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Maricarmen, „La Lechera“: Alte Miete in Madrid – 154 Euro
Maricarmen, bekannt als „La Lechera“, zahlt in Madrid nur 154 Euro Miete und löst damit die Debatte über Altverträge aus, während freie Marktpreise das Bild bestimmen.
La Lechera: 154 Euro Miete und das alte Gesetz, das das erlaubt
Eine Dreizimmerwohnung in einem Viertel, das vor einem halben Jahrhundert ein Arbeitervorort von Madrid war. Bewohnt wird sie von einer alten Frau, die 154 Euro im Monat plus Nebenkosten zahlt. Man nennt sie „La Lechera“, weil ihre Familie früher eine Milchhandlung hatte – und Maricarmen ist unfreiwillig zur Hauptfigur eines Rechtsstreits geworden, der es bis ins Fernsehen geschafft hat: die Altvermietung (renta antigua).
Was zunächst wie eine Nachbarschaftsanekdote klang, war seit Monaten zu einer Diskussion über etwas Größeres geworden: Wer hat das Recht, wo, zu welchem Preis und wie lange zu wohnen? Und vor allem: Wer zahlt die Differenz?
Was ist die renta antigua – und warum gibt es Mieten von 154 Euro?
Der Begriff renta antigua umfasst die Mietverträge, die unter dem franquistischen Mietrecht abgeschlossen und über Jahrzehnte hinweg verlängert wurden. Viele waren bis 2007 geschützt, als die Übergangsregelung auslief und die Mieter in eine prekäre Lage rutschten: Die Nutzung läuft weiter, die Miete bleibt eingefroren, aber ohne den Schutz eines aktuellen Vertrags. Genau diese Lücke öffnet dem Fall von Maricarmen Tür und Tor.
Ab da wird die Rechnung unbequem. Eine Miete von 154 Euro gegenüber Marktpreisen, die in derselben Gegend in die Tausende gehen. Die einen argumentieren, der Vertrag sei ein erworbenes Recht und eine Kündigung würde eine alte Frau auf die Straße werfen. Auf der Gegenseite hält man dagegen, dass eine über Jahrzehnte eingefrorene Miete eine stille Vermögensübertragung vom Eigentümer an den Mieter darstellt, über die niemand je abgestimmt hat.
Vom Großvater mit dem Kartonkoffer zum begehrten Gebäude
Die Geschichte des Hauses erklärt einen Teil des Konflikts. Nach der Version, die kursiert, kaufte ein Vorfahre das Gebäude, der mit einem Kartonkoffer und einem Schuhgeschäft nach Madrid kam. Damals war das kein Nobelviertel, sondern ein Arbeiterviertel am Stadtrand, jenseits der Doctor-Esquerdo-Straße, als auf der anderen Seite noch Felder lagen.
Der Aufwertung des Grundstücks tat den Rest. Was billig gekauft wurde, stieg im Wert, das Viertel bekam neue Bewohner, und das Haus wandelte sich von einem bescheidenen Erbe zu einem begehrlichen Vermögenswert. Die Spannung zwischen dem, der drin wohnt, und dem, der Rendite will, ist vorprogrammiert.
Die Erzählung der Nachbarn: zwischen Konflikt und Diffamierung
Der Fall kam ins Fernsehen mit Aussagen von Nachbarn, die die Frau als problematisch und undankbar schildern. Für einen Teil des Publikums war diese Erzählung der Beweis, dass das Problem nicht die Miete, sondern die Person sei. Für die anderen der klassische Sarracena: Eine lästige Mieterin wird vor die Tür gesetzt und ihr Charakter als Rechtfertigung herangezogen.
In diesem Zusammenhang kursiert eine Zahl, die man mit Vorsicht genießen sollte: Die Comunidad de Madrid habe rund 90 Wochenstunden an Pflegeleistungen bezahlt. Die Zahl wirkt überzogen und ist nicht belegt – jede Schlussfolgerung, die sich darauf stützt, fällt in sich zusammen.
Unterdessen in Cancelar
Nur wenige Tage später verschob sich der Fokus auf einen Fall mit umgekehrter Vorzeichen. In Cancelar wurde eine Familie mit drei Kindern und einem Bruder mit einer Behinderung von über 80 % zwangsgeräumt, nachdem sie rund 1.000 Euro im Monat verdiente und 700 von 1.200 Euro Miete zahlte. Hier gab es weder renta antigua noch einen geschützten Vertrag: nur die reine Lücke zwischen Einkommen und Preis.
Stellt man die beiden Fälle nebeneinander, ergibt sich ein unbequemes Bild. Dem einen wird vorgeworfen, zu lange zu wenig gezahlt zu haben. Dem anderen, dass er nicht zahlen kann, was heute verlangt wird. Der Unterschied ist das Jahr, in dem jeder seinen Vertrag unterschrieben hat.
Die Zahl, die alles in Frage stellt
Laut einem Forumsnutzer erschienen an einem einzigen Tag 4.000 Mietwohnungen auf Idealista. Das Angebot existiert. Was für einen Teil der Bevölkerung nicht existiert, ist der Preis, zu dem es angeboten wird. Und während darüber gestritten wird, ob eine alte Frau weiter 154 Euro zahlen sollte, bleibt die eigentliche Frage unbeantwortet: Wenn der Markt regiert – wer schützt diejenigen, die zu spät kommen?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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