IEA-Bericht: Öl- und Gasförderung sinkt rapide

Die IEA warnt vor einem drastischen Rückgang der Förderleistung. 80 % des Öls und 90 % des Gases stammen aus bereits über dem Peak liegenden Feldern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

IEA-Bericht: Öl- und Gasförderung sinkt rapide
IEA veröffentlicht Bericht zum Rückgang von Öl- und Gasfeldern

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ohne Vorankündigung einen Sonderbericht zu den Verfallsraten bei Öl- und Gasfeldern veröffentlicht. Das sehr technische Dokument warnt vor mittelfristigen Versorgungsproblemen und erscheint zu einem heiklen Zeitpunkt: Die Agentur hatte jahrelang die Position vertreten, dass wir keinen Produktions-, sondern einen Nachfragpeak erleben. Das bedeutet, dass wir weniger verbrauchen, weil wir uns entschieden haben, weniger zu verbrauchen. Laut dem kursierenden Analysebericht widerlegt das Dokument diese These mit einer Zahl: 80 % der Ölproduktion und 90 % der Gasproduktion stammen bereits aus Lagerstätten, die ihren Höhepunkt überschritten haben.

Der Nachfragepeak war eine Form des Wegschauens

Die Abfolge ist bekannt. Im Jahr 2018 stand die Agentur kurz davor, anzuerkennen, dass der Öl-Peak unmittelbar bevorsteht. Noch im selben November wurde das Maximum der Produktion flüssiger Brennstoffe erreicht. Ab 2020 änderte sich die Erzählung: Es geht nicht darum, dass man nicht mehr fördern kann, sondern dass man es nicht will. So wurde die Illusion aufrechterhalten, dass die Energienachfrage weiter wachsen könnte, gedeckt durch massive Mengen industrieller erneuerbarer Elektrizität.

Das Problem ist, dass die Energiewende (REI) nicht funktioniert. Deutschland, Frankreich und Großbritannien leiden unter einer beschleunigten Deindustrialisierung, ihre Wirtschaften stagnieren. Deutschland kündigt bereits an, seine Ambitionen durch die Aufhebung des Verbots von Verbrennungsmotoren zu senken. Und in den USA baut die Trump-Administration eines nach dem anderen der Projekte zur Umstellung auf erneuerbare Energien ab. Die Länder, die die Wende angeführt hatten, haben beschlossen, dass die Wirtschaft Vorrang hat. Sie wollen zurück zu fossilen Brennstoffen. Das Problem ist, dass es keinen Nachfragepeak gab. Was passiert ist, war ein Produktionspeak.

Warum reicht es nicht, mehr in bestehende Felder zu investieren?

Der Bericht analysiert, was passieren würde, wenn optimal in bestehende Felder sowie in alle genehmigten, aber noch nicht erschlossenen Felder investiert würde. Die Lage verbessert sich, aber nicht entscheidend. Die Schlussfolgerung ist klar: Es reicht nicht, den Status quo zu halten, es reicht nicht, das Bekannte zu nutzen. Man muss neue Lagerstätten finden, und zwar in großen Mengen und immer schneller.

Anschließend berechnet das Dokument, auf welchem Niveau die Upstream-Investitionen gehalten werden müssen, damit die Produktion nicht einbricht. Die genannte Zahl liegt bei rund 500 Milliarden US-Dollar. Darunter ist der Rückgang mathematisch unvermeidlich. Und Geld entsteht nicht aus dem Nichts: Die verbleibenden Ressourcen sind energetisch wie wirtschaftlich immer teurer zu extrahieren. Wenn die Energierücklaufquote (EROEI) des Geförderten nicht hoch genug ist, sind die Extraktionskosten für die Gesellschaft untragbar.

Die Preisschwelle, die die Wirtschaft nicht mehr verkraftet

Vor einigen Jahren lag die maximale Belastungsgrenze der Wirtschaft bei etwa 120 Dollar pro Barrel. Im aktuellen, verschlechterten Umfeld ist es fraglich, ob überhaupt noch 100 Dollar tragbar sind. Dabei muss der Preis nicht dauerhaft hoch bleiben; es genügt, wenn er nur zwei Wochen lang so bleibt, um zunächst eine Spirale der Nachfragezerstörung und anschließend der Angebotszerstörung auszulösen. So halten sich die Preise relativ niedrig bis zum nächsten Peak. Wir leben seit 2008 in diesem Zustand, und das einzig Erwartbare ist, dass sich die Zyklen beschleunigen, je stärker die Produktion sinkt.

Die vorherrschende Wirtschaftstheorie geht davon aus, dass alles eine Frage von Investitionen und Preisen ist. Das stimmt nicht. Wenn die Energierücklaufquote sinkt, beginnen Unternehmen zu schließen, und man tritt in die gefährliche Spirale der Nachfrage- und Angebotszerstörung ein. Das Ergebnis ist eine Wirtschaft, die nicht wachsen kann, egal wie sehr sie mehr Öl verlangt, als der Boden liefern kann.

Die Reaktion des Konsums: E-Scooter, Kleinwagen und Rechnungen

In der Praxis drehte sich die Diskussion darum, wie sich dies im Geldbeutel bemerkbar macht. Einige behaupten, Panikmache funktioniere nicht mehr und es gebe Öl für anderthalb Jahrhunderte. Andere kontern mit dem Argument der Energierücklaufquote: Wenn es zwei Liter Diesel kostet, einen Liter Öl zu fördern, funktioniert es nicht. Eine dritte Strömung weist darauf hin, dass sich die Gewohnheiten bereits ändern: Früher kauften junge Leute einen Ford Fiesta oder Corsa, heute einen E-Scooter.

Die Diskussion kreiste auch um den Preis. Während einige sich freuen, für 20 Euro vollzutanken (bei 1,30 Euro/Liter), erinnern andere daran, dass der Warenkorb 35 % teurer geworden ist. Die akkumulierte Inflation auf verschiedenen Ebenen macht die Party des billigen Kraftstoffs relativ. Und im Hintergrund steht die alte Frage: Wie lange kann ein System, das wachsen muss, um nicht zusammenzubrechen, auf einer physischen Basis stehen, die schrumpft?

Wie viele Jahre dieses instabilen Gleichgewichts bleiben uns, bevor die nächste Versorgungskrise vom Schreckgespenst zur Normalität wird?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (156 Antworten).

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