Silber erreichte nie 40 Dollar: 16 Jahre gebrochener Prognose
Im September 2010, als der Unzenpreis für Silber um 16 Dollar schwankte, wurde ein Ziel festgelegt: 40 Dollar bis Ende März oder Anfang April. Es wurde als „gründliche Studie durch technische Analyse“ des ETFs SLV präsentiert, mit dem Zusatz, man hoffe recht zu haben, und endete mit einem „die Zeit wird es zeigen“. Die Zeit hat viel gezeigt. Begonnen hatte alles jedoch mit einem klassischen Fehler: Es wurden 40 Euro geschrieben, obwohl 40 Dollar gemeint waren. Jemand korrigierte dies auf der ersten Seite, und der Autor gab es ohne Drama zu. Eine kleine Detailsache, aber sie definierte den Ton für alles Folgende: viel Überzeugung, wenig Überprüfung.
Silber bei 40 Dollar: Die Prognose und ihr erster Riss
Die schärfste Antwort kam bald: Technische Analyse sei dafür unbrauchbar; das Einzige, was helfen würde, wäre ein Tipp darüber, wann der Dollar einen Schlag bekommt. Ein anderer Gesprächspartner war sarkastischer und ging davon aus, dass das Metall, wenn es steige, nicht bis zu diesen 40 Dollar steigen würde. Keiner von beiden lag falsch. Die Prognose war attraktiv, rund und bis zur Fristerfüllung perfekt unbeweisbar.
Ein soziologisches Detail, das damals übersehen wurde, ist heute aufschlussreich. In jenen Monaten begannen Flyer mit der Aufschrift „Ich kaufe Gold und Silber“ in Briefkästen aufzutauchen, etwas Ungewöhnliches. Die Interpretation lautete, dass die Leute bereits wenig Gold zum Pfandgeben hatten. Bei einem Spotpreis von etwa 16 Dollar hätte man große Mengen Silber ansammeln müssen, damit sich der Verkauf auf diesem Weg lohnte.
Der Aufschlag, den niemand beim Kauf von physischem Silber berücksichtigt
Die Lücke zwischen dem internationalen Preis und dem tatsächlichen Münzkosten ist das große vergessene Kapitel dieser Geschichte. Bei einem Spotpreis von 20,6 Euro pro Unze gab es keine Möglichkeit, Stücke unter 25,5 Euro zu finden, selbst bei Volumenkauf. Bullion-Münzen mit etwas Aufgeld – Elefanten, Koalas, Kookaburras – gingen direkt auf 30 Euro. Verrückt, ja, aber eine Verrücktheit mit einer ziemlich banalen Erklärung, die fast niemand erwähnt.
Hinzu kommt die Steuerpolitik, die in Spanien Silber bestraft und Gold verschont. Physisches Silber unterliegt einer Mehrwertsteuer von 21 %; Gold ist bei Münzen mit mehr als 80 % Reinheit und Barren mit mehr als 99 % Reinheit steuerfrei. Wer Metall ohne absurden Aufschlag möchte, greift zu ETFs, die diese Steuer sparen, aber keinen physischen Besitz ermöglichen.
Der Ansturm von 2020: Von 16 auf 29 Dollar
Zehn Jahre nach der Prognose erwachte Silber. Und hier wurde die Erzählung hektisch. Das Metall erreichte nachts 26,26 Dollar und korrigierte dann. Es wurden 26,48 als wöchentliches Mindestschlussniveau angekündigt, dann 27,50, danach die 30. Die Ziele wurden gestreckt, je enger der Markt wurde: erst 34, dann 35, dann 58 innerhalb weniger Wochen und im letzten Ausbruch 200 Dollar noch im selben Jahr. Alles wurde schriftlich festgehalten, mit der Warnung, dass es einen Short Squeeze geben werde wie nie zuvor und dass die Läden ausverkauft sein würden.
Der tatsächliche Höhepunkt dieser Phase waren 29,06 Dollar bei CFDs (Differenzkontrakten) und 29,195 bei Futures. Danach folgten sukzessive Korrekturen bis auf 20,58 und 21,90 Dollar, wobei die Ziele immer wieder nach unten revidiert wurden. Das vollständige Detail, Level für Level, mit jeder datierten Korrektur, findet sich in der Originalquelle und lohnt die Lektüre.
Gold, Bitcoin und der Kampf um den sicheren Hafen
Das Thema entwickelte sich zu einer interessanteren Diskussion als die Prognose selbst. Was ist heute ein Wertspeicher? Eine Seite verteidigte Gold als Reserve und sonst nichts, mit einem diskutablen Liquiditätsargument: In jeder mittelgroßen Stadt weltweit gibt es einen Laden, der eine Unze binnen Minuten kauft. Lagerhaltung und grenzüberschreitender Transport sind allerdings ein reales Problem.
Eine andere Strömung behauptete, das Metall habe in einer zunehmend digitalen Wirtschaft seinen Sinn verloren, und Bitcoin übertreffe es im alltäglichen Gebrauch um Längen. Die Gegenreaktion war sofortig: Vier Personen, die Nullen und Einsen in einem Drehteller-Spiel austauschen. Die Diskussion ist Jahre später genau so festgefahren wie damals.
Was geschah letztlich mit den 40 Dollar für Silber?
Nichts. Mehr als drei Jahre vergingen, und das Ziel blieb unerfüllt, begleitet vom wiederkehrenden Scherz, ob das „April“ der Prognose das von 2025 oder das von 2080 sei. Manche erinnerten daran, dass Silber ein Jahr nach Veröffentlichung der Nachricht auf 50 Dollar stieg. Durch Zufall, aber richtig. Die ursprüngliche Prognose hingegen traf nie ein.
Die schärfste Diagnose der Sache kam nicht aus einem Chart, sondern aus einem Satz: Es gibt zwei Arten von Analysten, solche, die die Zukunft nicht vorhersagen können, und solche, die nicht wissen, dass sie die Zukunft nicht vorhersagen können. Die schlechtesten sind die Letzteren. Offen bleibt, ob der Autor der 40-Dollar-Prognose zur zweiten Gruppe gehört oder einfach das falsche Datum gewählt hat. Dort hakt es.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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