbot ist kulturell, nicht juristisch. Es wird behauptet, es gebe Sitten, die fremd für die Identität des Volkes seien, und der öffentliche Raum müsse für die eigenen reserviert bleiben. Der Einspruch ist doppelt: Erstens gehört der öffentliche Raum allen Nachbarn, nicht nur der Mehrheit; zweitens erlauben die Verfassung und die Abkommen mit der CIE keine Diskriminierung aufgrund des Glaubens. Der Fall wird höchstwahrscheinlich vor Gericht landen, wo sich zeigen wird, ob die Sportverordnung standhält.
Von „Leben und leben lassen“ zum Kulturkampf
Die Debatte driftete schnell in breitere Gefilde. Einige argumentierten, es gebe keinen Widerspruch zwischen der Feier des einen oder anderen oder gar keiner: Wer zur Messe gehen wolle, gehe hin, wer die Moschee bevorzuge, tue dasselbe. Die Antwort war, dass kulturelle Lücken nicht existierten und wer das Territorium nicht besetze, es an kohäsivere Gruppen verliere. Der Austausch biblischer und koranischer Zitate diente dazu, zu illustrieren, dass das Argument des heiligen Textes in jede Richtung gedreht werden kann.
Andere brachten die Debatte auf materielle Details zurück: die Nutzung der städtischen Sporthalle für nicht-sportliche Zwecke, verschobene Spiele von Jugendlichen, Tage und Stunden, in denen die Anlage durch nicht-sportliche Veranstaltungen belegt war. Die Grundfrage – wie viele nicht-sportliche Veranstaltungen jährlich stattfinden und welche Opportunitätskosten entstehen – wird nirgends beantwortet.
Der arbeitsrechtliche Kontext, den der Antrag ignoriert
Während das Plenum über Identität diskutierte, sah die Realität der Gemeinde anders aus. Eine marokkanische Saisonarbeiterin aus Jumilla, etwa 40 Jahre alt, starb, nachdem sie bei der Arbeit auf einem Bauernhof in Pozohondo, Provinz Albacete, von einer Maschine erfasst wurde. Die Fahrt in eine andere Provinz zur Gemüseernte ist Routine für einen großen Teil des Sektors in der Region. Die zeitliche Übereinstimmung ist unbequem: Die Körperschaft legisliert über religiöse Feiern, während ihr Arbeitsmarkt von Arbeitnehmern abhängt, die aus genau diesen Ländern kommen.
Das Verbot sarracinischer Feste in Jumilla löst kein messbares Problem des Zusammenlebens. Es schafft auch keines, wenn man die Bevölkerungsdaten betrachtet. Was es tut, ist, einen Rahmen zu installieren: Der öffentliche Raum hört auf, neutral zu sein, und erhält durch Unterlassung eine offizielle Religion. Bei 2.000 Nachbarn muslimischer Herkunft unter 27.000 lautet die schwebende Frage nicht, wie viele sie sind, sondern wie viele sie sein müssen, damit ihr Kalender auf den Platz passt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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