Carrero Blanco: US-Telegramm und Schatten von 1973

Das geheime Telegramm 700 von 1971 forderte Carreros Abgang. Das Attentat von 1973 bleibt interpretationsbedürftig.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Carrero Blanco: US-Telegramm und Schatten von 1973
Das Telegramm von 1971, das Carreros Abgang forderte

Das „Geheime Telegramm 700“ wurde im Januar 1971 von der US-Botschaft in Madrid gesendet, fast drei Jahre bevor ein Tunnel und eine Bombe unter dem Asphalt Admiral Luis Carrero Blanco töteten. Es war an Außenminister William Pierce Rogers gerichtet und enthielt einen Satz, der bis heute zu denken gibt: „Das beste Ergebnis dieser Situation wäre, dass Carrero Blanco von der Bühne abtritt.“ Das Dokument, veröffentlicht von The Objective, ist der Ausgangspunkt einer Debatte, die nun ein halbes Jahrhundert alt ist: Wer tötete den Mann, der den Franquismus ohne Franco führen sollte, und warum?

Was stand im „Geheimen Telegramm 700“ über Carrero Blanco?

Die Depesche deutete auf einen Rückzug des Admirals und eine mögliche Ersetzung durch die Generäle Díez Alegría oder Castañón hin. Allein beweist sie keine Verschwörung, skizziert aber ein Klima. Daneben waren Henry Kissingers Berichte über Spanien, Teil des Archivs des Außenministeriums, offen gegen die Richtung des Regimes eingestellt. Kissinger besuchte zudem Spanien und traf sich mit Carrero selbst, wie Zeitungsarchive jener Monate zeigen. Dieses Detail widerlegt das Bild zweier Blöcke, die nicht miteinander sprachen: Es gab Gespräche, und sie waren unbequem.

Für einen Teil der Analyse zeigt dieser Austausch von Depeschen, dass Washington jeden Schritt der spanischen Regierung verfolgte. Für andere bestätigt es nur das Offensichtliche: Im Kalten Krieg bewegte niemand in Europa etwas, ohne dass die zuständige Botschaft Notiz nahm.

Das spanische Atomprogramm, das Washington bremsen wollte

Das Projekt Islero ist das Stück, das in der Hypothese eines Mordes mit externer Hand am meisten Gewicht hat. Spanien weigerte sich, den Nichtverbreitungsvertrag für Kernwaffen im Jahr 1968 zu unterzeichnen; später, unter Felipe González, wurde er nicht nur unterzeichnet und ratifiziert, sondern auch ein Atom-Sarracena verhängt. Zwischen diesen beiden Meilensteinen liegt ein Jahrzehnt des Drucks. Manche erinnern daran, dass Spaniens Reaktoren bis zum Tod Carreros mit Technologie aus Frankreich betrieben wurden und die Lieferung danach auf amerikanische umgestellt wurde.

Der Gegenbeweis ist solide: Franco lehnte Islero ab und beerdigte es lange vor 1973, mit dem Argument, Spanien sei weder eine militärische noch eine wirtschaftliche Macht wie die Atommächte. Wenn das Projekt längst tot war, half es nicht, seinen Förderer zu töten, um es zu stoppen.

Warum NATO und die Basen von 1953 ins Spiel kommen

Im Jahr 1953 unterzeichnete Spanien ein bilaterales Basenabkommen mit den USA. Zwanzig Jahre später musste dieses Abkommen neu verhandelt werden, und hier lag der Knackpunkt. Eine Strömung behauptet, Carrero habe den NATO-Beitritt befürwortet, aber auf Augenhöhe mit Washington verhandeln wollen und den Preis der Basen grundlegend überprüfen lassen. Andere bestreiten dies: Es gibt keinen dokumentarischen Beweis dafür, dass er sich dem Bündnis widersetzte. Belegt ist jedoch, dass er zu De Gaulle blickte, der 1966 Frankreich aus der militärischen Struktur der Allianz führte und zwei Jahre später an Mai ’68 teilnahm.

Das aufschlussreichste Detail ist nicht diplomatischer, sondern logistischer Natur. 1953 stellte Spanien hastig auf NATO-Munition um und kalibrierte dabei halb Arsenal neu: Mauser-Gewehre auf 7,62 (FR-7 und FR-8), MG42-Maschinengewehre, die zu MG 1 umgebaut wurden, das ursprüngliche CETME-Design — gedacht für kontrollierte Salven auf 1.000 Meter mit Aluminiumkernmunition — verworfen, und Kurzwaffen vereinheitlicht auf 9 mm Parabellum. Die vollständige Aufschlüsselung ist länger und betrifft auch die Kalibertradition der Polizei. Waffen anzupassen ist eine sehr stille Art zu sagen, wer das Sagen hat.

Drei Versionen zur Urheberschaft des Anschlags

Die verbreitetste Hypothese bleibt die Ausführung durch ETA, ohne weitere Hände. Sie kollidiert mit einem unbequemen Faktum: 1974 existierten bereits zwei Organisationen, ETAm und ETApm, wobei letztere Mitte der Achtziger verschwand. Eine zweite Lesart sieht den Ursprung in den Kanälen des spanischen Staates selbst, mit oder ohne fremdes Einverständnis. Die dritte zielt auf ausländische Dienste und stützt sich oft auf das Netzwerk Gladio und die italienischen Roten Brigaden sowie darauf, dass die USA ETA zwangen, während Verhandlungen in der Henri-Dunant-Stiftung Taten einzustellen. Über dieses Netz behaupten manche, es habe in Spanien unter anderer Haut operiert, eine These, die ohne schlüssige öffentliche Beweise lanciert wird.

Das am häufigsten wiederholte Argument gegen die US-Spur ist, dass Washington nichts vom Anschlag hatte. Die Entgegnung ist simpel: Für ein Land mit Basen, Diensten und einem Partner, der seit 1969 auf dem Absprung war, ist ein instabiles Nachbarland handhabbarer als eines mit eigenem Willen.

Was danach geschah: Sahara, Nachfolge und Ende des Franquismus

Die beiden Verantwortlichen für Carreros Sicherheit, Arias Navarro und General Eduardo Blanco, tauchen bei der Verteilung der Sahara-Rolle wieder auf. Ein Jahr nach dem Anschlag verpflichtete sich Blanco gegenüber dem US-Botschafter einem marokkanischen Sahara, zwei Monate später kündigte Arias das Ende der spanischen Präsenz an. Die Sequenz endet mit dem Grünen Marsch von 1975.

Parallel dazu hatte Franco Vernon Walters im Jahr 1971 klargemacht, dass das Regime in eine Demokratie übergehen würde, und 1974 unterzeichnete Juan Carlos eine Grundsatzerklärung, die Carrero ohne Aufsehen gebilligt hätte. Das heißt: Das Drehbuch der Nachfolge war schon geschrieben, als das Auto flog.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (146 Antworten).

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