Juni 2013: Der Ibex verlor zwölf Prozent und erreichte keinen stabilen Boden
Der Ibex 35 bewegte sich in der ersten Junihälfte 2013 zwischen 8.200 und 8.600 Punkten. Diese scheinbare Ruhe überzeugte viele Marktteilnehmer davon, dass der Tiefpunkt bereits erreicht sei. Dem war nicht so. Der Index schloss den Monat mit einem Rückgang von zwölf Prozent gegenüber dem Hochstand, während private Anleger zu spät erkannten, dass sie auf der falschen Seite des Trends positioniert waren. Die Erholung der ersten Tage war eine Falle.
Die Niveaus, die am Index-Future beobachtet wurden — 8.239, 8.072, 8.035, 8.021 und 7.984 — dienten als Stufen eines Absturzes, den kaum jemand rechtzeitig interpretierte. Die Frage war nicht, ob der Markt korrigierte, sondern von welchem Niveau aus. Und die unbequeme Antwort lautete: Der Abwärtstrend begann nicht Ende des Monats, sondern schon bei 8.600.
Die Niveaus, die den Zusammenbruch markierten
Am 24. Juni wurden die Unterstützungen festgelegt, die das letzte Teilstück tragen sollten: mittelfristige Kanalunterstützung bei 7.635, Aufkaufzone zwischen 7.835 und 7.932 sowie Kanalwiderstand bei 8.289. In den folgenden Sitzungen respektierte der Future diese Referenzwerte nahezu punktgenau. Zuerst wurde die Aufkaufzone getestet; danach folgte ein Abschnitt der Kapitulation, der den Index unter 7.730 führte.
Es gab live kommunizierte Trades, sowohl beim DAX — mit einer Obergrenze bei 8.350 und einem bearishen Ziel in der Bandbreite von 7.800 bis 7.700 — als auch beim Ibex selbst. Die wiederholte Devise war einfach und brutal: Erholungen dienten dazu, Long-Positionen zu schließen, nicht zum erneuten Kauf. Das Muster wiederholte sich über Wochen und hinterließ einen Richtwert: ein theoretisches Ziel von 6.800 Punkten, falls sich das bearishe Chartbild vollständig entwickelte.
Der Trade des Monats: Gamesa fast vervierfacht
Mitten im Chaos gab es einen Trade, der zur Geschichte des Monats wurde. Die gesamte Position in Gamesa wurde zu 3,992 Euro pro Aktie liquidiert, bei einem durchschnittlichen Einkaufspreis von etwa 2,90 Euro. Das Ergebnis: Eine fast vierfache Rendite in einer einzigen Bewegung. „Heute bin ich aus dem Bus Gamesa ausgestiegen“, fasste der Trader zusammen.
Die Geste hatte ihre Lehre. Das Geld wurde nicht durch den Kauf am exakten Tiefpunkt verdient, sondern durch das Halten bis zum richtigen Ausstiegsmoment. Andere nutzten die Schwäche hingegen, um denselben Wert zu 2,83 Euro zu kaufen, überzeugt, dass noch Potenzial bestehe. Gamesa wandelte sich von einer Erholungswette zu einer Lektion darüber, wann man aussteigen sollte.
Die Theorie der Marktmanipulation
Jeder Monat mit fallenden Kursen hat seine eigene Erzählung, und der Juni 2013 bildete keine Ausnahme. Die vorherrschende These war die der Manipulation: die Idee, dass eine unsichtbare Hand die Orders kleiner Anleger jagte und sie zwang, ihre Stop-Loss-Marken zu reißen. „Die Manipulation der letzten zwei Monate war furchtbar“, hieß es. Es wurden zwei gescheiterte Erholungsversuche hintereinander registriert, während ein dritter Versuch lief, ohne sich konsolidieren zu können.
Im Gegensatz zu dieser Lesart versuchten quantitative Analysen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Unterscheidung zwischen denen, die den Preis wirklich bewegen — starke Hände und Algorithmen — und denen, die der Bewegung hinterherlaufen — erschöpfte Käufer und panische Verkäufer — strukturierte die Diskussionen. Daten zeigten wiederholte Episoden von verzweifeltem Kaufen im DAX, mit einem lehrbuchmäßigen Ausgang: Einstieg der weniger informierten Anleger, Liquiditätsabzug und anschließender Absturz.
Warum wurde diskutiert, ob der Boden erreicht war?
Gegen Monatsende drehte sich die Debatte. Es ging nicht mehr darum, ob der Markt steigt, sondern wann er aufhört zu fallen. Short-Positionen wurden im Bereich von 7.795 bis 7.725 aufgelöst, und Longs wurden bei 7.730 aufgebaut, um eine Erholung anzusteuern. Man erwartete, dass US- und europäische Indizes ihre nach unten offenen Gaps schließen würden. Und die Charts lieferten Argumente für beide Seiten: Ein klassisches Schulter-Kopf-Schulter-Muster deutete auf ein bearishes Ziel von 6.800 Punkten hin, aber die akkumulierte Überverkauftheit lud zu Gedanken an eine heftige Gegenbewegung ein.
Die häufigste Warnung blieb dieselbe: Wer den exakten Wendepunkt jagen wollte, würde teuer dafür bezahlen. Der Trend hat Vorrang, und den Drehpunkt vorherzusagen war die Falle, in die das Ego des Anlegers tappte. Dies war nicht die einzige Warnung. Die pessimistischste Lesart sah den Bereinigungsprozess des spanischen Leitindex bis ins Jahr 2016 andauern.
Die EZB öffnet die Tür für Stimulusmaßnahmen
Das makroökonomische Hintergrundrauschen wurde von der Europäischen Zentralbank erzeugt. Im Juni 2013 erklärte Mario Draghi, dass die Institution bereit sei, unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen. Die Nachricht wurde als Sauerstoffzufuhr für die Peripheriemärkte und insbesondere für den Bankensektor gewertet. Es war einer der wenigen Faktoren, der spanischen Banken Luft verschaffte, die als Schlüsselkomponente des Index galten.
Die beiden großen Banken könnten „eine wichtige positive Überraschung“ liefern, wenn sie bestimmte Niveaus halten. Das Gegenargument wog ebenfalls schwer: Bei einem möglichen Schuldenschnitt in Portugal würde die Exposure einer spanischen Bank wie Santander gegenüber diesem Land zu einem ernsthaften Risiko. Bei den am stärksten betroffenen Werten war die Diagnose härter: Für intervenierte Banken wurden weitere Kapitalanpassungen prognostiziert.
Wechselbriefe über 210 Tage: Das Kleingedruckte der Kreditwürdigkeit
Abseits der Charts verursachte die Art und Weise, wie Lieferanten in der Krise bezahlt wurden, die größte Unruhe. Die Beschreibung war vernichtend: Unternehmen, die Zahlung verlangten, wurden zwei Wege angeboten: eine Überweisung nach 90 Tagen ohne Möglichkeit, den Wechsel zu diskontieren, oder ein Wechsel über 210 oder 270 Tage, den zufälligerweise nur die Finanzgesellschaft der Gruppe zu einem über dem Marktniveau liegenden Preis diskontieren konnte.
Da Zahlungen nach 210 Tagen illegal waren, bestand die angebliche Lösung darin, dass der Lieferant ein Schreiben unterschrieb, in dem er bat, später bezahlt zu werden. Was theoretisch als freiwilliges Entgegenkommen galt, stellte sich praktisch als versteckter Zwang heraus. Das Ergebnis, so waren sich mehrere Analysen einig, war für Tausende kleiner Unternehmen dasselbe: „Hunderttausende Familien sind dem Elend ausgeliefert.“
Edgewater und die Mine, die mit fremdem Geld zahlen wollte
Ein weiteres offenes Feld betraf Kleinwerte. Edgewater Exploration landete auf dem Tisch, ein Junior-Bergbauunternehmen, dessen Kernprojekt Corcoesto in Galicien war. Die Bewertung, die die eigenen Zahlen nahelegten, war minimal, rund sieben Millionen Euro an der Börse, und die vorläufige Machbarkeitsstudie basierte auf einem Goldpreis von 1.300 Dollar. „Es scheint, als wollten sie alles mit fremdem Geld machen“, fasste eine Analyse zusammen.
Das zusätzliche Problem war umwelttechnischer Natur. Das Projekt sah eine Schlammtoxicitätsspeicheranlage vor, deren Größe im Falle eines Bruchs geschätzte Schäden von 350 Millionen Euro verursachen würde. Die Frage, die niemand fundiert beantwortete, war, wie ein Unternehmen ohne Einnahmen oder kurzfristige Prognosen, dem man zudem einen Bedarf von fünf Millionen Dollar zur Lohnzahlung zuschrieb, ein solches Risiko decken wollte.
Die Fieberkurve für Sachwerte: Bitcoin, Gold und Hedging
Während einige in den Charts den Boden suchten, rüsteten andere sich für das Schlimmste. In der Diskussion tauchten Bitcoin und Gold als sichere Häfen auf, zusammen mit dem Kauf von Puts auf den Ibex oder US-Indizes. „Man muss vorbereitet sein, wenn der Tag kommt“, fasste zusammen, wer auf Absicherung setzte. Es war kein billiger Pessimismus: Die Erinnerung an 2008 lastete weiter, und die Bewertungen einiger US-Tech-Werte nährten Misstrauen.
Der Kontrast war auffällig. Spanische Banken handelten zur Hälfte der KGV-Ratios von 2008, während große US-Tech-Konzerne auf historischen Höchstständen notierten. Diese Kluft wurde als Anomalie gelesen und, für manche, als das endgültige Argument dafür, dass Geld von Anlageklasse zu Anlageklasse sprang, in Erwartung der nächsten Korrektur.
Das Fazit: Der Boden, den man nie kommen sieht
Während der Ibex unterhalb von 8.000 Punkten agonisierte, blieb die schwebende Frage unbequem und fast unmöglich zu beantworten: Näher sich der Boden an, oder ist der Boden nur eine weitere Station im Kalender? Die gehandelten Referenzen deuteten darauf hin, dass der Bereinigungsprozess des Leitindex bis 2016 dauern könnte. Andere bereiteten jedoch bereits Munition für das Gegenteil vor.
Der Rückgang diente zumindest einem Zweck. Er machte deutlich, dass wer bei 8.600 im Seitwärtsbereich kaufte, um einen kurzen Swing zu reiten, zusehen musste, wie der Markt ihn überrollte. Die Lektion des Juni 2013 war keine technische, sondern eine der Demut. Und in solchen Märkten ist Demut das Einzige, was nicht korreliert mit Gewinn.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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