März 2014: Spekulanten in Hochstimmung, der Ibex im Niemandsland
Ein Privatanleger gab zu, bei Bankia nachgekauft zu haben, bis sein Durchschnittspreis bei 1,51 Euro lag, Gebühren inklusive. An diesem Tag stieg die Aktie um 5 %, während der Ibex bei 10.150 schloss. In der ersten Märzwoche 2014 durchlief der spanische Aktienmarkt eine Phase, in der der Leitindex stagnierte, während kleine Unternehmen wild schwankten. Das Thema des Monats – aggressive Small-Caps gegen den träge Hauptindex – fasste die Stimmung zusammen: üppige Liquidität, eine schrittweise Reduzierung der Stimuli durch die US-Notenbank (Fed) und eine Legion mittelgroßer Werte, die ohne klare Erklärung steil anstiegen.
Es war ein Monat mit zwei Geschwindigkeiten. Der Ibex pendelte wochenlang um die Marke von 10.000 Punkten, ohne nach oben oder unten auszubrechen. Gleichzeitig legten einige Small-Caps dreistellige Kursgewinne hin. Die zentrale Frage lautete wie immer: Ist das Erholung oder nur eine Blase unter neuem Namen?
Der amerikanische Hype: Von Plug Power über Ballard bis FuelCell
Das Spektakel fand nicht in Madrid statt, sondern im US-Sektor für Brennstoffzellen und Wasserstoff, wo Plug Power, Ballard und FuelCell steil anstiegen. Ballard legte in einer einzigen Sitzung 32 % zu, bei einem Volumen, das bereits am Vortag extrem hoch gewesen war. FuelCell gewann 29 %, ZBB ähnlich viel. BioFuel Energy stieg an einem Tag um 115 %. Und über allem thronte Plug Power, das innerhalb eines Jahres fast 3.000 % Wertzuwachs verzeichnete und die Marke von 11 Dollar erreichte.
Dieses Phänomen verwirrte viele Anleger. Die optimistische These sprach von einer reifenden Branche: Vereinbarungen von Ballard mit Toyota, General Motors und Flurförderzeug-Herstellern, eine bevorstehende chinesische Nachfrage und der Sogeffekt von Tesla. Die skeptische Sicht deutete auf Altbekanntes hin: viel Liquidität, wenige Assets mit guter Story und eine Masse an Investoren, die alles kaufen, was steigt. „Es ging senkrecht nach oben“, fasste einer zusammen, unfähig, eine Obergrenze zu benennen. Ein anderer warnte vor dem Trugschluss, stets am Ende einer Ära zu stehen. Wenn sich ein Wert binnen eines Jahres verdreißigfacht hat, spricht nichts dagegen, dass er sich noch einmal verdoppelt.
Die Parallele zu früheren Trends wie 3D-Druck half, das Phänomen einzuordnen: Branchen mit starken Narrativen ziehen Kapital an, lange bevor Gewinne diese rechtfertigen. Die Frage, die den ganzen Monat über schwebte: Wer hält die Preise stabil, wenn es keine Käufer mehr gibt, sobald der Zyklus dreht?
Gowex, Carbures und Natra: Spaniens Spekulationswerte
In Spanien nannte man das Phänomen „chicharros“ (Spekulationswerte). Gowex stieg um mehr als 10 %, Carbures übernahm das Ruder, wenn die erste Aktie pausierte, Natra erholte sich nach Wochen der Verluste und Codere notierte bei 0,84 Euro. Eurona, Deoleo oder Urbas tauchten je nach Marktstimmung in den Depots auf und verschwanden wieder. Das Handelsvolumen bei Prisa weckte Misstrauen: „Man sagt, Volumen lässt sich nicht fälschen, also was ist hier los?“
Das Nebeneinander von Index und diesen Werten führte zu verschiedenen Theorien. Manche sahen in den Tech-Small-Caps – Gowex strebte angeblich in den Ibex – die neue Geldgrenze; andere erinnerten daran, dass die Verlustwahrscheinlichkeit bei solchen Papieren hoch ist, besonders wenn der Markt ruht und Profis ahnungslose Kleinanleger ausnehmen. Ob es eine Überzeugung oder Lotterie war, hing oft davon ab, wie lange man schon dabei ist.
Telefónica, Maduro und der DAX: Geopolitik drängt aufs Parkett
Der Monat begann mit einer unbequemen Schlagzeile: Maduro kündigte die Verstaatlichung von Telefónica in Venezuela an. Die spanische Telekom folgte jedoch weiter nach oben, was Spekulationen darüber auslöste, wie viel Ankündigung Lärm und wie viel Realität war. Parallel fiel der deutsche DAX stark, und der Eurostoxx 50 drohte, eine technische Lücke bei 3.085 Punkten zu schließen. Hier schien sich der spanische Leitindex daran gewöhnt zu haben, zu steigen und schlechte Vorzeichen zu ignorieren.
Die russisch-ukrainische Spannung überschattete den ganzen Monat, mit Blick auf mögliche regionale Konflikte. Der Terminverfall von Derivaten am Freitag war wie immer Pflichttermin für Kurzfrist-Trader. „Der Verfall kann den Ibex hoch treiben, aber es gibt auch Gründe für Fallendes“, fasste ein aktiver Händler zusammen, der sich im Eurostoxx short positioniert hatte, vorsichtshalber.
IPOs kehren zurück und quantitative Methoden boomen
Bei heißen Märkten kehrten Börsengänge (IPOs) auf den Kalender zurück. Ono hielt an seinem Plan fest, ab dem 13. März an die Börse zu gehen – trotz fehlender fester Offerte von Vodafone. „Haltet eure Liquidität bereit, die IPOs starten“, warnte einer. Ein anderer zweifelte: „Wenn sie so laufen wie bei Bankia…“
Unterdessen wandte sich die Diskussion im unteren Marktsegment der Methodik zu. Lange debattiert wurde über Joel Greenblatts Magic Formula Investing, ein quantitatives System, das Werte nach ROA, ROE und Gewinn-Kurs-Verhältnis filtert. Daraus entstand ein Gespräch über Twinvest und die GAD-Methode, zwei Sparpläne, die renditeorientiertes Investieren ohne große Schwankungen versprechen. Die hitzigste Debatte betraf jedoch nicht die Formeln, sondern die Gebühren: Viele dieser Pläne scheitern allein daran, dass Kauf und Verkauf von Aktien teuer sind. US-Broker verlangten etwa einen Dollar pro Order; in Spanien lagen die Tarife der traditionellen Banken oft bei 30 Euro pro Kauf und weiteren 30 Euro pro Verkauf. „Eine Berechnung ohne Gebühren ist Schummelei“, urteilte einer.
Técnicas Reunidas: Aufsichtsrat erhöht Bezüge 31-fach stärker als Mitarbeiter
Nicht alles war Euphorie. Mitte des Monats sorgte eine Nachricht für Aufsehen in der Corporate Governance: Der Aufsichtsrat von Técnicas Reunidas erhöhte seine Bezüge 31-mal stärker als die der Belegschaft. Diese Zahl nährte Sorgen vor Arbeitskonflikten und damit verbundenem Risiko für den Aktienkurs. Solche Geschichten werden in euphorischen Märkten ignoriert, in nervösen zum Verkaufsgrund.
Im Hintergrund lief eine breitere Debatte über die spanische Erholung. Entgegen der offiziellen Darstellung berichtete ein Teilnehmer vom Schließen seines Bekleidungsgeschäfts nach 30.000 Euro Verlust in zwei Jahren. Ein anderer unterschied zwei Realitäten: Binnennachfrage und KMU stagnierten, während Tourismus und Export Jobs und frisches Geld brachten. Als Beispiel diente der galizische Agrarexport – Milchprodukte, Fleisch, Wein – und die Anekdote einer Landbäckerei in Portomarín am Jakobsweg, die Empanadas nach Australien schickte.
Die Fed dreht den Hahn zu und das Finanzamt schaut auf Dividenden
Der Hintergrund des Rallys hieß Stimulus. Der Ankaufskalender der Fed (POMO) sank stetig: von 45 Milliarden im Dezember auf 40 im Januar, 35 im Februar, 34 im März und geplante 30 im April. Monat für Monat weniger Steroide für die Maschine. „Bei diesem Tempo brauchen wir Kohle, um sie am Laufen zu halten“, schrieb einer.
In Madrid drohte die Steuerreform, kleinen Anlegern ins Geld zu greifen. Der sogenannte „Rat der Weisen“ schlug vor, die Befreiung der ersten 1.500 Euro an Dividendenerträgen zu streichen – kritisiert, weil dies Privatanleger trifft, die auf regelmäßige Einkünfte angewiesen sind, nicht institutionelle Investoren. Diese Warnung schwebte über den Depots der Dividendenjäger.
31. März: Doji, Fehlschuss und Niemandsland
Der Monat endete mit einem Handelstag zum Quartalsabschluss. Der Ibex bildete ein Doji-Muster – nahezu identischer Eröffnungs- und Schlusskurs, reine Unentschlossenheit –, und jemand fasste die Sitzung mit „Was für ein Reinfall beim Churribez“ zusammen. Die Ziele blieben auf dem Tisch: Einige sprachen von mindestens 11.000 Punkten vor Mai; Vorsichtige insistierten, erst die Lücke bei 9.450 zu schließen. Unterdessen stieg die Bankbranche, Popular zeigte auffälliges Volumen und Gowex atmete nach wochenlangem Höhenflug auf.
Eine Transaktion fasste den Ton des Monats zusammen: Corporación Financiera Alba, die Holding der Banca March, verkaufte 1,306 % von ACS zu 28,515 Euro pro Aktie und realisierte einen Bruttogewinn von 46,2 Millionen Euro. Während der Markt diskutierte, ob dies Erholung oder der letzte große Hype war, kassierte bereits jemand ab.
Damit blieb die Debatte offen: Der Ibex im Niemandsland, zwischen Crash und Höchststand. Niemand wusste, wohin die Reise geht. Klar war nur: Im März 2014, mit strafferer Geldpolitik der Fed und fliegenden Small-Caps, war der spanische Aktienmarkt zwei Märkte zugleich.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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