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Franco warnte Johnson vor Vietnam als „grenzenlose Abenteuer“
Franco warnte Johnson 1965, der Vietnamkrieg sei ein „grenzenloses Abenteuer“, und schlug vor, Ho Chi Minh als Patrioten zu betrachten.
Franco an Johnson: „Es gibt keine vitalen Punkte zu zerstören“
Am 18. August 1965 unterzeichnete Francisco Franco einen Brief an Lyndon B. Johnson, in dem er die US-Strategie in Vietnam Punkt für Punkt entkräftete. Die Zeitung ABC druckt ihn im Wortlaut ab; das Außenministerium archiviert ihn datierungslos als Dokument 184 des Bandes XII von Foreign Relations of the United States, 1964-1968. „Der Krieg im Dschungel stellt ein grenzenloses Abenteuer dar“, schrieb der spanische Staatschef an die Weltmacht Nummer eins. Fast sechs Jahrzehnte später spaltet der Text seine Leser noch immer.
Was genau stand in Francos Brief an Johnson?
Die Diagnose folgt einem Lehrbuch der Aufstandsbekämpfung – elf Jahre bevor das US-Militär dies durch harte Lektionen lernte. Franco zählt die Probleme einzeln auf: Die Guerilla „bietet den subversiven indigenen Elementen Vorteile, die mit wenigen Kräften überlegene Truppenkontingente in Schach halten können“; die mächtigsten Waffen „verlieren ihre Wirksamkeit angesichts der Atomisierung der Ziele“; und vor allem „gibt es keine vitalen Punkte, deren Zerstörung den Krieg beenden würde“.
Dazu kommt der unbequeme Teil. Je länger der Konflikt andauere, so die Warnung, desto mehr werde Vietnam zur „leichten Beute des chinesischen Imperialismus“, selbst wenn man den Vietcong zerschlage. „Die versteckte Aktion der Guerillas wird lange bestehen und eine langanhaltende Besetzung des Landes erzwingen, in dem ihr stets Fremde bleiben werdet.“ Das Fazit ist ein Satz, der halben Konflikt zusammenfasst: „Die Ergebnisse scheinen nicht im Verhältnis zu den Opfern zu stehen.“
Und dann die unerwartete Empfehlung. Über Ho Chi Minh schreibt der spanische Diktator: „Ich kenne Ho Chi Minh nicht, aber aufgrund seiner Geschichte und seines Bestrebens, erst die Japaner, dann die Chinesen und später die Franzosen zu vertreiben, müssen wir ihm Glaubwürdigkeit als Patriot zusprechen (…) er könnte zweifellos der Mann sein, den Vietnam braucht.“
Wer hat den von Franco unterschriebenen Brief wirklich verfasst?
Hier beginnt der Riss. Manche behaupten, ein Text dieser Qualität stamme nicht aus dem Kopf eines militärisch ausgebildeten Offiziers, sondern sei vom diplomatischen Dienst oder dem Verteidigungsministerium verfasst worden, wobei der Caudillo nur nach dem Frühstück beim Lesen unterschrieb. Dies ist die These jener, die die Veröffentlichung in der Presse als Versuch der Rehabilitierung sehen.
Gegenüber steht die entgegengesetzte Lesart: Franco war der jüngste General seiner Zeit und gewann einen Bürgerkrieg mit weniger Mitteln als der Gegner. „Er war kein Dummkopf; wenige Diktatoren sterben alt an der Macht“, fasst das am häufigsten wiederholte Argument zusammen. Der Vergleich, der in der Diskussion gezogen wird, ist grausam für die Gegenwart: Das Niveau des Textes lasse die heutigen Staatsmänner blass aussehen.
Die geistige Urheberschaft ist heute mit dem verfügbaren Material nicht lösbar. Keine der beiden Versionen liefert den ursprünglichen Entwurf.
Das Interessenkalkül, das Franco auf den Tisch legt
Der klügste Teil des Dokuments ist nicht militärisch, sondern geopolitisch. Franco beschreibt eine Konvergenz, die Washington jahrelang übersah: Die USA wollen, dass der chinesische Kommunismus Südostasien nicht überrennt; die Staaten der Region wollen China fern von ihren Grenzen; Russland fürchtet, dass sein „künftiger Rivale“ wächst; und Ho Chi Minh strebt ein vereinigtes Vietnam an, das nicht von Peking absorbiert wird.
Daraus ergibt sich eine Schlussfolgerung, die 1965 wie Ketzerei und 1972 wie ein Handbuch klingt: „Da diese Bedrohung eminent politischen Charakters ist, kann sie nicht allein durch Waffengewalt beseitigt werden.“ Der Abschluss ist fast elegisch: „Ich glaube, es lohnt sich, dass alle etwas opfern.“
Gab es Betrug bei den Wahlen von 1936? Die andere Seite der Medaille
Der Brief öffnet indirekt erneut die Debatte über die Ursprünge des Regimes. Es wird das Buch 1936 Embeleco y violencia (1936 Betrug und Gewalt) zitiert, das ein mit Bleistift manipuliertes Protokoll aus dem Archiv der Provinzverwaltung Jaén dokumentiert, worin Stimmen der Volksfront neu zugewiesen wurden. Die daraus gezogene Schlussfolgerung: Die Wahlen waren ein Wahlbetrug.
Gegen diese Lesart spricht doppelte Einwände. Erstens waren die Unregelmäßigkeiten des damaligen Wahlsystems nicht nur einer Seite eigen. Zweitens macht ein Betrug keinen Staatsstreich zu einer verhältnismäßigen Antwort. Das Gegenargument in der Diskussion ist ein Zitat von Pío Moa selbst: „Das Regime Francos führte die Nachkriegsrepression nicht mit dem Ziel durch, die Linke auszurotten, sondern um sie abzuschrecken“, später relativiert durch die These, die Härte sei eine Reaktion auf die vorherige Gewalt im Hinterland gewesen.
Technokraten, Entwicklungspläne und Spätfrankismus
Ein dritter Streitpunkt ist wirtschaftlicher Natur. Es wird behauptet, die Politik des Regimes sei ein ständiger Kampf zwischen der „ausstehenden Revolution“ der Falange und den Rezepten der Technokraten des Opus Dei gewesen, wobei Franco je nach Windrichtung zur einen oder anderen Seite neigte, während die Letzteren zunehmend gewannen, als sich die Wirtschaft modernisierte.
Als kuriose Ableitung wird behauptet, Spanien habe mehrere Kontingente eines medizinischen Militärteams nach Vietnam entsandt, das keine Verluste erlitt und sich sogar solchen Respekt beim Vietcong verdiente, dass dieser vor Bombardierungen amerikanischer Stellungen warnte. Diese Angabe kursiert ohne dokumentarische Grundlage im Text und sollte als das genommen werden, was sie ist: eine ungeprüfte Behauptung.
Der genaue Punkt, an dem die Analyse festfährt, ist die Unterschrift. Wenn ein Diplomat den Brief geschrieben hat, bleibt Franco der Mann, der ihn genehmigte und sandte. Wenn er ihn selbst schrieb, hält die Karikatur nicht stand. In keinem der beiden Fälle änderte das Dokument eine einzige Entscheidung in Washington.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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