IWF warnt vor KI-Blase

Der IWF erwartet 2026 ein globales Wachstum von 3,1 %, warnt aber, dass ein Einbruch der KI-Investitionen das Welt-BIP bis 2028 um 1,1 % schmälern würde. Wir erklären, warum.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Internationale Währungsfonds hat davor gewarnt, dass die Weltwirtschaft zu stark vom Schub der Investitionen in künstliche Intelligenz abhängt und dass ein abruptes Ende dieser Ausgaben das globale BIP bis 2028 um 1,1 % drücken würde. Die Institution hält ihre Wachstumsprognose für 2026 bei 3,1 % – allerdings unter der Annahme, dass sich die Straße von Hormus vor März wieder öffnet.

Die IWF-Chefin, **Kristalina Georgieva**, brachte es auf ein Bild, das jeder versteht: „Wir haben jetzt eine Wirtschaft, die auf einem Bein steht, dem KI-Bein." Der Satz, gefallen bei einer Veranstaltung des Bretton Woods Committee, ist keine rhetorische Zierde. Er ist die zentrale Schlussfolgerung des aktuellen World Economic Outlook, vorgestellt in **Bangkok** während der Jahrestagungen von IWF und Weltbank.

Der Fonds rechnet damit, dass die Weltwirtschaft **2026 um 3,1 %** wächst, ein Zehntelprozentpunkt mehr als im Juli prognostiziert, und **2027 um 3,4 %**. Grund für die Aufwärtskorrektur: Die Investitionen in KI-Infrastruktur bleiben stark und kompensieren vorerst die Verteuerung des Erdöls durch den Krieg im Nahen Osten. Übersetzt: Was die Konjunktur trägt, ist nicht der Konsum der Haushalte oder die traditionelle Industrie, sondern das Geld, das in Rechenzentren, Chips und Sprachmodelle verbuddelt wird.

## Ein Szenario, das an der Straße von Hormus hängt

Die IWF-Prognosen für 2027 sind keine feste Vorhersage, sondern eine bedingte Wette. Die Institution geht davon aus, dass sich die Straße von Hormus vor März wieder öffnet und die Bedingungen für den Schiffsverkehr bis Oktober 2027 zum Stand vor dem Krieg zurückkehren. Geschieht das nicht und der Konflikt dauert an, ändert sich das Bild.

Der Fonds beziffert das ungünstige Szenario selbst: Dauert der Krieg an und bleibt das Öl im ersten Quartal 2027 über **130 Dollar**, wird das Wachstum im Folgejahr um einen halben Prozentpunkt gekürzt. Das ist keine Katastrophe, aber es ist der Unterschied zwischen Wachstum und faktischem Stillstand in mehreren Volkswirtschaften.

Hier liegt die erste Falle. Die Prognosen, die als Schlagzeilen erscheinen, enthalten eine Bedingung, die fast niemand liest: dass sich die Geopolitik beneidet. Und die Geopolitik beneidet sich zuletzt nicht.

## Der Tag, an dem die KI aufhört, sich zu lohnen

Die zweite Falle ist häuslicher und betrifft direkt den Geldbeutel jedes Menschen, dessen Altersvorsorge am S&P 500 hängt. Der IWF warnt in seinem Global Financial Stability Report, dass ein Einbruch der KI-Investitionen einen abrupten Verfall der Vermögenspreise auslösen könnte. Im härtesten Szenario würde das globale BIP **bis 2028 um 1,1 %** schrumpfen, die Produktion der USA um **1,8 %**.

**Jason Wu**, stellvertretender Direktor der Abteilung für Analyse globaler Märkte des IWF, erklärte den Mechanismus bei einer Pressekonferenz: Entstünden Zweifel an der Monetarisierung der KI, verlören Aktieninvestitionen an Wert, Schulden ließen sich kaum noch bedienen und zugesagte künftige Einnahmen blieben aus. Das Problem sei also nicht, dass KI eine Mode sei, sondern dass die aktuellen Bewertungen davon ausgehen, dass diese Mode bald echte Gewinne abwirft.

**Athanasios Vamvakidis**, stellvertretender Direktor der Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte, ergänzte, eine solche Korrektur würde über den Vermögenseffekt in die Realwirtschaft durchschlagen: weniger Portfoliowert, weniger Konsum, weniger Nachfrage. Und die IWF-Chefökonomin **Silvana Tenreyro** lieferte das handelspolitische i-Tüpfelchen: Der Handel mit KI-bezogenen Gütern wuchs **zwischen 2023 und 2025 um 29 %**, mehr als dreimal so stark wie die **8,3 %** des Welthandels im selben Zeitraum. Ohne diesen Handel wäre der Welthandel nur um **4,6 %** gewachsen.

## Auch die Staatsschulden drücken

Die andere Baustelle, die der IWF in Bangkok anprangerte, sind die Staatsschulden. Hohe Verschuldung und steigende Anleiherenditen, die durch die kriegsbedingte Inflation noch weiter steigen könnten, fressen die Zinsbudgets auf und bremsen das Wachstum.

Georgieva warnte vor der Selbstzufriedenheit „systemisch wichtiger" Industrieländer, die mit ihrer Haushaltslage „nachlässig" umgehen. Der IWF lobte Großbritannien als einzige große Industrienation, die klare Pläne zum Abbau der Staatsschulden in den kommenden Jahren schriftlich festgelegt hat, bat aber, kurz bevor die neue britische Regierung ihre Haushaltspläne vorstellt, nicht vom Kurs abzuweichen.

**Taiwo Oyedele**, Finanzminister Nigerias und Vorsitzender der Gruppe der 24 Entwicklungsländer, wies darauf hin, dass die Schuldenanfälligkeiten vieler Schwellenländer eine „wichtige Hürde" für inklusives Wachstum seien. Nach seinen Schätzungen zahlen Entwicklungsländer **500 Milliarden Dollar** mehr für ihre Schulden als Industrieländer, während sie mit wachsenden Defiziten kämpfen.

**Josh Lipsky**, Vizepräsident für internationale Wirtschaft des Atlantic Council, sagte es ohne Umschweife: Frankreich, Deutschland und die USA bräuchten eine Konsolidierung der Staatsfinanzen, steuerten aber in die entgegengesetzte Richtung. „Ich fürchte, es braucht eine Art Krise, um aufzuwachen und zu begreifen, dass genau das zu tun ist."

Der IWF erwähnte auch Cybersicherheitsrisiken im Zusammenhang mit KI. Die Bankenaufseher verstärken ihre Anstrengungen: Laut Reuters befragen die wichtigsten US-Aufsichtsbehörden die Banken zu ihrem Einsatz fortschrittlicher KI-Modelle, während die Europäer darauf drängen, dass diese ihre Sanierungspläne stärken.

Selbst das schlechteste Szenario eines Einbruchs der KI-Investitionen würde die Welt nicht in eine Rezession stürzen, so **Petya Koeva Brooks**, stellvertretende Forschungsdirektorin des IWF, in einem Reuters-Interview. Dennoch drängt die Institution darauf, dass die Regierungen unpopuläre Maßnahmen ergreifen, um ihre Haushalte in den Griff zu bekommen. Niemand scheint zuzuhören. Dies ist keine Anlageberatung: Wer Geld an der Börse hat, sollte mit einem Profi sprechen, bevor er etwas bewegt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (1 Antworten).

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