Ibex 35 im August 2012: Spaniens Börse schließt drei Stunden

Am 6. August 2012 pausierte die spanische Börse mitten in der Krise für drei Stunden. Der Ibex 35, das Verbot von Leerverkäufen und Bankia prägten den Handel.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Ibex unterbricht am 6. August 2012 den Handel für drei Stunden

Um 10:09 Uhr morgens am 6. August 2012 stoppte die spanische Börse den Handel. Es waren keine Minuten: Die Unterbrechung dauerte über drei Stunden, ein Versuch zur Wiederaufnahme gegen Mittag scheiterte, und es gab keine offizielle Erklärung außer einem knappen „technisches Problem“. Als der Parkettbildschirm erlosch, stieg der Ibex-35 um 0,25 %. Bei der Wiedereröffnung war der Index seit Monaten zum Fieberthermometer eines Landes geworden, das sich nur mit Mühe finanzieren konnte, und dieser Ausfall wurde als unbequeme Metapher gelesen: Das Herz des Marktes hatte aufgehört zu schlagen.

Es war kein gewöhnlicher Tag. Die Regierung hatte gerade Leerverkäufe verboten, um spekulative Angriffe einzudämmen, die Risikoprämie erreichte Jahreshöchststände, und halb Spanien erwartete das Wort „Rettungspaket“. All dies lässt sich in vier Wochen Diskussionen über Preise, Niveaus und Gerüchte zusammenfassen.

Verbot von Leerverkäufen und die Strafe des Marktes

Das Verbot von Leerverkäufen, präsentiert als Verteidigungsschild, wurde zum ersten Gegenstand der Spott. Die offizielle Logik besagte, dass der Börsenabfall auf spekulierende Shortseller zurückzuführen sei; die Reaktion des Marktes war jedoch ein gleicher Abfall trotz des Verbots. Wenn der Index grün eröffnete, war die Ironie unvermeidlich: Wo waren die, die das Verbot gefordert hatten?

Das technische Argument hatte Nuancen. Mit verbotenen Short-Positionen wurden inverse ETFs zum Fluchtweg für jene, die auf fallende Kurse setzen wollten, und mehrere Beobachter wiesen darauf hin, dass diese Produkte, registriert in Paris, nicht vom Verbot betroffen waren. Das Gefühl war das eines Regulierers, der den Notausgang verstopft, während das Gebäude weiter brennt.

Die technische Pause, die niemand erklärte

Die dreistündige Unterbrechung stellte die offizielle Darstellung infrage. Reuters berichtete, dass „Techniker weiterhin daran arbeiten, das Problem nach einem gescheiterten Versuch zur Wiederaufnahme des Handels gegen Mittag zu lösen“. Keine weiteren Details.

Schwarzer Humor über einen Praktikanten allein vor dem ausgefallenen Server fehlte ebenso wenig wie die Ironie über einen Index, der seine Rolle als Fieberthermometer aufgab. Manche setzten sogar einen Grabstein: „Ibex 1992-2012. Vom Index zum Penny Stock“. Für tägliche Händler war die Pause mehr als eine Anekdote: Sie entzog allen Liquidität und jenen mit offenen Positionen die Reaktionsfähigkeit.

Bankia: Von geretteter Bank zum Penny Stock

Bankia dominierte einen großen Teil des Monats. Das Institut, bereits unter staatlicher Aufsicht, wurde als „Penny Stock“ diskutiert – ein billiges Wertpapier, aus dem man kurzfristig kleine Gewinne herausholen kann – und gleichzeitig als Skandal für die Justiz. Die Ironie über Ermittlungsausschüsse „im Stil von Hispanistan“ fasste das Misstrauen gegenüber jeder Rechenschaftspflicht zusammen.

Die technische Berechnung setzte sich gegen die Sarracena durch: Da die Bank auf Abrisspreis-Niveau notierte, gaben viele zu, einzusteigen, um einige Euro herauszuholen. Die Grundfrage – wie viel des Absturzes Geschäft und wie viel Katastrophe war – blieb unbeantwortet.

Wer kauft, wenn Blut auf der Straße ist

Angesichts der Panik zeigte der Monat zwei Gesten des großen Geldes. Marc Faber kündigte an, erstmals in seinem Leben europäische Aktien gekauft zu haben, mit Fokus auf Spanien, Portugal, Italien und Frankreich, warnte aber davor, dass „die Probleme in Europa noch weit davon entfernt sind, gelöst zu werden“.

Die andere Bewegung war eher häuslich: Alicia Koplowitz stieg bei Ferrovial ein und vervielfachte ihre Investition in Iberdrola über ihre Sicav (spanischer Investmentfonds). Die Lesart war klar: Während der kleine Spekulant die Charts Minute für Minute beobachtete, sammelte geduldiges Kapital. Ein Kontrast, der im Grunde den gesamten Markt beschrieb.

Fibonacci, Niveaus und der Puls des Analysten

Ein großer Teil des Monats war ein Kampf um Kursniveaus. Die Zone 6.530-6.550 erschien als Referenz für das Fibonacci-38,2%-Niveau; 7.340 als kurzfristiges Ziel; 7.000 und 6.900 als Unterstützungen, die, wenn sie bis zum Schlusskurs hielten, das bullische Szenario am Leben erhielten. Das bevorzugte Szenario skizzierte eine explosive Bewegung: 7.340, dann 6.650, danach 6.900 und im Extremfall 5.400.

Die technischsten diskutierten das Volumen der „Großen“ mit forensischer Präzision: Jemand hatte am 24. Juli um 17:30 Uhr eine Kauforder über 5.987 Kontrakte platziert, und daraus resultierte der gesamte spätere Anstieg. Das maximale Saldo entstand am 1. August; das Minimum Wochen zuvor. Die dominante Theorie: Wenn starke Hände sich bewegen wollen, geben sie einen falschen Ruck, um die Kleinen abzuschütteln, bevor sie ihren Zug ausführen.

Der Haken der Gerüchte: Merkel und Griechenland

Abseits der Charts bewegte sich der Markt nach Schlagzeilen. Ein Gerücht, dass Merkel erwäge, den griechischen Rettungsplan zu lockern, reichte aus, um Mitte des Monats einen Aufwärtsschub auszulösen. Der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, schürte Hoffnungen auf mehr Zeit für Griechenland, während Samaras „ein bisschen Luft zum Atmen“ forderte.

Parallel wuchs die Gewissheit, dass die formale Rettung Spaniens Ende September kommen würde, und damit ein möglicher Sell-off: Wenn die EZB zweijährige Anleihen kaufte, würde die Notwendigkeit verschwinden, andere Vermögenswerte im Portfolio zu halten. Das Datum war in aller Munde. Niemand hatte Gewissheit.

Fließendes Geld: Apple und die Inflationsthese

Zum Monatsende wandte sich die Aufmerksamkeit der großen Frage zu: Warum hatte Apple seinen Marktwert innerhalb eines Monats um 100 Milliarden Dollar gesteigert? Fundamentalisten zitierten Margen von über 40 %, null Schulden und eine Cash-Position von 100 Milliarden. Skeptiker entgegneten, es handle sich lediglich um einen Zufluss von Geld.

Darunter lag eine größere These verborgen: Dass all dieses Geld letztlich in Inflation enden wird, weil „die Basis des aktuellen Geldsystems darin besteht, Inflation zu erzeugen, um die Kleinen zu bestehlen und die Großen ihre Schulden sinken zu sehen“. Manche warnten vor einem S&P 500 bei 1.800, 2.500 oder sogar 3.000 in der nächsten Blase.

Die Anekdote der Scheine mit X

Mitten im Taumel ein kurioses Detail: Ein Teilnehmer erzählte, er habe Freunde aus Korea empfangen, und alle 10-, 20- und 50-Euro-Scheine, die sie bei sich trugen, begannen mit dem Buchstaben X, dem Code für Deutschland. Den Wechsel hatten sie in Seoul vorgenommen. Die Anekdote kursierte als Erinnerung daran, dass auch Geld eine Nationalität hat und dass starke Scheine nicht immer in die erwartete Richtung reisen.

Es war August 2012. Die Börse ging für drei Stunden ohne Erklärungen offline und funktionierte dann wieder, als wäre nichts gewesen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (4021 Antworten).

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