Deutsche Staatsanleihen direkt kaufen: Die von Deutschland geschlossene Tür
Kann man deutsche Staatsanleihen ohne Bank kaufen? Fast ein Jahrzehnt lang war die Antwort ja. Es reichte, ein Konto beim deutschen Staatsschuldenamt zu eröffnen, ein Formular auf Deutsch mit Hilfe von Übersetzern auszufüllen und auf die Post zu warten. Dieser Weg steht privaten Anlegern nicht mehr offen: Die Finanzagentur schrittweise den Direktverkauf ihrer Produkte im Jahr 2012 ein, genau als viele Spanier nach sicheren Anlagen suchten, um das Länderrisiko zu meiden. Zu rekonstruieren, wie dieser Mechanismus funktionierte, ist der beste Weg zu verstehen, was heute noch möglich ist.
Was ist die Finanzagentur und wer emitiert die deutsche Schulden?
Die Agentur, die die Schulden des deutschen Staates begibt, ist nicht die Bundesbank, sondern die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur, kurz Finanzagentur. Sie verantwortet die Emissionen von Bundesschatzanweisungen, Obligationen und Schatzwechseln sowie früher auch die Tagesanleihe, das Flaggschiffprodukt für Kleinanleger. Ein Vorteil war die Möglichkeit, ab kleinen Mindestbeträgen zu investieren, ohne die hohen Einstiegshürden einiger Banken.
Der Name klang in Spanien nicht völlig fremd. Ihr Logo ähnelte verdächtig dem Entwurf, der einen Ideenwettbewerb zur Erneuerung des Erscheinungsbilds der spanischen Regierung gewonnen hatte – eine Anekdote, die unter den ersten Interessierten mit einem Augenzwinkern kommentiert wurde. Ob wahr oder nicht, sie erinnerte daran, dass es jenseits der Pyrenäen eine öffentliche Agentur gab.
Wie eröffnete man ein Konto beim deutschen Staatsschuldenamt aus Spanien?
Eine Online-Eröffnung war nicht möglich. Das Formular, der Antrag zur Eröffnung eines Schuldbuchkontos, musste heruntergeladen, ausgefüllt und unterschrieben zusammen mit Unterschrift und Stempel der Hausbank des Antragstellers per Post eingereicht werden. Nach der Eröffnung konnten Käufe und Verkäufe online getätigt werden, mittels PIN und TAN, die per Briefpost zugestellt wurden. Die Daten kamen in separaten Schreiben, und die PIN traf so spät ein, dass sich manche fragten, ob die Unterlagen in einer Schublade verschwunden waren.
Ein beliebter Zwischenweg war die Eröffnung eines Nicht-Residenten-Kontos bei der deutschen Niederlassung der Deutsche Bank. Viele Konten endeten scheinbar in der Filiale 100. Dieses Konto kostete eine feste monatliche Gebühr von 4 Euro, bot kostenlose Überweisungen innerhalb der EU bis 50.000 Euro und verlangte eine hinterlegte Sicherheit von 2.500 Euro, wenn eine Karte beantragt wurde. Eine PIN-Änderung kostete 5 Euro.
Die Zahlen: Von Anleihen mit 3% Zins bis zu Schatzwechseln mit 0%
In den Anfangsjahren zahlte die deutsche Staatsverschuldung noch etwas. Die Konditionen einer Bank aus dem Jahr 2009 nannten Anleihen mit 4,5% Kupon und Fälligkeit Juni desselben Jahres mit einer Rendite (YTM) von 2,70% sowie eine andere mit 4% Kupon, fällig September 2010, mit einer Rendite von 3,10%. Mitten in der Finanzkrise bot der sichere Hafen Deutschland noch 2,5% bis 3%.
Das Bild drehte sich mit der Eurokrise. Als die Risikoprämie für spanische Anleihen explodierte, floß Geld in deutsche Staatspapiere und die Renditen brachen ein: Einjährige Schatzwechsel erreichten zeitweise 0%. Die Tabellen zeigten 0% für Laufzeiten von einem, zwei und drei Jahren, 0,12% für vier Jahre, 0,35% für fünf, 0,54% für sechs und 0,68% für sieben Jahre. Für die Sicherheit, sein Geld verwahrt zu bekommen, zu zahlen, hörte auf, verrückt zu klingen.
Gebühren: Was berechnen Banken für deutsche Staatsanleihen?
Der Kauf über einen Vermittler kostet Geld. In Deutschland dürfen Banken für den direkten Erwerb von Staatsanleihen am Primärmarkt keine Gebühren erheben, wohl aber für die Verwahrung. Bei der Deutsche Bank entsprach dies 0,10% pro Einbehaltung dieser Produkte – laut Berechnungen eines Forennutzers ein Großteil der Rendite eines Schatzwechsels mit 0,38%. Die Commerzbank berechnete 4,90 Euro plus 0,25%, mit einem Minimum von 10 Euro. Der Banco Popular lag bei etwa 0,2% plus Coupon-Gebühr, und ein anderes Institut sprach von 0,30% Maklergebühr.
Diese Bandbreite erklärt, warum das direkte Konto bei der Finanzagentur so attraktiv war: Wie im Thread beschrieben, fielen ohne Verwaltungsgebühren nur noch die Kosten für die Überweisung vom Staatsschuldenamt zum Anlegerkonto an.
Steuern: Wo versteuert ein Nicht-Resident?
Als steuerlicher Ausländer in Deutschland – also ohne Wohnsitz dort – greift das Doppelbesteuerungsabkommen. Der deutsche Staat behält keine Steuern auf Zinsen ein; die Pflicht zur Erklärung und Zahlung liegt beim Finanzamt des Wohnsitzlandes, hier Spanien. Wer ein Konto in Deutschland führte und dort seinen steuerlichen Wohnsitz hatte, unterlag anderen Regeln – ein Szenario, das wenige in Betracht zogen.
Zudem gab es einen wiederkehrenden Hinweis: Die Pflicht, der spanischen Verwaltung die Eröffnung ausländischer Konten zu melden, wobei Verstöße sanktionierbar waren.
Das Ende des Direktwegs und was heute bleibt
Die Finanzagentur schloss schrittweise den Direktkauf für Privatpersonen. Der 31. Dezember 2012 war der letzte Tag für den Erwerb der Tagesanleihe, und seit dem 12. September 2012 verkaufte sie keine Staatsobligationen mehr an Einzelanleger. Wer zu spät kam, fand die Tür verschlossen vor.
Heute führen Alternativen über europäische Broker, Anlagekonten bei deutschen Banken wie der Commerzbank oder Futures auf deutsche Staatsanleihen – Bund, Bobl, Schatz und Buxl –, wobei der Schatz Sicherheiten von etwa 400 Euro pro Kontrakt verlangt. Es ist nicht dasselbe, hält aber die Exposition gegenüber deutscher Bundesverschuldung, ohne die ganze Anleihe zu kaufen.
Die Schließung nährte Theorien darüber, ob Deutschland den Direktkauf wegen Sättigung stoppte oder um das TARGET-System angesichts eines möglichen Euro-Zerfalls nicht weiter zu belasten, mit der Angst, dass Ersparnisse von Spaniern in Deutschland zu Neumark oder gar eingefroren würden. Diese blieben stets Spekulationen. Sicher ist nur, was schon 2009 angemerkt wurde: Hierher kommt man nicht, um Geld zu verdienen, sondern um es nicht zu verlieren. Und dafür zu zahlen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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