Ibex 35: Seitwärts bei 8.800 – Banken fordern weitere Billionen vom EZB

Der Ibex 35 bewegt sich im Februar 2012 seitwärts um die 8.800 Punkte, während Banken auf eine neue Liquiditätsspritze der EZB setzen und Gamesa 12 % verliert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ibex 35: Seitwärts bei 8.800 – Banken fordern weitere Billionen vom EZB
Ibex hält bei 8.800, während Banken sich eine weitere Billion vom EZB holen

Der Ibex 35 bricht nicht ein. Und im Februar 2012, als die halbe Welt den Kollaps des Euro erwartet, ist das Durchhalten bereits eine Nachricht wert. Der spanische Index pendelt den ganzen Monat in einer engen Bandbreite zwischen 8.850 und 8.900 Punkten in einem zähen Seitwärtsgang, der alle nervös macht. Die Charts zeigen Unentschlossenheit. Die Händler sehen es anders.

Die eigentliche Nachricht steht nicht auf dem Bildschirm. Sie kommt aus Frankfurt. Die europäischen Banken bereiten sich darauf vor, von der Europäischen Zentralbank (EZB) eine weitere Liquiditätsspritze zu verlangen. Eine weitere Billion Euro. Das zweite „Freibier“ innerhalb von drei Monaten. Eine scharfe Analyse fasst es mit einem bitteren Unterton zusammen: Die Banken tun dies, „um einen noch größeren Kreditklemme zu vermeiden“. Das Problem war nie das Geld. Das Problem ist, wer für die Party zahlt.

Das „Freibier“ der EZB: Eine teure Billion

Die Zahlen sind einfach und erschreckend. Wenn alle zwei Monate 1,5 Billionen Euro angefordert werden, wird uns das „sehr teuer zu stehen kommen“, warnt ein Investor, der die Spirale leid ist. Die offizielle Logik besagt, dass die Liquidität ein Pflaster ist, ein Schmerzmittel. Die Marktlogik deutet auf etwas Unbequemer hin: Mit geliehenem Geld werden periphere Schulden attackiert, ohne einen Euro zu verlieren, und dabei verdoppeln sich die Gewinne.

Mitten in dieser Verteilung steht Griechenland. Das Land hat eine Frist der EU zur Abwicklung des Rettungspakets, und die Parteien verhandeln gegen die Uhr. Der Markt schaut unterdessen auf das, was er immer tut: den S&P 500.

Gamesa stürzt 12 % ab und entlarvt Anfänger

Der Absturz von Gamesa ist die Geschichte des Monats. Der Windkraftanlagenhersteller verliert 12 % an einem einzigen Handelstag und reißt die Marke von 3 Euro. Der Einbruch zieht Iberdrola mit sich. Und hinterlässt eine Spur von Wunden bei denen, die ihr Vertrauen – und ihren Stop-Loss – auf eine Erholung gesetzt hatten.

Eine unerfahrene Händlerin erzählt ihre Odyssee mit einem Ton, der Humor und Tragödie mischt. Sie kaufte bei 2,96, setzte einen Stop bei 2,89 und legte eine Verkaufsorder bei 3,15. Als sie reagieren wollte, hatte der Stop nicht ausgelöst: Die Order war „ohne Ausführung“, weil sie zuvor eine andere Market-Sell-Order gesendet hatte. Ergebnis: In den Marianengraben gestürzt, zusammen mit ihren Aktien. Die Lektion über Risiko, angewandt auf das eigene Portfolio, schmerzt mehr als jedes Lehrbuch.

Longs gegen Shorts: Die technische Schlacht um die 8.800

Hier sind sich alle uneinig, und genau das ist interessant. Eine Strömung behauptet, der Index sei „extrem schwach“ und werde bestenfalls die 9.150 Punkte nicht überschreiten. Andere sehen einen ausgereiften Boden, eine legitime Trendwende nach oben. Drei Monate Seitwärtsbewegung, wiederholende Niveaus haben die Stimmung der Anleger konsolidiert, und das ist laut den Skeptikern gefährlich: Ein Anstieg könnte Erschöpfung sein, nicht Hoffnung.

Die Schlacht tobt auch außerhalb Spaniens. Der S&P 500 ist seit Oktober um 30 % gestiegen, und viele sehen darin eine „riesige Schulter-Kopf-Schulter“-Formation (H-C-H), die eine Korrektur ankündigen würde. Ein Händler baut eine Short-Position im DAX ab 6.943 Punkten auf und warnt, dass die 7.000 „sehr relevant“ seien. Das Problem ist, dass der deutsche Index seit 5.400 ununterbrochen steigt. Und die Realität, so die Warnung, korrigiert nicht immer: Im Juli 2010 gab es einen Ausbruch nach oben, der die Shorties hängen ließ.

Die 'Löwen' der Futures: 700 Kontrakte spurlos verschwunden

Es gibt einen Teil des Marktes, der sich jenseits von Charts und Schlagzeilen bewegt. Es ist das Volumen der Ibex-Futures, das jemand jeden Nachmittag im Detail analysiert. An einem Tag werden 291 Kontrakte um 10:10 Uhr bei 8.860 verkauft und 704 Kontrakte um 16:30 Uhr bei 8.745. An einem anderen Tag werden 375 Kontrakte in der Auktion gekauft. Das tägliche Saldo, positiv oder negativ, antizipiert Bewegungen, die der Preis noch nicht anerkannt hat.

Der Jargon nennt sie Löwen und Tarnung. Es gibt große Offensiv-Deals, und es gibt solche, die über Algorithmen auf korrelierten Indizes verteilt werden, um keine Spuren zu hinterlassen. Ein Händler beschreibt es so: Wenn man viele Kontrakte platzieren muss, gibt es den verteilten Trade, bei dem „ein Platzierungsalgorithmus die Last zufällig verteilt“. Hinter jeder Kerze steckt eine Hand, die Versteck spielt. Was das Chartbild nicht zeigt, ist, wem diese Hand gehört.

Index oder Einzelaktie? Das Dilemma, das niemand löst

Eine Debatte durchzieht den Monat und ist nicht trivial. Den Index kaufen oder sich auf ein einzelnes Wertpapier festlegen? Die Pro-Index-Strömung hat ein vernichtendes Argument: In 50 Jahren werden „95 % der heutigen Ibex-Aktien verschwunden sein“. Es ist fahrlässig, eine Aktie zu kaufen und sie zu vergessen. Der Index selbst wählt für dich aus, tauscht Gescheiterte gegen Funktionierende aus und überlebt. Aceralia, Agromán, Aguas de Barcelona: Die Liste der illustren Leichen im spanischen Leitindex ist lang.

Die Gegenströmung repliziert, dass Indizes zwar steigen, aber „abhängig von der unternehmerischen Fähigkeit des Landes“, da Unternehmen fusionieren oder durch Nachfolger ersetzt werden. Ein einzelnes Unternehmen hat nur dann Daseinsberechtigung, wenn es profitabel ist. Die Diskussion ist die alte: Passives vs. aktives Management. Mitten drin Werte wie BME, der bei 20,035 Euro notiert und von jemandem als Schnäppchen betrachtet wird, weil er „eine Maschine ist, die Liquidität generiert und Dividenden zahlt“.

Telefónica, Endesa, BME: Die überwachten Niveaus

Die Widerstandskarte wiederholt sich bei jedem Händler. Telefónica schließt bei 13,34 Euro nach einem Tief bei 12,98, mit klarer Resistenz bei 13. Endesa kämpft mit den 16 Euro und zeigt Verkaufsschwäche bei 15,8–15,9. Iberdrola staut sich aufgrund des Short-Drucks. Einer der aktivsten Trader platziert einen Short im Ibex ab 8.900 mit Stop bei 9.050 und scheut sich nicht: Das Ziel ist der big guano.

Die pessimistischste Strömung plant eine Sequenz für den Index: Fall auf 7.600, Erholung bis 8.100, Fall auf 6.700, Pullback auf 7.700 und dann „der große Guano“. Es ist eine Vorhersage, keine Gewissheit. Dagegen spricht, dass der Markt seit dem 9. März 2009 im Bullenmodus läuft und dass, wenn man täglich Regen vorhersagt, irgendwann einmal Recht behält.

Der menschliche Faktor: Private Equity und Entlassungen

Zwischen den Charts hinterlässt der Monat Geschichten, die nicht in den Finanzmedien auftauchen. Ein Händler gesteht, dass seine Firma zum Verkauf steht und er gute Chancen hat, auf der Straße zu landen. „Wenn Sie Private-Equity-Leute vermeiden können, tun Sie es“, rät er, mit der Erfahrung dessen, der sieht, wie ein Fonds kauft, kürzt und das Personal vor die Tür setzt. Die Krise hat Namen und Adressen, auch wenn sie nicht in den Schlagzeilen stehen.

Eine andere Teilnehmerin betritt den Markt aus zwei Gründen: einer Verletzung, die sie immobilisierte, und BBVA-Aktien, die ihr verstorbener Mann hinterließ. „Jedes Mal, wenn ich eine Position eingehe, widme ich sie ihm“, schreibt sie. Eine Freundin ist überrascht: Wie kann man Börsenwissen haben? Trading unterscheidet nicht zwischen Millionären und Anfängern. Letztere lernen oft schneller.

De Guindos, Bernanke und der Drache, den niemand kontrolliert

Der Monat endet mit einer Reise über den Atlantik. Der Wirtschaftsminister Luis de Guindos trifft sich mit dem Präsidenten der Federal Reserve, Ben Bernanke. Das offizielle Foto wird sagen, man sprach über die europäische Krise. Der Markt liest daraus implizite Unterstützung für den Euro. Niemand weiß wirklich, was gesagt wurde, und das ist wahrscheinlich die Sarracena.

Unterdessen beschreibt jemand seine Position mit einer Metapher, die alles erklärt: „Der Drache heißt Barclays, sein erster Nachname ist SP, der zweite ist DAX und der Spitzname ist VIX. Alles short außer dem Spitznamen, der invers läuft.“ Kein Stop hat ausgelöst. „Ich reite auf diesem Drachen.“ Die Frage ist, ob der Drache domestiziert ist oder nur wartet.

Der Ibex beendet den Monat, ohne den Seitwärtsgang zu brechen. Niemand weiß, was kommt. Wenn der big guano auf sich warten lässt, ist das ein Zeichen dafür, dass der Markt mehr Reserven hat, als die Pessimisten sagen. Wenn er eintritt, haben die Long-Gewordenen eine Lektion gelernt, die in keinem Buch steht. Aber bei 8.800, mit dieser Liquidität dazwischen, bleiben Angst und Gier exakt gleichgewichtet.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (4975 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver