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Iustitia Europa: Von der Anfechtung der 9J-Wahl zur Klage gegen die spanische Regierung
Iustitia Europa legte Widerspruch gegen die Europawahl ein, erstattete gegen Minister Strafanzeige und will sich in Verfahren wie denen um Begoña Gómez oder Plus Ultra anschließen. Robe oder Stimmen?
Iustitia Europa: Von der Auszählung am 9J zur Klage gegen die Regierung
Im Juni 2024 erschien eine Partei ohne Sitze vor den Provinzwahlkommissionen und forderte eine vollständige Auszählung. Sie beklagte, dass ihr das Filmen verboten wurde, dass Stimmen gelöscht wurden und dass die Zentrale Wahlkommission (Junta Electoral Central) sie ignorierte. Zwei Jahre später hat Iustitia Europa die Gerichte zu ihrem Parlamentssitz gemacht: Sie legte gegen die Europawahl Widerspruch vor dem Obersten Gericht ein, erstattete gegen Minister und gegen den Vox-Chef Strafanzeige und will sich nun in Verfahren wie dem um Begoña Gómez oder Plus Ultra anschließen. Die Frage ist, ob all die juristischen Schritte Stimmen bringen oder nur Schlagzeilen.
Am 9. Juni 2024 trat Iustitia Europa zur Europawahl an und erhielt nach eigener Zählung 27.407 Stimmen. Nach der vollständigen Auszählung sank diese Zahl auf 26.611. Die Partei sprach von einem "räuberischen Überfall" und "entwendeten" Stimmen in Wahlkommissionen, in denen sie keine Beisitzer hatte. Sie legte rund zehn Einsprüche in Tarragona, Palma, Cádiz, Sevilla, Huelva, Córdoba, Murcia, Málaga, Tenerife, Almería und Madrid ein. Alle wurden abgewiesen. Der nächste Schritt war ein Wahlanfechtungsverfahren vor dem Obersten Gericht mit sechs Nichtigkeitsgründen, darunter das Verbot, die Auszählung zu filmen, und die Ernennung von Pilar Teso zur Vizepräsidentin der Zentralen Wahlkommission.
Von der Europawahl zum Verfassungsgericht: die Strategie mit der Robe
Die Partei von Luis María Pardo blieb nicht bei der Auszählung. Parallel dazu schloss sich Iustitia Europa als Nebenklägerin (acusación popular) in dem Verfahren zum Zugunglück von Adamuz (Córdoba) an, bei dem mehr als vierzig Menschen starben, und reichte beim Obersten Gericht eine Klage gegen den gesamten Ministerrat wegen der Plus Ultra-Rettung ein, 53 Millionen Euro, genehmigt im März 2021. Zudem zeigte sie bei der Staatsanwaltschaft mögliche Druckausübung in diesem Fall an, nach Berichten der UDEF (Polizeieinheit für Finanzdelikte), in denen Äußerungen wie "die Chefin der Staatsanwälte ist eine Freundin" oder "das muss gestoppt werden" dokumentiert waren.
Der stetige Strom von Gerichtsaktionen zeichnet das Profil einer Partei, die von Klagen lebt. Anzeige gegen Santiago Abascal wegen angeblichen Verrats an Spanien; Anzeige gegen Gesundheitsministerin Mónica García wegen Beleidigung und Hass; Anzeige gegen Pedro Sánchez. Und Beitritte zu Korruptionsverfahren: Begoña Gómez, der Pegasus-Fall. Die Finanzierung dieser Nebenklagen stammt nach Angaben der Partei selbst aus Beiträgen ihrer Mitglieder und Sympathisanten.
Das Auslandswählerverzeichnis und das Enkelgesetz: eine weitere Front
Das vorletzte Kapitel betraf das Wählerverzeichnis für im Ausland lebende Spanier (CERA). Iustitia Europa zeigte Masseneintragungen über das Enkelgesetz (ein spanisches Gesetz, das den Enkeln spanischer Auswanderer die Staatsbürgerschaft ermöglicht) an und verlangte zu wissen, welcher Provinz jeder neue Wähler zugeordnet wurde. Das Oberste Gericht ließ die vorsorglichen Maßnahmen zu bestimmten Eintragungen für die Wahlen am 29N bestehen und warf dem Staat vor, die Einhaltung nicht belegt zu haben. Die Partei bat das Verfassungsgericht, den Eilantrag des Bürgerbeauftragten zu stoppen, und forderte Fristen von 24 Stunden unter Androhung von Zwangsgeldern. Die Sache ist weiterhin offen: Das Oberste Gericht hat die Zentrale Wahlkommission und die Staatsanwaltschaft des Staates aufgefordert, innerhalb von 48 Stunden Stellung zu nehmen.
Wer steht hinter Luis María Pardo?
Der Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten ist ein ungewöhnliches Profil. Ehemaliger Marineoffizier, zwölf Jahre lang ehemalige Guardia Civil, Taxifahrer in Italien und Anwalt mit Abschluss an der UNED (Spaniens Fernuniversität). Er studierte während der Nachtschichten im Taxi und erhielt die Höchstnote im Völkerrecht. Er spricht Englisch und Italienisch. Seine Biografie ist zu einem Wahlkampfasset für all jene geworden, die den Berufspolitikern misstrauen.
Die Skepsis: Auch UPyD gewann vor Gericht
Nicht alle kaufen die Erzählung. Der Vergleich mit UPyD liegt schnell nahe: Die Partei von Rosa Díez gab Millionen vor Gericht aus, gewann Korruptionsfälle und verschwand, als eine jüngere, medienprächtigere Partei ihr den Raum wegnahm. Die Frage ist, ob Iustitia Europa die Prozessfreudigkeit in eine Wahlkampfstruktur umwandeln kann oder ob sie eine Interessengruppe mit Parteinamen bleibt. Umfragen gibt es nicht; Unterschriften schon. Die Partei musste in Madrid Unterstützungsunterschriften sammeln, um bei den Parlamentswahlen am 29N antreten zu können.
Das Programm: individuelle Freiheit und die Agenda 2030
Zu der im Debattenverlauf offengelegten Ideologie gehören die Ablehnung der Agenda 2030, supranationaler Organisationen und der verpflichtenden digitalen Identität. Iustitia Europa kündigte rechtliche Schritte gegen die verpflichtende Altersverifizierung für Prono an und verglich sie mit dem Elbichito-Zertifikat. Zudem brachte sie eine privat veranstaltete Gala mit öffentlichen Geldern vor Gericht, an der Verwaltungen von PP, VOX und PSOE beteiligt waren. Und sie zeigte die Migrationskrise in Ceuta bei der Audiencia Nacional, dem Internationalen Strafgerichtshof und der EU an; nach ihren Daten kamen dort mehr als 70.000 Menschen binnen zwei Tagen über die Grenze.
Der genaue Punkt, an dem die Analyse stockt
Die Strategie von Iustitia Europa hat einen Preis und eine Grenze. Der Preis ist die Langsamkeit: Wahl Einsprüche werden in Wochen entschieden, aber Klagen gegen Amtsträger mit besonderem Rechtsschutz können Jahre dauern. Die Grenze ist die Fähigkeit, mit Urteilen Stimmen zu mobilisieren. Bislang hat das Oberste Gericht die Beschwerde über die Auszählung der Europawahl zur Bearbeitung zugelassen, und auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat eine Beschwerde angenommen. Das sind Verfahrenserfolge. Keine Mandate. Und währenddessen läuft der Wahlkalender weiter.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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