Die israelische Cyberangriff-Falschmeldung vertuscht Adif-Panne in Spanien
Ein Computersystem ausgefallen, Züge stehen still, und eine Theorie, die in weniger als vierundzwanzig Stunden bereits einen ausländischen Schuldigen hatte. Das Muster wiederholt sich: Wenn die Infrastruktur versagt, ist die billigste Erklärung die Verschwörung. Die teuerste – die niemand bezahlen will – ist die Wartung.
Der Ausgangspunkt der Angelegenheit ist konkret: ein Angriff auf das Computersystem und der Verdacht, niemals bestätigt, dass jemand mit internem Zugriff gekauft worden sein könnte. Von dort aus driftete die Diskussion in ein Hybridkriegsszenario ab, in dem ausländische Geheimdienste, Verteidigungsinteressen und ein angeblicher Plan auftauchen, eine willfährige Regierung zu installieren und die Militärausgaben auf 5 % des BIP für Flugzeuge und Waffen hochzutreiben. Nichts davon ist belegt. Es ist die Erzählung, die entsteht, wenn Daten fehlen.
Was über den Cyberangriff auf Adif bekannt ist und was reine Vermutung ist
Der zugrunde liegende Vorwurf ist schwerwiegend: unbefugter Zugriff auf die Systeme und mögliche Bestechung eines Mitarbeiters mit Kontrolle darüber. Darauf aufbauend vertritt ein Teil der Kommentarszene die Auffassung, der Ursprung liege bei ausländischen Geheimdiensten, mit Israel und den USA im Visier, und ordnet das in eine Strategie der Spannung ähnlich der Gladio-Netzwerk ein. Das ist eine Hypothese. In dem Material findet sich kein Beweis, kein technischer Bericht, keine offizielle Erklärung, die sie stützt.
Das Gegenargument ist prosaischer und daher weniger verkaufsfreundlich: Der Verfall des Bahnsystems reicht weit zurück. Manche erinnern daran, dass das frühere Infrastruktur-Management den technologischen Modernisierungsrückstand bereits verschleppte und dass das alte System hätte ersetzt werden müssen, bevor es anfing auszufallen. Ein System, das ausfällt, ist nicht immer ein angegriffenes System; manchmal ist es ein vernachlässigtes.
Die Frage, die die halbe Diskussion entwertet, stellte ein Teilnehmer mit gesundem Menschenverstand: Wenn es wirklich ausländische Sabotage gibt, ist die Regierung dann nicht verpflichtet, sie mit Polizei, Guardia Civil, dem CNI (spanischer Inlandsgeheimdienst) und Gegenspionage zu verhindern und zu bekämpfen? Genau. Entweder gibt es einen Angriff, dann versagt die Verteidigung, oder es gibt keinen, dann ist die Erzählung überflüssig.
Der Zufall als Argument: Stromausfall, Ceuta und Züge
Die Liste der Zufälle ist lang: der landesweite Stromnetzausfall, die über soziale Medien organisierte Masseneinreise nach Ceuta und jetzt die Adif-Systeme. Zu viele, um Zufall zu sein, so das Argument. Das logische Problem: Ein Zufall ist kein Beweis, sondern der Rohstoff, aus dem Verschwörungstheorien gefertigt werden. Und in diesem konkreten Fall ist die Chronologie der Ereignisse noch nicht abgeschlossen.
Die andere Lesart kehrt die Beweislast um. Wenn die Regierung die Ausfälle ausländischen Händen zuschreibt, übernimmt sie das Gedankengerüst, das sie zuvor bei der Opposition verspottet hat. Die Wende hat etwas Komisches: Dieselben, die Kritiker Verschwörungstheoretiker nannten, bräuchten jetzt einen äußeren Feind, um zu erklären, was sie nicht kontrollieren.
Der israelische Sicherheitsvertrag, den niemand beachtet hatte
Der unbequemste Fakt der Angelegenheit ist nicht der Angriff, sondern der Vertrag. Nach circulating Informationen fordert eine Gewerkschaft die Renfe-Führung auf, ihre Vereinbarung mit einem israelischen Sicherheitsunternehmen, das Züge und Anlagen bewacht, auszusetzen. Wenn das stimmt, ist die Parallele bemerkenswert: Israel wird beschuldigt, eine Infrastruktur zu sabotieren, die ein mit Israel verbundenes Unternehmen beauftragt wurde zu schützen. Entweder ist der Vertrag irrelevant, oder die Erzählung hat Löcher.
Es hilft, die Ebenen zu trennen. Das eine ist Außenpolitik, das andere die Wartung eines Bahnnetzes. Beides zu vermischen taugt für die Kundgebung, nicht für die Diagnose. Und die Diagnose steht, Stand dieser Diskussion, noch aus – ein technischer Bericht, den niemand gesehen hat.
Die Verteidigungsausgaben als roter Faden
Der wirtschaftliche Hintergrund erscheint, sobald man an der Oberfläche kratzt: der Verdacht, dass der Lärm höhere Militärausgaben und Waffenkäufe mit technologischer Abhängigkeit vom Lieferanten rechtfertigen soll. Das ist eine legitime und alte Debatte: Wie viel zahlt man für Souveränität und wie viel für einen Abschaltknopf, den man nicht kontrolliert? Aber das eine ist, den Verteidigungshaushalt mit Zahlen zu diskutieren, das andere, daraus die Erklärung für einen Computerausfall zu machen.
Eine Richtung fasst es schonungslos zusammen: Die Souveränität ging verloren, als man ausländische Basen auf eigenem Boden akzeptierte, der Rest ist Theater. Das ist eine politische These, kein Gutachten.
Wie viel von dem, was geschah, ist Sabotage – und wie viel ist die Rechnung für zwanzig Jahre ohne Investitionen in das, was man nicht sieht?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (214 Antworten).