El País veröffentlichte 1985 Zweifel des Gesundheitsministeriums am AIDS-Test
Im August 1985 warnte das spanische Gesundheitsministerium in einem Rundschreiben davor, dass AIDS-Tests „zu Verwirrung neigen“ und die „tatsächliche klinische Bedeutung“ eines positiven Ergebnisses unbekannt sei. Die Zeitung veröffentlichte dies. Laut einem Leser, der diese Archive durchsieht, ist derselbe Test dreißig Jahre später immer noch das einzige Kriterium zur Kennzeichnung von Millionen Menschen, und das Archiv der Zeitung hat sich zu einem unbequemen Artefakt entwickelt: Je rigoroser der Journalismus damals war, desto mehr ähnelt er dem, was heute als Leugnung abgetan wird.
Das Paradoxon ist erheblich. Ein Leser, der in den Printausgaben von El País zwischen 1983 und 1988 stöbert, findet vorsichtig zitierte Wissenschaftler, Gesundheitsbehörden, die Unsicherheit einräumen, und laut Debattenmaterialien sogar einen Nobelpreisträger, der den kausalen Zusammenhang zwischen einem Bicho und dem Syndrom infrage stellt. Dieses Material würde heute ohne Kontextwarnung nicht durch den Filter der Gesundheitsredaktion eines allgemeinen Mediums kommen.
Was die Archive genau sagten
Der Artikel vom 20. August 1985 ist der vernichtendste. Das Rundschreiben des Ministeriums für Gesundheit und Konsum, gerichtet an die nationalen Gesundheitsverantwortlichen, stoppte Nachrichten über gemeldete Fälle und wies darauf hin, dass das Nationale Zentrum für Mikrobiologie in Majadahonda das einzige Referenzzentrum sei. Bis hierhin Verwaltung. Entscheidend kommt danach: „Serumuntersuchungen können bei Patienten ohne offensichtliche Symptome oder ohne Krankheit positiv ausfallen“, und „die tatsächliche klinische Bedeutung positiver und negativer Ergebnisse sowie der prädiktive Wert des Tests bezüglich der Übertragung sind noch nicht bekannt.“
In heutiger Sprache übersetzt: Der Test sagt nicht, ob man etwas hat, noch ob man ansteckend ist. Er sagt nur, dass man auf einem Test positiv war, dessen Interpretation unbekannt war. Ein Ministerium unterzeichnete dies 1985, eine Zeitung veröffentlichte es. Derselbe Test, mit derselben methodischen Grundlage, entscheidet heute, wer in Behandlung geht, wer Statistik wird und wer ein Stigma trägt.
Zwei Jahre zuvor, 1983, hatte die Tageszeitung bereits wissenschaftliche Vorsicht dokumentiert: „Wissenschaftler zeigen sich jedoch vorsichtig hinsichtlich der Tragweite ihrer Entdeckung und weisen darauf hin, dass die angewandte Methode – der Nachweis von Antikörpern – nicht unbedingt das Vorhandensein von HTLV anzeigen kann, sondern eine andere Ursache, die dieselbe Immunreaktion hervorruft.“ Sie schloss mit einem Satz, der heute wie Ketzerei klingt: „Nun hoffen die Wissenschaftler nachweisen zu können, dass alle AIDS-Patienten das isolierte Bicho im Blut haben und dass dieses tatsächlich die Ursache der Krankheit ist.“
Hoffen nachzuweisen. Dabei blieb es.
Die Debatte, über die die Zeitung nicht berichtete
Die Archive haben eine Rückseite: Was fehlt. Laut Debattenmaterialien veröffentlichte ein renommierter Retrovirologe im März 1987 in Cancer Research Argumente gegen die Existenz des AIDS-Bicho. Dieser Artikel erscheint nicht auf den Seiten der Tageszeitung. Auch nicht die US-Debatte über Poppers und allogenes Sperma als mögliche Ursachen des Zustands, die Anfang der Achtziger in Fachzeitschriften diskutiert wurde und hier durch Weglassen erledigt wurde.
Informationsauswahl ist nicht neutral. Als die infektiöse Hypothese zum Gewinner wurde, hörte die Tageszeitung auf, Zweifel zu veröffentlichen, und begann, Fälle zu melden. 1986 titelte sie, dass ein deutsches Kind seinen Bruder durch Beißen angesteckt habe. 1987, dass afrikanische Mücken Virenüberträger seien. 1988, dass ein Viertel der 42.000 in Madrid durchgeführten Tests positiv ausgefallen seien. Die Sequenz hat eine innere Logik: Zuerst wird der Test installiert, dann gezählt, dann dramatisiert.
Die angekündigte Epidemie, die nie kam
Im Oktober 1987 lag die Gesamtzahl der seit Beginn der Epidemie in Spanien an AIDS gestorbenen Personen bei 322. Im selben Jahr prognostizierten europäische Spezialisten auf einem nicht näher benannten Symposium eine „Explosion“ der Plage vor Ende des Jahrzehnts. Die Explosion kam nicht mit der angekündigten Virulenz, aber die Alarmstruktur war bereits aufgebaut: Massentests, Kampagnen und eine Erzählung, die Nuancen nicht ohne Bestrafung zuließ.
Die Tageszeitung berichtete auch 1986, dass einige in Spanien verkaufte Kondome die Ansteckung nicht verhindern, und 1987, dass ein britischer Arzt behauptete, Kondome seien nicht sicher gegen AIDS. Kurz darauf titelte dasselbe Blatt „Gegen AIDS ist das Kondom König“. Der Widerspruch wurde nie aufgelöst. Man schlug einfach die Seite um.
Von AIDS zu 'HI': Die Definitionskorrektur
Der konzeptuelle Schwenk kam mit der Verallgemeinerung des Tests. Vor 1985 war AIDS ein klinisches Bild: eine Reihe opportunistischer Infektionen und seltener Krebsarten bei jungen Menschen. Danach wurde es ein Labortestergebnis. Die Definition änderte sich, und damit die betroffene Population. Menschen ohne Symptome, mit einem positiven Ergebnis auf einem unspezifischen Test, wurden in die Buchführung aufgenommen.
Diese Verschiebung hat Folgen, die sich in den Archiven nachverfolgen lassen. 1987 anerkannte die Tageszeitung noch, dass ein Teil der „HI-Positiven“ niemals AIDS entwickeln würde. Heute ist diese Möglichkeit in der Sprache verwischt: Jeder Positive ist ein potenzieller Patient, und die Unterscheidung zwischen Infektion und Krankheit ist rhetorisch geworden. Die Debatte darüber, ob das Bicho das Syndrom verursacht, wurde nicht durch gesammelte Beweise beendet, sondern durch Medienkonsens.
Was die Archive über den Journalismus verraten
Der Vergleich zwischen der Tageszeitung von 1985 und der heutigen fällt zugunsten der damaligen aus. In den Achtzigern konnte ein Redakteur schreiben, dass der Test zu Verwirrung neige und das Ministerium dies einräume. Heute würde dieselbe Aussage sofortige Gegengewichte durch Experten, einen Hinweis, dass die Wissenschaft gesichert sei, und eine Warnung vor Pseudowissenschaft verlangen. Vorsicht ist Misstrauen geworden, und Misstrauen ist zu weicher Zensur geworden.
Dieses Phänomen ist nicht auf AIDS beschränkt. Die Archive derselben Zeitung erlauben es nachzuvollziehen, wie über häusliche Gewalt berichtet wurde, bevor es das Label gab: Jährliche Anzeigen zwischen 14.000 und 25.000 zwischen 1983 und 1995, individuelle Fälle ohne interpretativen Rahmen und eine zunehmende Übernahme der Gender-Sprache ab 2002. Der Fokuswechsel war nicht nur inhaltlich: Er war funktional. Die Zeitung hörte auf, das Geschehene zu erzählen, und begann, das Gedachte zu konstruieren.
Der Punkt, an dem die Analyse feststeckt
Die unbeantwortete Frage ist, warum ein Medium, das 1985 die Zweifel des Ministeriums am Test veröffentlichte, 2015 die Zweifel eines Nobelpreisträgers an der Kausalität nicht veröffentlichen würde. Die einfache Antwort ist kommerzieller Druck oder politische Korrektheit. Die unbequeme ist, dass der Gesundheitsjournalismus aufgehört hat, Journalismus zu sein, und zur Übersetzung offizieller Pressemitteilungen geworden ist. Und kein Archiv behebt das.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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