64 Tote bei Hochgeschwindigkeitszug-Unglück in Spanien: Debatte über Instandhaltung

64 Tote bei dem Hochgeschwindigkeitszug-Unglück in Urda, Spanien. Menschliches Versagen und die Instandhaltung eines riesigen Netzes lösen die Debatte über das spanische Bahnmodell neu aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

64 Tote bei Hochgeschwindigkeitszug-Unglück in Spanien: Debatte über Instandhaltung
64 Tote im Hochgeschwindigkeitszug: das Land, das sich mehr vorgenommen hat, als es leisten kann

Das Zugunglück von Urda (Toledo) hat 64 bestätigte Tote und Dutzende Schwerverletzte gefordert. Die Untersuchung deutet auf menschliches Versagen eines Mitarbeiters von Adif (dem spanischen Bahninfrastrukturbetreiber) hin, der auf eine frühere Störung des Hauptsignalsystems reagierte. Doch hinter dem Drama steht eine unbequeme Frage: Kann Spanien das größte Hochgeschwindigkeitsnetz Europas mit den Mitteln unterhalten, die es dafür aufwendet?

Die These der Analyse lautet: Das Land hat mit europäischen Geldern Infrastruktur eines reichen Landes gebaut und hat jetzt kein Geld, um sie zu unterhalten. Die Debatte über das spanische Bahnmodell ist nicht mehr theoretisch.

Schotterbett, Betonfahrbahn und die zu spät kommende Instandhaltung

Spanien baute massenhaft auf Schotterbett statt auf Betonfahrbahn. Schotterbett ist billiger zu bauen, erfordert aber danach weitaus mehr Instandhaltung: Die Vibration bei jeder Zugdurchfahrt verformt den verdichteten kantigen Schotter und mindert seine Verdichtung. Die anfangs teurere Betonfahrbahn braucht weniger Unterhalt. Hier habe, so die vorherrschende Analyse, immer das politische Interesse, dass der Hochgeschwindigkeitszug früher kommt, Vorrang vor der langfristigen Sicherheit gehabt.

Dazu kommt die Liberalisierung des Personenverkehrs. Jetzt fahren drei Unternehmen —Renfe, Iryo und Ouigo— statt einem. Mehr Verbindungen, mehr Verschleiß des Netzes. Und die Nutzungsdichte passt nicht dazu: Nach einer Berechnung, die in der Debatte kursiert, verzeichnet Spanien 58 Zugfahrten pro Kilometer und Tag, gegenüber 96 in Frankreich und 250 in Italien, dem europäischen Spitzenreiter. Das größte Netz Europas, aber unterausgelastet.

Warum versagte das Sicherheitssystem des Hochgeschwindigkeitszugs?

Nach Angaben eines Beteiligten stammt das Sicherheitssystem aus den 80er Jahren und wurde nicht auf das modernere ERTMS umgerüstet. Als es ausfiel, musste auf menschliche Koordination umgestellt werden. Dort trat das menschliche Versagen ein, nach dem technischen. Die Regierung verweist auf einen Fehler eines Adif-Mitarbeiters, der auf eine frühere Störung des Hauptsignalsystems reagierte. Die Untersuchung läuft weiter.

Die Frage, die im Raum steht: Verhindern die Instandhaltungskosten eines kolossalen Netzes sicherere Kontrollsysteme sowie mehr und besser qualifiziertes Personal? Die Instandhaltungskosten bleiben ein Grundproblem, auch wenn sie laut der laufenden Untersuchung nicht das Hauptproblem sind.

Vergabe zum Niedrigstpreis und die Qualität der Instandhaltung

Einen Vertrag, von dem Menschenleben abhängen, zum Niedrigstpreis zu vergeben, sollte nicht geschehen. Die Instandhaltung wird zum niedrigsten Preis ausgeschrieben, und die Firmen senken die Qualität, um etwas zu verdienen. Kürzlich gab es einen Konflikt beim Straßenerhalt, weil sich die Firmen gegen die Vergabe zum Niedrigstpreis wehrten. Feste Budgets und die Vergabe an den technisch besten Bieter wären das alternative Modell.

Manche halten dagegen, dass das Problem nicht nur das Geld ist, sondern die systemische Korruption: Mehr Infrastruktur bedeutet mehr Schmiergelder. Mehr Flughäfen, Universitäten, Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken, Bahnhöfe. Es entspricht keinem Bedarf, sondern der Auftragsvergabe. Politiker, die beruflich unfähig sind, führen dank der Korruption ein Luxusleben. Sie blüht auf allen Ebenen, von den Häfen bis zu den Subventionen.

Einwanderung und der Kollaps der öffentlichen Dienste

Ein Teil der Analyse vertritt die Auffassung, dass die massenhafte Einwanderung den Druck auf die Infrastruktur verschärft hat. Es wird argumentiert, Spanien sollte 35 Millionen Einwohner haben, habe aber 50, und das könne niemand verkraften: Infrastruktur, Gesundheitswesen, Bildung, Bürokratie und Sicherheit seien kollabiert. Dies ist eine zugeschriebene Meinung, kein bewiesener Fakt. Eine andere Richtung stellt fest, dass das Land verarmt ist und die Verfallserscheinungen überall ankommen: extrem teurer Wohnraum, Gesundheitswesen mit privater Versicherung, unerfüllte Pünktlichkeitszusagen der Bahn.

Die europäischen Gelder und die unbeantwortete Frage

Die EU stellte 2023 111 Millionen für die Erneuerung der Infrastruktur bereit. Brüssel forderte nach dem Unglück von Spanien Erklärungen zu den in die Strecke Madrid-Sevilla investierten europäischen Mitteln und hat noch immer keine Antwort. Die EU erhöht die Hilfen für Spanien, das Italien als meistunterstütztes Land überholen wird. Der Staat nimmt historisch so viel Steuern ein wie nie, doch die Instandhaltung bleibt der vergessene Etatposten.

Das Unglück von Urda hinterlässt 64 Tote und ein Netz, das mit fremdem Geld gebaut und mit Ausschreibungen an den Billigstanbieter unterhalten wurde. Die Untersuchung wird zeigen, ob das menschliche Versagen vermeidbar war. Die eigentliche Frage —ob sich dieses Land die Infrastruktur leisten kann, die es hat— bleibt unbeantwortet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (144 Antworten).

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