PP-Deal mit CGPJ sorgt für Wut bei Anhängern

Die Vereinbarung zwischen PP und PSOE zur Erneuerung des spanischen Justizrates wird von Kritikern als Verrat an den konservativen Wählern gewertet.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

PP-Deal mit CGPJ sorgt für Wut bei Anhängern
PP-Deal mit CGPJ sorgt für Wut bei Anhängern

Eine Zahl fasst den Ärger zusammen: Über 2.000 Tage Blockade des Allgemeinen Rats der Justiz (Consejo General del Poder Judicial, CGPJ), die nun in einer Aufteilung der Richterposten endeten, die laut der verbreitetsten Lesart unter konservativen Wählern die Kontrolle über das Oberste Gericht an die Regierung übergibt. Die Vereinbarung zwischen der Partido Popular (PP) und der sozialistischen PSOE zur Erneuerung des Richtergremiums – von Kritikern als zehn Sitze pro Partei und Freigabe von über zwanzig offenen Stellen am Obersten Gericht beschrieben – hat beim rechten Lager wie ein kalter Schauer gewirkt. Die dominante Reaktion ist nicht die Zufriedenheit politischer Gegner, sondern das Gefühl der eigenen Wähler, betrogen worden zu sein.

Was vereinbart wurde und warum es als Kapitulation gilt

Die vorgeschlagene Aufteilung ist rein rechnerisch: zehn Mitglieder für jede Partei und die Besetzung offener Stellen am hohen Gericht. Auf dem Papier wirkt dies ausgewogen. In der Praxis lautet die häufigste Kritik, dass die Stichentscheidung beim Präsidenten des Gremiums liegt, der vom jeweiligen Regierungschef benannt wird. „Auch wenn die Sitze hälftig geteilt werden, entscheidet die Stimme des Präsidenten bei Stimmengleichheit“, fasst eine der meistzitierten Einwände zusammen. Mit diesem Argument werde die symmetrische Aufteilung faktisch zur vollen Kontrolle.

Der zeitliche Ablauf ärgert besonders. Dies ist kein isolierter Deal: Er folgt auf die bereits 2022 abgeschlossene Erneuerung des Verfassungsgerichts, als die damalige Führung unter Pablo Casado und Teodoro García Egea die Ernennung der Richter ermöglichten, so die Kritiker. Diese Schritte hätten bereits Früchte getragen, etwa durch die Aufhebung von Verurteilungen. Das gezeichnete Muster sei eine fortlaufende Nachgiebigkeit, kein einmaliger Fehler.

Die These der „gleichen Herren“

Die Erklärung, die in der Debatte an Gewicht gewinnt, ist nicht Betrug, sondern Choreografie. „PSOE und PP dienen denselben Herren“, argumentiert eine Strömung, die in jeder institutionellen Krise einen Tausch von Sammelkarten zwischen zwei Marken desselben Konzerns sieht. Unter dieser Perspektive wäre die öffentliche Spannung zwischen den Parteien notwendiges Theater, damit jede Wählerschaft glaubt, ihre Stimme verteidige etwas anderes, während Hintergrundabkommen – Erneuerungen, territoriale Pakte, Finanzierung – mit denselben Partnern geschlossen werden: der PNV und Junts.

Die Schlussfolgerung ist bitter für rechtsgerichtete Wähler: Wenn die PP am Ende dasselbe akzeptiert wie die PSOE, reduziert sich der Unterschied zwischen beiden auf die Ästhetik der Erzählung. „Das ist alles Theater, um das Geld der Spanier unter sich aufzuteilen“, fasst ein Kommentar zusammen, der direkt auf das Narrativmanagement als Werkzeug abzielt, die eigene Basis nicht abzuschrecken.

Der Tag danach: Bolaños und die unverbindliche Vereinbarung

Den letzten Schlag versetzten die nachfolgenden Aussagen. Der Minister für die Präsidentschaft Félix Bolaños erklärte, das mit der PP Vereinbarte sei „nicht bindend“ und verteidigte sein eigenes Wahlmodell. Für Wähler, die den Deal gerade als kleineres Übel geschluckt hatten, bestätigte dieser Satz den Verdacht: Eine Seite unterschrieb etwas, das die andere bereits als wertlos betrachtete. „Das konnte man ja nicht wissen“, spotteten die schärfsten Kritiker.

Von dort verlagert sich der Fokus auf die Umsetzung. Wer erzwingt die Einhaltung? Dieser Zweifel hängt über dem Ende der Debatte, ohne dass jemand Antwort gibt. Das Misstrauen richtet sich nicht mehr nur gegen Gegner, sondern gegen die Fähigkeit jeglicher Vereinbarung, den Tag ihrer Unterzeichnung zu überleben.

Die vorhergesagte Wahlniederlage

Die häufigste Vorhersage ist wahlpolitisch: Die PP würde die nächsten Wahlen verlieren und die Schuld VOX, Alvise oder jedem anderen geben, nur nicht sich selbst. Allerdings wird das Gedächtnis der Wähler als kurz angenommen. „Bis zu den nächsten Wahlen habt ihr dieses Thema vergessen und lasst euch wieder von irgendeinem Feijóo-, Ayuso- oder Pelelismus verführen“, warnt eine Stimme, die selektive Amnesie als Hauptvorteil des Systems bezeichnet.

Dagegen gewinnt Stimmenthaltung an Boden. „Ich wähle weder leer noch ungültig. Irgendetwas zu wählen ist dumm“, fasst eine Haltung zusammen, die nicht mehr marginal ist. Wer noch an nützliche Stimmen glaubt, erhält sofortige Gegenargumente: „Du wirst am Ende die Ratte Feijóo wählen, denn ein einzelner Neuron kann eben nur so viel leisten.“

Entschädigungen, um die niemand gebeten hat

Mitten im institutionellen Brandherd fällt ein Detail auf: Laut einem Forennutzer plant die PP Entschädigungen für Frauen, die nicht zum Militärdienst verpflichtet wurden, wegen Diskriminierung gegenüber Männern. Als unbeabsichtigte Parodie gelesen, schließt dieser Vorschlag den Kreis einer Partei, der vorgeworfen wird, alles zu bewahren, was die PSOE genehmigt. „Männer müssen Feijóo dankbar sein, Männer gewesen zu sein“, ironisiert ein Kommentar, der die Verwirrung zusammenfasst.

Die offene Frage bleibt: Wenn die Vereinbarung nicht bindend ist, wenn Stichentscheidungen bei der Exekutive liegen und wenn Wähler vor der nächsten Wahl vergessen, was verhindert dann, dass sich dies in zwei Jahren wiederholt?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (114 Antworten).

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