Ukrainischer Scharfschütze tötet russischen General auf 1.500 Meter

Berichte über den Tod eines Generals durch einen Scharfschützen aus großer Distanz erinnern an die unbestätigte Legende vom 'Phantom von Kiew'.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukrainischer Scharfschütze tötet russischen General auf 1.500 Meter
Der tödliche Schuss auf 1.500 Meter

Ein Treffer auf 1.500 Meter ist technisch möglich. Dass dieser Schuss jedoch einen russischen General tötet, erfordert weitaus mehr als nur Glück. Genau diese Entfernung wird in den Berichten über den angeblichen ukrainischen Scharfschützen genannt – eine Zahl, die von keiner unabhängigen Quelle bestätigt wurde und dieselbe zweifelhafte Herkunft hat wie die berühmte Legende des Phantom-Piloten zu Beginn des Konflikts.

Die Behauptung stützt sich auf eine Kette von Medienberichten, die sich gegenseitig zitieren, ohne dass ein offizieller Bericht sie untermauert.

Was ist über den Scharfschützen und den getöteten General bekannt?

Nicht viel. Die Geschichte besagt, dass ein ukrainischer Schütze einen russischen General aus 1.500 Metern Entfernung erschossen habe. Eine Bestätigung fehlt: Die Zeitungen, die dies veröffentlichen, verweisen auf andere Quellen, die wiederum auf die ersten zurückgreifen. Kritiker im Forum weisen darauf hin, dass einige dieser Medien bereits in den ersten Tagen des Krieges unmögliche Heldentaten verbreiteten. Das Ergebnis ist eine runde, saubere Zahl, die sich bis zu einem offiziellen Communiqué nicht nachverfolgen lässt. In einem Konflikt, in dem beide Seiten täglich einen parallelen Informationskrieg führen, ist das kein Detail am Rande.

Man sollte es auch nicht pauschal ausschließen. Aber die Beweislast kann nicht durch wiederholte Schlagzeilen erbracht werden.

Ist es möglich, jemanden auf 1.500 Meter zu töten?

Ja, aber es ist außergewöhnlich und hängt von zu vielen Variablen ab. Ein Schuss auf diese Entfernung unter Kampfbedingungen – Wind, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, bewegliches Ziel und vor allem der erste Schuss – ist laut Aussagen von erfahrenen Ausbildern sehr unwahrscheinlich. Die Kugel fliegt nicht geradeaus: Sie beschreibt einen Bogen, und der Höhenverlust muss mit Uhrmacherpräzision korrigiert werden. Die Wissenschaft des Präzisionsschießens auf große Entfernungen wurde in Vietnam realisiert und seitdem perfektioniert, aber sie ist keineswegs trivial geworden.

Der tatsächliche Rekord der Langstrecken-Scharfschützen

Zahlen helfen, den Fall einzuordnen. Carlos Hathcock hielt den Rekord von 2.286 Metern für 35 Jahre, zwischen 1967 und 2002, mit 93 offiziell bestätigten Tötungen. Im 21. Jahrhundert verschob sich die Marke laut verfügbaren Aufzeichnungen in Richtung 3.000 Meter, und moderne Waffen erreichen theoretisch noch größere Weiten. Im Thread werden mindestens 14 bestätigte Fälle über 1.500 Meter zitiert. Die genannte Entfernung ist keine Fantasie; sie liegt an der Grenze des Dokumentierten, was genau dort bedeutet, wo man zweimal hinschauen sollte.

Die maximale Reichweite eines Gewehrs ist etwas anderes. Sie wird erreicht, wenn man in einem Winkel von 45 Grad schießt: Bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 264 Metern pro Sekunde fliegt die Kugel sehr weit, aber ohne Garantie, etwas zu treffen. Eine Waffe mit einer theoretischen Reichweite von 7.000 Metern macht ihren Träger nicht zum unfehlbaren Vollstrecker auf halbe Meile.

Wo befinden sich russische Generäle an der Front?

Selten an der vordersten Linie. Ein General führt Einheiten aus dem Hinterland, umgeben von seinem Stab, und schaut nicht einmal in Filmen über eine Schützengrabenbrüstung. Üblicherweise tauchen an der Front Kommandeure oder Oberstleutnants auf. Dieses einfache Detail ist dasjenige, das die Version vom heroischen Scharfschützen am meisten infrage stellt: Um einen General zu töten, muss man ihn zuerst lokalisieren, und Generäle bewegen sich geschützt und außerhalb der Reichweite eines einzelnen Schützen.

Vom Phantom von Kiew zu wiederverwerteten Quellen

Das Vorbild wiegt schwer. Das Phantom von Kiew, jener Pilot, der angeblich allein mehrere russische Kampfflugzeuge an einem einzigen Tag abgeschossen haben soll, entlarvte sich selbst, als laut Kritikern klar wurde, dass die ukrainischen Einrichtungen zum Start und zur Wartung von Kampfflugzeugen zu Beginn des Konflikts zerstört worden waren. Nun gut: Mehrere der Medien, die jetzt die Heldentat des Scharfschützen verkünden, sind dieselben, die damals jene Geschichte nährten. Wenn dieselbe Quelle zwei Wunder wiederholt, braucht das zweite bessere Belege als das erste, nicht schlechtere.

Der spanische Scharfschütze und die 300 Euro pro Ziel

Parallel dazu kursierte eine andere Geschichte: die eines ehemaligen spanischen Fremdenlegionärs des Tercio Gran Capitán, der nach Kiew entsandt wurde, seine Überlebenschancen auf 50 % bezifferte und 300 Euro für jeden erschossenen Mann kassieren würde. Als Kriegsbericht präsentiert, passt sie besser zum Muster der Propaganda als zum einer Chronik: ein identifizierbarer Protagonist, dramatische Bedingungen und eine konkrete Tarifangabe. Nichts davon bestätigt oder widerlegt den Tod des Generals. Es fügt nur Rauschen hinzu zu einer Zahl, die weiterhin keinen Besitzer hat.

Und wenn es wahr wäre? Möglich. Das Problem ist nicht die Wahrscheinlichkeit, sondern dass wir gelernt haben, daran zu glauben, bevor wir es überprüfen können.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (202 Antworten).

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