Das Peak Oil, das niemand beim Namen nennen will und das alle Krisen erklären würde
Die weltweite Förderung von billigem Erdöl erreichte 2018-2019 ihren Höhepunkt. Von da an werden jedes Jahr zusätzlich 1 bis 1,5 Millionen Barrel pro Tag benötigt, um das normale Wachstum zu tragen, und das System beginnt, sie nicht mehr liefern zu können. Das ist die Ausgangshypothese einer Übung, die in Wirtschaftsforen kursiert und die, statt das Ende der Welt anzukündigen, etwas Unangenehmeres vorschlägt: dass die Energie-Eliten es wissen und beschlossen haben, den Abstieg zu verwalten, ohne es jemandem zu sagen.
Das Schlüsselstück der Erzählung ist die Pandemie. 2020 brach die Ölnachfrage um rund 8,5 Millionen Barrel pro Tag ein, der größte jemals registrierte Jahresrückgang, mit einem momentanen Höhepunkt von 29 Millionen unter dem Vorjahreswert im April. Für die Verfechter dieser These war der Lockdown nicht nur eine gesundheitliche Maßnahme: Er war die Intervention, die aus Ölgründen politisch unmöglich gewesen wäre. Flugzeuge am Boden, Autos still, Fabriken geschlossen, Homeoffice und geschlossene Grenzen. Schlagartig ersparte sich das System mehrere Jahre Nachfragewachstum.
Der Preis stürzte ab, er stieg nicht. Wäre das Peak Oil gerade eingetreten, wäre extrem teures Rohöl zu erwarten. Stattdessen erzeugte die künstliche Nachfragezerstörung ein vorübergehendes Überangebot, volle Lager und massive Förderkürzungen: Im Mai sank die Weltförderung um rund 12 Millionen Barrel pro Tag, während OPEC+ Kürzungen von nahezu 10 Millionen vereinbarte. Der Preissturz widerlegte die These nicht, er verdeckte sie.
Von der Gesundheitsausnahme zum Krieg als Erklärung
Als die gesundheitliche Ausrede aufgebraucht war, kam die Ukraine. In diesem Schema ist 2022 kein Krieg, der zufällig Energie verteuert: Er ist die neue öffentliche Erklärung dafür, dass Benzin, Diesel, Gas, Strom und Düngemittel steigen, ohne dass der Bürger an strukturelle Knappheit denkt. Die Erzählung kennt zwei Versionen, eine starke und eine schwache. Die starke behauptet, bestimmte geopolitische Ereignisse würden absichtlich provoziert oder verlängert. Die schwache, weit weniger anspruchsvolle, sagt, die Ereignisse seien real und unabhängig, aber die Regierungen nutzten sie aus, um eine bereits bestehende Energieeinschränkung zu verwalten. Die zweite braucht weniger Annahmen und erzeugt fast dieselben beobachtbaren Effekte.
Hier kommt der Petrodollar ins Spiel. Europa verliert billiges russisches Gas und erhöht seine Abhängigkeit von US-Flüssiggas. China und Indien bleiben dem Rohöl ausgesetzt, das durch Hormuz läuft, und es genügt, den Golf ausreichend unsicher zu halten, um ihre Energie über Versicherungen, Frachtkosten und Dauerisiko zu verteuern. Die USA, mit eigener Förderung, Kanada und einem Venezuela, das wieder Richtung Washington driftet, müssen keinen Krieg gewinnen: Es genügt, das marginale Öl zu kontrollieren, das ihre Konkurrenten brauchen. Der Kreis schließt sich: Energie, Dollar, Nachfrage nach US-Schulden und die Macht, noch mehr Energie zu kontrollieren.
Die Vorhersagen: Inflation, Rationierung für Reiche und Geld, das nichts kauft
Die Übung bleibt nicht bei der Geopolitik stehen. Daraus gehen konkrete Prognosen hervor. Die erste: Die Inflation wird die Staatsschulden still verringern. Eine ewige Anleihe funktioniert nur, wenn ihre Kosten unter der Inflation bleiben; steigen die Preise um 3, 4 oder 5 % jährlich, zahlt der Staat die Zinsen pünktlich und tilgt die Schuld in einer Währung, die jedes Jahr weniger wert ist. Ohne jemals einen Zahlungsausfall zu erklären.
Die zweite: Das Geld wird aufhören, neutral zu sein. Wenn bestimmte Ressourcen strategisch werden, garantiert das Haben von Millionen nicht mehr, sie kaufen zu können. Über dem Markt entsteht eine zweite Zuteilungswirtschaft: Preis, Genehmigung und strategische Priorität. Der Staat entscheidet, wer was kaufen darf und wofür.
Die dritte: Rationierung für Reiche. Die Bezugsscheine kehren nicht zurück, aber der als übermäßig geltende Konsum wird schrittweise verteuert. Die Mindestenergie einer Wohnung bleibt geschützt; hoher Konsum, Flüge, Klimaanlagen oder Zweitwohnsitze tragen steigende Tarife. Der Konsum ist formal erlaubt, der Überfluss wird wirtschaftlich bestraft.
Die KI wird keine Milliarde Arbeitskräfte ersetzen: Sie werden ohnehin arbeitslos
Im letzten Abschnitt erscheint die KI. Die dominante These der Tech-Branche lautet, dass sie Hunderte Millionen Arbeitskräfte ersetzen und in die Arbeitslosigkeit schicken wird. Hier wird die Reihenfolge umgekehrt: Diese Arbeiter werden wegen der Energieschrumpfung ohnehin arbeitslos, und die KI wird tun, was sie kann, um es abzumildern. Der Staat garantiert das Überleben, nicht den Wohlstand. Wer sich mit dem Nötigen begnügt, kann leben, ohne aktiv an der Produktion teilzunehmen; wer mehr anstrebt, behält den Anreiz zu arbeiten, zu forschen und zu gründen. Anstrengung hört auf, eine universelle Pflicht zu sein, und wird zur persönlichen Wahl.
Die Schlussfolgerung des Ansatzes lautet, dass Peak Oil nicht das Ende der Zivilisation ankündigt, sondern das Ende einer Zivilisation, die Wachstum mit Fortschritt verwechselte. Das Erdöl geht nicht zur Neige: Was zur Neige geht, ist die Möglichkeit, jedes Jahr 560 Millionen Barrel mehr zu verbrauchen als im Vorjahr.
Bleibt irgendjemand übrig, der die Wahrheit wissen will? Das ist die Frage, die über der ganzen Übung schwebt. Denn der beschriebene Mechanismus erfordert nicht, die Bevölkerung von einer Ideologie zu überzeugen: Es genügt zu entscheiden, welche Ideen öffentliche Sichtbarkeit erreichen und welche ausgegrenzt werden. Selektive Förderung, Werbeausschluss, akademisches und mediales Prestige. Und währenddessen tankt der Durchschnittsbürger weiter für zwanzig Euro und macht den Krieg, die Inflation oder die jeweilige Regierung verantwortlich. Nie das Fass, das nicht mehr wächst.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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