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Ibex 35 im Mai 2011: Selbst Bin Ladens Tod bewegte den Index nicht
Der Ibex 35 pendelte im Mai 2011 zwischen 10.100 und 11.200 Punkten, während Griechenland und Italien im Fokus standen. Analyse von Niveaus, HFT und den Wahlen am 22-M.
Mai 2011: Der Ibex 35, der sich nicht einmal durch Bin Ladens Tod bewegen ließ
Wie erklärt man, dass der spanische Index fest zwischen 10.100 und 11.200 Punkten klebte, während die halbe Welt Höchststände feierte? Der Monat begann mit einer offenen Frage: Größere Chancen auf einen Fall unter 9.999 oder auf einen Anstieg über 11.500? Diese Unsicherheit war keine bloße Rhetorik. Während die Wall Street fast täglich Rekorde aufstellte und der deutsche DAX nach oben drückte, hinkte der Ibex hinterher und verdaute Verluste leichter als Gewinne.
Der Auslöser der ersten Sitzung war doppelt: der Tod von Bin Laden und die Dividendenzahlung der Santander-Bank, die den Index allein durch den technischen Effekt belastete. Doch selbst das half nichts.
Ein Index, der spät steigt und früh fällt
Im Vergleich zum S&P 500 und zum DAX zeigte der Ibex ein asymmetrisches Verhalten, das Händler schnell hervorhoben: Er tat sich schwer, an Aufwärtsbewegungen teilzunehmen, führte aber bei Abwärtsbewegungen stets an. Während der Nikkei sein Niveau vor dem Erdbeben wiedererlangte und die Amerikaner neue Hochs markierten, sprach man hier von einem „Seitwärtsmarkt im Seitwärtsmarkt“.
Der Ibex erreichte zeitweise die 10.460 Punkte, obwohl das optimistischste Szenario 10.700 und bestenfalls 11.200 Punkte vorsah. Die Niveaus von 10.126 und 10.196 dienten als taktische Referenz für Tagesgeschäfte. Nichts brach klar aus.
Griechenland, Italien und die Spread, die niemand beachtete
Das Rauschen kam von außen. Eine Intervention in Griechenland galt als unmittelbar bevorstehend, und der Fokus verschob sich auf Italien: Der Spread des italienischen Staatsanleihen gegenüber dem deutschen Bund stieg auf 187 Basispunkte, das höchste Niveau seit dem 11. Januar. Dieser Datenpunkt bewegte Positionen mehr als jede Rede.
Parallel dazu erinnerte der Absturz der Bank of Ireland um fast 25 % – nachdem sie angekündigt hatte, Verluste von bis zu 90 % auf nachrangige Schulden erzwingen zu wollen (mit dem irischen Staat als Aktionär) – schmerzhaft daran, was jedem Peripherie-Land passieren konnte. Über Spanien lag eine unangenehme Idee: Dass das Land nicht Griechenland sei und noch „unangenehme Überraschungen“ zu entdecken blieben.
Maschinen, Dark Pools und der große Hund
Ein Teil der Analyse deutete darauf hin, dass den Markt nicht mehr Nachrichten, sondern große Akteure bewegten. Das wiederkehrende Argument: Es ist ein Spiel, bei dem institutionelle Anleger entscheiden, wohin die Reise geht, und Kleinanleger nur versuchen, ihre Richtung zu erraten. Die Empfehlung lautete, bei Zweifel schnell die Position zu schließen.
In einigen Sitzungen lösten algorithmische Warnsysteme gleichzeitig aus. Es wurden signifikante Transaktionen in Dark Pools festgestellt, deren Gegenpartei im öffentlichen Markt verdächtig offensichtlich war: Ein Akteur entzog zwei oder drei Sitzungen lang Liquidität. High-Frequency-Trading-Systeme (HFT) ernteten Kritik, doch an ruhigen Tagen – wenn die Großen pausierten – fiel ihre Abwesenheit stärker auf: Es gab Sitzungen, in denen der Index kaum reagierte und kurzfristige Leerverkäufe, die morgens eröffnet wurden, mit minimalen Verlusten geschlossen wurden.
Die Wahl am 22-M und abstimmende Märkte
Die Kommunal- und Regionalwahlen am 22. Mai bestimmten den Ton. Das Länder-Risiko war bereits angespannt, und einige behaupteten, es sei bis zur Wahl zurückgehalten worden. Die überwiegende Lesart war jedoch nüchterner: Märkte stimmen nicht über Ideologien ab, sondern reagieren auf jede Änderung des Status quo, weil Geld konservativ ist und Vertragsverluste fürchtet.
Auch die Makrodaten halfen nicht: Der Chicago PMI fiel von 67,6 auf 56,6, der schlechteste Wert seit November 2009, was manche direkt als Hinweis auf eine neue Runde von Konjunkturprogrammen lasen. Die übliche Paradoxie: Schlechte Daten, starke Börse.
Diversifizieren oder wie man sich auf das Schlimmste vorbereitet
Mit der Angst vor einer Rettungsaktion im Hintergrund wandte sich ein Großteil des Monats defensiven Strategien zu. Man diskutierte Diversifikation in Metalle, Investitionsgüter und Land, wobei auf dem Bankkonto nur das Nötigste für Unvorhergesehenes blieb. Einige gaben zu, hunderte Silbermünzen gekauft und Bargeld von intervenierten Instituten in ländliche Sparkassen transferiert zu haben. Die Logik, halb scherzhaft, halb ernst: Ruhig schlafen können.
Dem gegenüber bestand eine andere Strömung darauf, sich nicht vom Index verrückt machen zu lassen: In Werte mit eigenem Kurspotenzial investieren, eng gesetzte Stop-Loss-Orders nutzen und ignorieren, was der S&P 500 oder der deutsche Bund tun – letzterer brach übrigens nach einer Konsolidierung nach oben aus, ein Zeichen dafür, dass Geld weiterhin nach sicheren Häfen suchte.
Am Ende fasste eine beliebige Sitzung den Monat zusammen: Der Index kratzte an der -2 %-Marke, ohne dass jemand genau wusste warum, und der einzige bemerkenswerte Anstieg betraf einen einzelnen Wert, der von 6,50 Euro startete. Einen ganzen Monat diskutierten wir das Niveau von 10.700, und der Markt tat schließlich das, was Märkte immer tun: Nichts von dem Angekündigten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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